Frisch von der Uni und schon ein Jahresgehalt von 100 000 Euro und mehr? Gar bis zu 140 000 Euro für ein Jahr Arbeit? So ein Gehalt lässt viele Akademiker vor Neid grün werden: So viel bekommen manche Top-Juristen nämlich als Einstiegsgehalt – zum Beispiel bei so renommierten Adressen wie Latham & Watkins. Die zahlen den talentierten Jungjuristen nämlich diese 140 000 Euro jährlich – als Einstieg. Wenn das mal kein guter Anfang ist. „Azur – das Karrieremagazin für junge Juristen“ hat justament die neue Liste der attraktiven Gehälter veröffentlicht. Ganze 20 Law Firms zahlen den Top-Absolventen 100 000 Euro im Jahr und mehr.
Auffällig: Von diesen 20 Top-Adressen für die Big Deals sind 18 keine Deutschen, sondern Angelsachsen. Nur Nörr Stiefenhofer Lutz und PP Pöllath + Partner auf den Plätzen 17 und 18 tummeln sich hier noch als Einheimische.
Doch klar ist auch: So viele von den Super-Kandidaten, die ihren Arbeitgebern so viel wert sind, gibt ja gar nicht. Das Gros der Juristen wird hier ja nie landen.
Wer in die Unternehmen in die Rechtsabteilungen geht, bekommt immerhin auch Einstiegsgehälter von 40 000 bis 70 000 Euro, letzteres zahlt zum Beispiel Infineon oder auch Bayer. Den Vogel schießt übrigens Siemens ab mit 76 800 Euro. Und dann kommt auch schon die Deutsche Bank mit 65 000 Euro. Das Plus von Unternehmen gegenüber den Kanzleien ist laut Azur übrigens die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten. Wenn in Kanzleien ein Jurist, der um 18.30 Uhr geht, gefragt wird: „Sind Sie auf einen Halbtagsjob umgestiegen?“ (O-Ton in einer Düsseldorfer Sozietät schon vor Jahren), so darf man bei Axa ungestraft die Arbeitszeit reduzieren. In deren Konzernrechtsabteilung macht dies immerhin jeder vierte.
Und wer bei den Law Firms in der Welt der Rainmaker und Mega-Deals erst mal unterkommt, kann auch gleich seinen Schlafsack in die Kanzlei mitbringen. Rund um die Uhr erreichbar sein müssen ist das Mindeste, auch bei den Unternehmen – zumindest wenn ein großes Projekt läuft. Einen Acht-Stunden-Tag dürfte es für diese Juristen kaum mal geben. Der Preis ist also hoch und wenn man es genau bedenkt, ist das Gehalt dann gar nicht mehr so exorbitant: wer eine Doppelschicht schiebt und für zwei arbeitet, dem steht ja auch doppeltes Gehalt zu. Oder nicht?
http://www.azur-online.de/gehaelter/
Au Backe! So viel Geld für Mietmäuler? Und was bekommen die erst, wenn sie nicht mehr Youngsters sind?
Das erinnert mich an meine Anfangszeit nach der…..
oh Moment! Das mit dem Geld war aber anders.
Ah…. Bin ja Koch!
höher – weiter – schneller
höheres Gehalt,
erweiterte Arbeitszeiten,
schnellerer Burnout
vom kosmischen Standpunkt gesehen gleicht sich eben doch alles aus 😉
Michael
Beim Verkünden permanenter „Doppel-Schichten“ von Branchen/Firmen bin ich nie so sicher, ob da tatsächlich die Arbeitsleistung verdoppelt wird oder ob es um die Inszenierung als High-Potential geht (morgens, 7:30, Rom, die Frisur sitzt).
Im übrigen darf man davon ausgehen, daß der o.g. „Vorwurf“ der Halbtagsarbeit nicht nur High-Bezahlte trifft – ich dachte, dies sei Einstellungsvoraussetzuung für alle Nachwuchs-Führungskräfte, Ihr Weicheier. 😉
Doppelte Arbeitszeiten = doppelter Lohn? Was für ein Blödsinn. Keine noch so lange Arbeitzeiten rechtfertigen derartig hohe Gehälter, da es sich um Grünschnäbel handelt, die erst einmal ihre Erfahrungen machen müssen. Gleich von Anfang an die Preise zu versauen, spricht eher dafür, unter dem Damoklesschwert des „War of Talents“ selbigen mit dem Geld auszufechten anstatt das einzusetzen, was Juristen für sich in Anspruch nehmen: Intelligenz. Knüppelige Arbeitszeiten gibt es allerorten, etwa die Werbebranche. Von neun bis neun ist Standard bei einem Anfangsgehalt von weniger als 30.000 – da bleibt man wenigstens beim Leisten (nein, ich bin nicht in der Werbebranche).
Vor allem aber ist es der Kunde bzw. der Klient, der das alles bezahlen darf / muss. Da kann man nur hoffen, nie bei einer dieser Kanzleien zu landen. Das Urteil, was sie erfechten, ist nie sicher. Aber dafür gibt es etwas anderes mit Garantie: eine gepfefferte Rechnung. Hoffen wir also, dass diesen angebliche Überflieger ihr Können gut einsetzen und für ihre Klienten keinen Supergau in Höhe ihrer eigenen Gehälter einfahren. Am besten sollte es diesen Leuten so gehen wie den Siegern aus den „Deutschland sucht den Superstar“-Staffeln – oder kann sich jemand noch in die Gewinner erinnern und kauft deren Platten? Dann kommen sie auf den Boden der Tatsachen zurück, wo Lohn und Leistung noch in einem angemessenen Verhältnis stehen.