Haben Sie auch immer so viel Spaß an der Arbeit? Amüsieren sich, gehen mit Freude ans Werk und können es gar nicht abwarten, morgens Ihren Schreibtisch zu erreichen und endlich loszulegen? Lachen Sie dann viel und herzlich? Die wenigsten Untersuchungen sagen das derzeit dem deutschen Durchschnitts-Arbeitnehmer nach, im Gegenteil: Die Deutschen sollen europaweit die geringste Loyalität zu ihrer Firma haben und erschreckend viele Mitarbeiter nur noch Dienst nach Vorschrift machen. Kein gutes Zeugnis für die Arbeitgeber.
Dabei: Sieht es doch am Anfang der Karriere, im Moment der Bewerbung noch ganz anders aus, rosarot sozusagen. Mit dem Himmel voller Geigen. Spaß an der Arbeit nämlich ist für Top-Studenten die Grundvoraussetzung für die Bewerbung bei einem Unternehmen oder der Wissenschaft. Das sagen jedenfalls die Unternehmensberatung McKinsey und das Karrierenetzwerk E-Fellows.net, die dazu 3 000 Stipendiaten aller möglichen Studienrichtungen befragt haben. Mehr noch: Männer wollen zu Firmen, von deren Produkt sie begeistert sind. Aha, dann brechen Ferrari oder Porsche vermutlich zusammen vor Bewerbungen. Von Männern natürlich. Frauen dagegen nehmen mal wieder eher die Rolle der Maria ein. Sie bevorzugen laut McKinsey/E-Fellows Unternehmen, die ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen – Deutsches Rotes Kreuz? Caritas? Aber jede Partei, Gewerkschaft und überhaupt die allermeisten Unternehmen dürften sich so sehen, wenn sie nur zu Weihnachten eine überschaubare Spende locker machen – statt Weihnachtsgeschenken für Kunden und Geschäftspartner natürlich. Erinnern Sie sich? Das sind die, auf die merkwürdigerweise immer das Absenderunternehmen „verzichtet“ – und nicht der Empfänger, der leer ausgeht.
Was für Frauen auch ganz wichtig sein soll: Ob sie sich mit den Kollegen identifizieren können. Das ist ein wahrhaft hoher Anspruch, früher hat noch Kollegialität gereicht. Ob die Work-Life-Balance stimmt, also ob sie die Chance haben ihre Kiddies auch unter der Woche mal kurz zu sehen, sollen Männern wie Frauen unwichtig sein.
Doch das, was sonst immer die Welt regiert, ist den Stipendiaten – ich kann es kaum glauben – angeblich schnuppe: Gehaltssteigerungen. Sie können sich das nicht vorstellen? Sie denken da ganz anders? Dann sind sie einfach zu alt. Vermutlich über 35 Jahre und damit sowieso nicht mehr vermittelbar.
Dann ist schon die Ernüchterung eingetreten, quasi die Totenstarre.
Aber bis dahin kann sich Ihre Firma freuen: Für die Konkurrenz ist es gar nicht so einfach, Ihre besten Leute abzuheuern. Nur mit dem Bündel Banknoten wedeln genügt nicht. Manager oder Personaler haben es bald schwerer, die Top-Absolventen zu halten: Bei Laune halten und Bespaßen ist angesagt – jedenfalls wenn Sie heute schon vorsorgen wollen. Wenn Ihnen zukünftig die Mitarbeiter abhanden kommen und neue nicht zu finden sind. Wenn die Demographie-Falle zuschnappt.
Schauen wir uns doch mal um, in welcher Welt der arbeitswillige Mann/Frau denn leben muß – außerhalb seines Unternehmens rsp. Arbeitgebers:
– Gerade in den letzten Jahren steigen die Kosten auch für den privaten Verbrauch ständig mit zunehmendem Tempo.
– Die fiskalische Belastung mit Einkommen-, Umsatz-, Mineralöl-, Zigaretten-, Alkohol-, Solidaritäts-, Erbschaft- und Schenkung- sowie zig weitere Steuern ist enteignungsgleich.
– Gebühren für Straßen, Plätze, Parken, Fahren, Stehen und Gehen werden weiter erhöht und immer neue phantasievolle behördliche Abgriffe kreiert.
– Gerichte, Behörden und andere staatliche oder halb- sowie quasistaatliche Stellen werden neu geschaffen und stehlen den Menschen ihre Zeit – und ihr Geld.
– Gemeinde-, Kreis-, Landes- und Bundesparlamente wachsen und gedeihen personell, finanziell und administratorisch und haben nichts anderes im Sinn, als unserem Mitarbeiter/in ( s.o. ) noch tiefer in seine Taschen und seine Lebenszeit zu greifen mit regulierungswütigen Verordnungen, Gesetzen und Ausführungsbestimmungen sowie deren Ergänzungen und Änderungen nebst den dazu ergehenden Durchführungsregulierungen und den erforderlichen Klarstellungserlassen nebst Rücknahmeverordnugen und Interpretationsrichtlinien mit dazu …usw, usf.
Wenn unser darob arg wenig motivierter Mitarbeiter/in dann von seinem Boss zu hören bekommt, daß Dienstwagen, Spesen und kleine Zuschüsse zu Essen und Überleben ( euphorisch Gehalt genannt ) reduziert werden müssen, weil die gesetzlichen Bestimmungen für das Unternehmen es nun einmal erfordern, dann muß man sich wundern, wie eigenartig ruhig dieser Mann/Frau immer noch bleibt. Oder er bleibt nicht und geht in ein anderes Land oder – schlimmer – die innere Emigration.
Arbeitgeber und Staat werden es irgendwann an den Folgen spüren – und wissen gar nicht, woran das wohl liegen mag und warum alles so ist, wie es ist.
So sind sie eben.
Schon Anfang der 1960Jahre wurde Personalpolitik wesentlich verändert durch Faforitisierung und nur noch „junger Führungskräfte“. Erfahrungen aus dem eigenem Betrieb war für Aufsteiger eher Nach- als Vorteil, sonder . Die wiederaufbaufase
Schon Anfang der 1960Jahre wurde Personalpolitik wesentlich verändert durch Faforisierung „junger Führungskräfte“, der Jugendwahn hatte die Wirtschaft erfasst. Erfahrung aus dem eigenem Betrieb zählte weniger als externer Personalimport. Um sich im Sattel zu halten, und selbst in die Jahre gekommen, hat man mit Überqualifikation abgeschreckt. Stimmen aber Betriebsklima nicht mehr, – wird Kollegialität nur noch kleingeschrieben -,
ist unsre Spassgesellschaft doch wohl reichlich überfordert. Rückkehr zur Leistungsgesellschaft ohne Protektion, die Blender ausschließt und Einzelleistungen er- und anerkennt sollten dieses Feld zurückerobern.