Ehrliche Absagen? Pustekuchen.

Haben sie schon mal erlebt, dass ein Unternehmen oder ein Personalchef, einem Bewerber in seiner Absage die Wahrheit verrät? Warum er tatsächlich nicht genommen wurde? Der Lehrstuhl für Unternehmensrechnung und Controlling der Universität Dortmund glaubt das offenbar.  

Jedenfalls soll es – so meinen wohl Professor Andreas Hoffjahn und Annehild Bramann – so gewesen sein, bevor das AGG, das Arbeitnehmer vor Diskriminierungen schützen soll, in Kraft trat.

Die Wissenschaftler haben nämlich in einer "Empirischen Erhebung der Gesetzesfolgekosten aus dem allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz" dies geschrieben: Über 80 Prozent der Unternehmen hätten bestätigt, dass sie nunmehr personelle Entscheidungen künftig nicht mehr begründen wollen.Und dass es ein Nachteil für die abgelehnten Bewerber sei, wenn sie heute als Vorsichtsmaßnahme Standardschreiben erhielten. Und dass – jetzt kommt’s – "dies dem Bewerber die Chance verbaut auf ein ehrliches Feedback".

Ich staune. Seit wann waren Absageschreiben von Personalabteilungen – die dort tagtäglich und oft in großer Zahl rausgehen, ehrliche Offenbarungen. Ich stelle mir vor, wie – vor dem AGG natürlich – da zu lesen war: Ach, wissen Sie, so wie Sie aussehen können wir Sie nicht zu unseren Kunden schicken. Sie sehen einfach zu spiessig aus, tut uns leid. Oder: Sie sind über 35 und deshalb per se zu alt, um sich überhaupt irgendwo hier zu Lande zu bewerber – mal so unter uns gesagt und im Vertrauen.Oder: Eigentlich wollten wir für diesen Vertriebsposten einen Mann.haben, weil der die männlichen Kunden auch mal an Orten bewirten kann abends nach der Messe, wo Frauen nicht so ganz die Zielgruppe sind, Sie verstehen schon. Oder einfach: Junge, so wie Sie drauf sind, passen sie einfach nicht zu uns.

Sehen Sie. Solche ehrlichen Absagen, die offenbar die Personaler selbst gerade schmerzlich vermissen, habe ich noch nie gesehen. Oder davon gehört. Haben sich eigentlich Bewerber auch beklagt, frage ich mich? Die sollten es ja tun, weil angeblich werden sie ja um ihre Weiterentwicklungschancen gebracht. Zum Beispiel sich einer Geschlechtsumwandlung zu unterziehen. Oder zu einem Stilberater zu gehen.Oder sich einer kleinen Gehirnwäsche unterziehen? Die große Frage in Sachen Weiterentwicklung bleibt natürlich: Wie werde ich jünger statt älter? Und wenn Sie das wissen, liebe Personaler, wenden Sie sich bitte rasch an die Kosmetikindustrie. Da dürften Sie mit dem Wissen viel Geld verdienen können.

Zur Erhebung: http://idw-online.de/pages/de/news221854

Die SZ zum Thema nützliche Lügen im Joballtag: http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/artikel/2/140702/?CMP=NLC-SDE071022&nlsource=taeglich

Ein Kommentar zu „Ehrliche Absagen? Pustekuchen.“

  1. Das ich nicht lache! Gleichbehandlung per Gesetz? Noch nie habe ich erlebt, dass in einem Ablehnungsschreiben einem Bewerber der wahre Grund für die Absage mitgeteilt wurde. Weder durch noch ohne ein Gesetz lässt sich das erzwingen. Einzig ein Unternehmer oder Personalchef mit geradem Rücken war und ist in der Lage, einem Bewerber offen und für diesen hilfreich zu erklären, warum er den Job nicht bekommen hat.

    Mit einem Gesetz wird eher den wenigen Entscheidern, bei denen noch ein Fünkchen Aufrichtigkeit glüht, der Sauerstoff abgedreht. Ich warte schon darauf, dass U-Berater, Lobby-Verbände und andere selbsternannte Experten mit Pamphleten durch die Lande ziehen, in denen Versatzstücke für gendertaugliche Absagen enthalten sind.

    By the way: Seit der Einführung von Frauen- statt Qualifzierungsquoten wird mehr auf das Geschlecht denn auf die Befähigung geschaut. Das hat bei den Grünen dazu geführt, dass schon darüber nachgedacht wird, ob demnächst eine Männerquote eingeführt werden sollte, damit der Partei bei so viel verordneter Weiblichkeit nicht demnächst die Triebkraft ausgeht…

Die Kommentare sind geschlossen.