Nachwuchssorgen? Sponsern Sie eine TV-Soap!

Man reibt sich die Augen: "Rechtsmedizin begeistert immer mehr Jugendliche heisst es heute in der "Rheinischen Post"…Ausgerechnet das Herumschnibbeln an Leichen?

War das nicht eher als eklig verpönt? In kahlen Räumen, hochgekachelt, oft ohne Fenster, relativ alleine und dann noch oft mit halb oder völlig verwesten Körpern? Zu unappetitlich, zu unangenehme Arbeitsbedingungen? Und ohne wenigstens dankbare Patienten? Papperlapapp. Nicht nur TV-Professor Börne vom "Tatort" aus Münster ist witzig, geistreich und ein Sympathieträger. Vor allem die TV-Serie CSI, in der die Pathologen die wichtigsten sind, hat Erstaunliches bewirkt: Immer mehr Kinder wollen diesen Beruf ergreifen und hören sich im zarten Alter von 5 oder 7 Jahren an der Uni Düsseldorf Vorträge darüber an. Wie es so ist als Rechtsmediziner. Wobei ich mich frage, wieso 5 und 7 Jahre alte Kinder CSI gucken dürfen.

Wenn das kein klares Signal ist! Und die Lösung ebenso: Der VDI, der seit Jahren klagt, dass Deutschland die richtigen Ingenieure fehlen, sollte eine Soap sponsern. Mit witzigen, geistreichen Typen besetzen und zeigen, wie spannend und nützlich der Job ist.

Nur sollten sie aufpassen, dass es keine treudeutsche Serie wie die "Sachsenklinik" wird. Denn da geht es um Klinik-Ärzte und wie doll sie helfen. Denn diese Art Soap scheint kein Kind zu animieren, selbst Mediziner werden zu wollen. Die Probleme, ihre Stellen besetzt zu bekommen sind bekannt, die einschlägigen Ärztefachblätter platzen vor Stellenangeboten. Und wer dennoch Mediziner werden will, aber schlau ist, vermeidet den deutschen Arztalltag tunlichst und geht lieber ins Controlling  einer Klinik oder gleich ins Ausland. 

Da hat die TV-Serie aus Sachsen einfach etwas falsch gemacht. Und zuviel von der Sorgen des Ärztelebens gezeigt – und zu wenig Spannung, Witz und Glamour.  

http://www.computerwoche.de/nachrichten/mittelstand/570905/

http://www.jugend-denkt-zukunft.de/

5 Kommentare zu „Nachwuchssorgen? Sponsern Sie eine TV-Soap!“

  1. Tja, so ist das eben, wenn Fernsehsendungen nicht nur den Weg zum Supermodell ebnen, sondern soagar ein „role modell“ vermitteln ….

  2. Schon mal von einem Kunstfehler-Prozess gegen einen Rechtsmediziner gehört? Wenn man sich den heutigen ärztlichen Alltag ansieht: Aufklärungsgespräche, Praxisgebühr, Budget-Überschreitung, Regresse, Chipkartentourismus, Rückfragen vom Med. Dienst, fünfstelligen ICD-Nummern, Befindensstörungen und Kassen-Bürokratie sowie lange Wartezeiten bei den Fachärzten. Dagegen ist Rechtsmedizin doch eine letzte Zuflucht für die Ärzte, die sich wirklich noch um die Menschen kümmern wollen. Insofern hat die TV-Soap ihren Bildungsaufrag voll erfüllt … Und wenn der Nachwuchs nicht RechtsmedizinerIn wird, sollte er wirklich ins Ausland gehen.

  3. Bestimmt träumen auch die Mediziner für die Lebenden davon, Pathologe zu werden. Dann haben sie endlich Patienten, die nicht widersprechen, und die ihnen nicht mit dem bei Wikipedia angelesenem Halbwissen auf die Nerven fallen….

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