Der dicke AGG-Batzen kommt erst noch

Das Antidiskriminierungsgesetz verschärfen, ja das finden die Europaabgeordneten der CDU/CSU und der FDP völlig unnötig: „Für Antidiskriminierung besteht kein zusätzlicher Regelungsbedarf auf europäischer Ebene“, glaubt der Vizevorsitzende des Beschäftigungs- und Sozialausschusses des Europaparlaments, Thomas Mann (CDU) und probt den Schulterschluss mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks. „Allein in Deutschland haben die Schulungen für das Gleichbehandlungsgesetz jährlich mehr als 1,7 Mrd. Euro gekostet“, rechnete Thomas Mann vor.
Und schämt sich so gar nicht.Thomas Mann appelliert: Statt eine umfassende horizontale Richtlinie zu schaffen, sollten die Mitgliedstaaten zunächst die existierenden Richtlinien umsetzen. Hört, hört. Ob er da in erster Linie an die Deutschen gedacht hat? Oder ob ihm da die selektive Wahrnehmung einen Streich gespielt hat?
Denn: Der eigentliche Batzen steht gerade den Deutschen ja erst noch bevor, wie man zuletzt gestern erst aus den Nachrichten erfuhr. Dass die deutschen Frauen von ihren Arbeitgebern, Führungskräften und Personalabteilungen immer noch besonders stark diskriminiert werden – peinlicherweise sogar am allermeisten in ganz Europa. Mehr als in allen Nachbarländern. Auf einer Stufe nur noch mit Estland, Zypern und der Slowakei, die auch ansonsten Deutschland eher nicht als Vorbild dienen. Dass deutsche, berufstätige Frauen im Schnitt also über 20 Prozent weniger bekommen als Männer für die vergleichbare Arbeit.
Am teuersten werden die Antidiskriminierungsregeln also zu Buche schlagen, wenn die Löhne der Frauen erst mal angehoben werden auf das Lohnniveau der Männer. Und die höheren Gehälter sind dann jeden Monat aufs Neue fällig, und nicht nur einmal pro Nase einmal im Leben so wie eine Schulungsmassnahme.
Dass im übrigen so umfangreiche Schulungen überhaupt nötig sind, ist ja eher ein Armutszeugnis. Und ein Ausweis dafür, wie geschäftstüchtig die Fortbilungsanbieter sind sowie ein deutliches Zeichen, dass die Unternehmen ihren eigenen Mitarbeitern nicht übern Weg trauen und danach trachten, sich abzusichern. Um sich nötigenfalls exculpieren und vorbringen zu können: „Wir, die Führungsspitze, haben alles getan bei uns im Hause, um Diskriminierungen zu verhindern – sogar geschult haben wir unsere Leute.“
Nur: Wären die Verantwortlichen von ihren Eltern besser erzogen worden, würden sie von alleine schon niemanden diskriminieren. Dann hätten sie eine bessere Kinderstube und per se mehr Feingefühl. So erklärte es mal Uwe Mommert, Vorstand des Medienanalysten Landau Media in Berlin. Recht hat der Mann.

3 Kommentare zu „Der dicke AGG-Batzen kommt erst noch“

  1. „Wären die Verantwortlichen von ihren Eltern besser erzogen worden, würden sie von alleine schon niemanden diskriminieren. Dann hätten sie eine bessere Kinderstube und per se mehr Feingefühl.“
    Das isses doch. Durch die Bank. Gute Nacht.

  2. Eine Frührentnerin (abi + berufsausbildung)

    berichtete mir vorgestern:
    Erst seit der Einführung der Grundsicherung habe sie vollen Anspruch als Frau auf das Existenzminimum, sprich aufstockende Sozialhilfe. Ein Mann hat dieses Recht automatisch.

    Der Sachbearbeiter habe ihr damals gesagt, sie solle anschaffen gehen, wenn sie mehr Geld braucht.
    Aufgrund von Nahrungsknappheit wurde versucht ihr die Diagnose Magersucht zu stellen.
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    Verhungern als Magersucht darzustellen? Gerade wenn jemand krank ist und sich selbst nicht gut versorgen kann.
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    Auf jeden Fall erhält sie jetzt die Grundsicherung.
    Also Frauen wird erst seit kurzem ein Existenzminmum zugestanden. Es lag bisher im Ermessen des Sachbearbeiters.
    Das Gesetz könne aber wieder gestrichen werden, sagte sie mir.

    Fast schon musste ich sie beruhigen, weil ich sie mehrfach befragte und sie sagte: es steht doch in der Zeitung. Das ist doch nicht wahr, dass es niemand weiß, dass in Deutschland Menschen verhungern.

    Desweiteren die Aussage:
    Das Frauen insbesondere durch die Kirche diskriminiert werden bis heute. Gerade christliche Gewerkschaften verhindern eine gleichberechtigte Bezahlung.

    Deutschland im Jahre 2008
    Mariana Mayer

  3. Sarkozy hat sich dafür eingesetzt, dass Zwangsarbeiterinnen die gleiche Entschädigung zusteht wie männlichen Zwangsarbeitern, die bereits lange entschädigt wurden.
    Eine der wenigen Überlebenden im Alter von 82 Jahren, spendete die erhaltenen 800 Euro für eine Messe mit einer Lesung für die Opfer.

    Gestern wurde dies berichtet.

    Vielen herzlichen Dank an Sarkozy für die Anerkennung des jahrzehntelangen Kampfes dieser Frauen.

    Mariana Mayer

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