Heute schon gelobt worden? Nein? Nehmen sie’s nicht persönlich, so geht es ganz vielen.

Sie dursten nach Anerkennung von ihrem Vorgesetzten. Nur zu gerne würden sie ab und an hören, dass sie gute Arbeit leisten. Oder dass man einfach gerne mit ihnen zusammen arbeitet. Ein kleines Lob, das kein Geld kostet und ach so große Wirkung hat. Aber nein, so viel Wertschätzung, so viel Freundlichkeit haben die Deutschen für einander nicht übrig.Dies zeigt eine Umfrage des Karriere-Portals Monster.de unter europäischen Angestellten. Dass es in den Nachbarländern nicht besser zugeht, ist da kein Trost. Doch warum ist das so? Eine Antwort konnte mir auch Reinhard Sprenger, der meistgelesene Management-Guru hierzulande, noch nicht liefern. Es ist halt so.
Ist es vielleicht schlechte Erziehung? Oder mangelnder Anstand? Dabei wäre es so einfach. Mein Freund Christoph, ein sehr kluger Mann und Vorgesetzter einer großen Abteilung, hat es sich zur Regel gemacht: Immer Freitagnachmittags bedankt er sich bei jedem einzelnen seiner Leute für ihre Arbeit. „Es kostet mich doch nichts“, meint er. Seine Erfahrung: Die kleine Freude, die er ihnen macht, kommt auch zu ihm zurück: Sie danken es ihm tausendfach, berichtet er. Kein Wunder, dass Arbeitnehmer im Mittelstand und in Kleinbetrieben einfach glücklicher sind. Wo es direkt auffällt, wenn sie fehlen. Und wo der Chef weiß, was er an ihnen hat. Anders als in Großunternehmen und Konzernen, wo Personalverantwortliche oft weit weg sind, die Personalabteilung nicht weiß, wie die Arbeit in den Niederungen der Abteilungen aussieht und wo nicht lange gefackelt wird, wer bei der nächsten Entlassungswelle rausgespült wird. Und wo es egal ist, wie wichtig der einzelne für den Betrieb tatsächlich ist. Ausnahme: Blender und Schaumschläger, die kommen in Großunternehmen und Konzernen erst richtig zur Entfaltung. Aber das ist ein anderes Thema.
Monster hatte 13 200 Europäer gefragt, was die Menschen am meisten an ihrer Arbeit stört. Das Ergebnis: 31 Prozent ärgert, dass ihre Arbeit nicht anerkannt wird, 27 Prozent wähnen sich in einer Karrieresackgasse, 17 Prozent stöhnen über zu viel Arbeit, 14 Prozent räsonieren über ihren Chef. Nur elf Prozent machen die Kollegen Kummer. Und das nenne ich ja mal erfreulich. Sollte das gute alte Wort Kollegialität doch noch einen Sinn haben?
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Ein Kommentar zu „Heute schon gelobt worden? Nein? Nehmen sie’s nicht persönlich, so geht es ganz vielen.“

  1. „Ein rechtes Wort, zur rechten Zeit, ersparet Streit, schafft Freundlichkeit“ und kostet noch nicht einmal etwas. Lob und Tadel als Adjektivum gebraucht, liegen sie in Anzahl und Intensität, seit je her weit auseinander. Warum?
    Es ist kein Trost, daß es in den Nachbarländern nicht besser zugeht, konstatieren Sie, – wie wahr und beschämend für uns alle. Hier scheint das Kosten-Nutzen-Denken wohl etwas durcheinander geraten zu sein. Tadel oder Verweise nach bereits entstandenem Schaden retten keine Bilanzen, eher die sachliche Ermittlung der Fehlleistung als Ursache. Wird die Anerkennung einer guten oder besonderen Leistung gleichzeitig als Lob verstanden und durch Überdosierungen nicht entwertet, kann Motivation der Menschen im Betrieb (bayrisch = Geschäft) zum innerbetrieblichen Selbstläufer werden. Vielen Dank an alle Handelsblatt-Mitarbeiter, die das Forum und Weblog für uns betreuen: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“

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