Die Metallbranche bekommt jetzt ihre Quittung. Die Quittung dafür, dass die Unternehmen seit sieben Jahren meinten, mit immer weniger Personal auskommen zu können. „Spiegel online“ meldet heute, dass jedes achte Unternehmen der Metallbranche schon im Januar Produktionsstörungen wegen Arbeitskräftemangels erlitt. Und dass jetzt manche Firma gar nicht so schnell neue Mitarbeiter einstellen kann, wie sie die Produktion hochgefahren hat. Mehr noch: „Sogar 2006 strichen die Unternehmen der Branche per Saldo noch Stellen -und ließen dafür teils hohe Abfindungen springen“, heißt es da weiter.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,543100,00.htmlUnd dazu passt eine Studie, die gerade die Unternehmensberatung Kienbaum veröffentlichte: Dass die Personalverantwortlichen tatenlos zusehen, obwohl sie schon längst anders reagieren müssten. Denn die Personalchefs der Unternehmen erkennen
zwar, dass sie ein Fachkräfteproblem haben und ihnen
die richtigen Mitarbeiter fehlen – aber trotzdem gehen sie das Thema nicht konstruktiv an. Im Klartext: Sie versündigen sich an ihren eigenen Unternehmen – sehenden Auges. „Die Personalcontroller erkennen die Relevanz des Demographieproblems, aber sie reagieren nicht oder nicht angemessen darauf“, kritisiert Frank Dievernich, Personalexperte bei Kienbaum. Die Unternehmensberatung befragte 1 200 Personalverantwortliche aus Unternehmen
hier zu Lande (Antwortquote: 22 Prozent) – vom
50-Mann-Betrieb bis zum Großkonzern mit über 5 000
Mitarbeitern – danach, wie sie auf den demographischen Wandel reagieren. Da von den Befragten 60 Prozent mehr als sechs Jahre ihrer Firma angehörten, war sicher gestellt, dass diese bereits lange genug dabei waren, um zu handeln.
Dievernich: „Die Personaler ließen jedoch die
Gelegenheit, aufzuklären, mehrheitlich ungenutzt
verstreichen.“ Sie warnten ihre Unternehmen nicht
rechtzeitig. Warum nicht?
„Vermutlich auch deshalb, weil sie keinen
so hohen Stellenwert in ihren Firmen haben, wie ihn
verdienten.“ Im Gegenteil, die
Personalverantwortlichen ergriffen auch noch genau die falschen Maßnahmen, resümiert der
Kienbaum-Personalprofi: Die Personalchefs verhängten
Einstellungsstopps, schickten Mitarbeiter jenseits der 50 viel zu früh aufs Altenteil – Stichwort:
Frühverrentung. Und sie haben in den Betrieben nicht nur „eine komprimierte Altersstruktur geschaffen“ und die Probleme dadurch noch angefeuert. Sie haben obendrein das Potenzial „von verschiedenen Arbeitnehmergruppen wie beispielsweise weiblichen Arbeitnehmern oder Migranten kaum erkannt“, moniert Dievernich. Sein Vorwurf: „Die Personaler haben keine Kompetenz entwickelt, ältere Mitarbeiter qualifizieren
zu können.“ Das Fazit: Effizienzsteigerung ging vor
langfristige Personalentwicklung. „Das Kind ist
kollektiv in den Brunnen gefallen, die Kurzfristdenke hat gesiegt“, so der Kienbaum-Berater.
Dabei ist die Demografie mit ihren Auswirkungen schon heute für viele ein Problem – und wird noch ein sehr viel größeres Problem werden. Bekommen sie doch schon heute nicht mehr die jungen Leute, die gerne hätten und haben immer ältere Belegschaften.
Denen hingegen bieten sie zu wenig an so genannten
Work-Life-Balance-Maßnahmen. „Wichtig ist vor allem,
die Mitarbeiter fit zu halten, die inzwischen erst mit 67 in Rente gehen dürfen – gerade diejenigen im
gewerblichen Bereich“, ergänzt Joachim Deppe,
Personalchef bei Hydro Aluminium in Grevenbroich.
Sein Arbeitgeber schlug auch schon den
untypischen Weg ein und stellte vor zwei Jahren eine
Ingenieurin als Trainee ein, die jetzt als technische Führungskraft in das Hydro-Werk nach Spanien geht. Auch im Hydro-Walzwerk in Hamburg hat gerade ein Ingenieurin die Leitung der Gießerei übernommen, berichtet Deppe.
Müssen doch schon heute viele Unternehmen in Branchen wie der Maschinenbauindustrie Aufträge ablehnen und erleiden Umsatzeinbussen. Das Frappierendste aber ist laut Dievernich: „Schon seit fünf Jahren wissen die Personalcontroller in den Unternehmen spätestens, dass dieses Personalproblem auf ihre Firma zukommt – doch
gehandelt haben sie trotzdem nicht.“ 68 Prozent der
Unternehmen, so die Umfrage, haben immer noch keine
Maßnahmen zur Work-Life-Balance eingeführt, obwohl die Mitarbeiter künftig länger arbeiten und also besser gepflegt werden müssen. Zu den Top-Positivbeispielen gehören bei den Dienstleistern die Deutsche Post, SAP und Otto Versand als Dienstleister und als Hersteller Daimler, Boehringer Ingelheim und Unilever hat eine
groß angelegte Gesundheitsmanagement-Untersuchung der umsatzstärksten 500 Unternehmen des Bonner
Marktforschers EuPD mit der Universität Bielefeld
(Handelsblatt 7.9.07). Kein Wunder, dass dabei
ausgerechnet die Maschinenbauer dabei besonders stark vertreten waren – leiden sie doch schon seit Jahren unter dem Ingenieurmangel.
Und trotzdem reagierten die Personalverantwortlichen –
so die Kienbaum-Studie- nach ihren gewohnten alten
Mustern, die jedoch in diesem Falle nicht
funktionierten: Sie versuchen, das Demographie-Problem so zu lösen, wie sie immer reagiert haben, beobachtet Dievernich. Sie setzen auf das was, sie bereits tun und verstärken nur ihre bisherigen Anstrengungen, um junge Leute anzuheuern – statt rechts und links zu schauen und die Gruppen von Arbeitnehmern zu verpflichten, um die nicht alle Mitbewerber buhlen: Ältere, Migranten und Frauen sind es, die sie ausblenden. Obwohl sie dort viel mehr Kandidaten zur Auswahl hätten und viel weniger Akquiseaufwand treiben müssten. Dievernich rechnet vor: Nach durchschnittlich neun Jahren im Job ist ein Angestellter heute für die nächsten 32 Jahre seines Berufslebens tabu. Denn bei 35 Jahren liegt heute die unsichtbare Grenze für Personaler, die sich die Bewerber aussuchen können.
Andererseits beträgt die Lebensarbeitszeit 67 Jahre.
Fazit: Wer mit 25 Jahren im Arbeitsleben startet und
bis zum 67 Lebensjahr arbeiten muss, ist die letzten
32 Jahre – also die meiste Zeit – persona non grata
und für den Arbeitsmarkt tabu. Die fatale Folge:
Ältere Mitarbeiter, also ab 35 aufwärts, fördern ihre Chefs nicht mehr. Im Gegenteil, die wiederum richten sich zunehmend auf einen frühen Ausstieg aus dem Berufsleben vor – aus Resignation. Ablesen lässt sich dies auch an den Work-Life-Balance-Maßnahmen, so die Kienbaum-Studie: Auch von denjenigen Unternehmen, die generell Work-Life-Balance-Maßnahmen eingeführt haben, bieten nur 65 Prozent Fitnessangebote und Betriebssport ein und nur 53 Prozent offerieren ihren Leuten Gesundheits-Checks.
Arbeitgeber wie ING-Diba sind die Ausnahme: Die
Direktbank scheute sich nicht, eine 51-jährige
arbeitsuchende Frau und Mutter von drei erwachsenen
Kindern einzustellen, zu einem 50-Plus-Azubi zu machen und zur Servicefachkraft im Dialogmarketing zu qualifizieren.
Auf breiter Front attestiert Kienbaum dagegen den
Unternehmen mangelndes vorausschauendes Handeln.
Gerade im Hinblick auf ältere Arbeitnehmer sind
Personalchefs Opfer ihrer eigenen Vorurteile. Rein
quantitativ stieg laut Institut der deutschen
Wirtschaft (IW) in Köln der Anteil der Arbeitnehmer
über 50. Und die sind – so ergab eine IW-Befragung –
ebenso motiviert und ehrgeizig wie jüngere Kollegen.
Ganz abgesehen davon, dass Ältere loyaler zu ihrem
Arbeitgeber sind: 55 Prozent von ihnen sind ihrem
Unternehmen „besonders verbunden“. Noch absurder wird das Ganze, wenn man die Urteile der Personaler über Ältere zugrunde legt: Jene hätten eine höhere
Arbeitsmoral, einen größeren Erfahrungsschatz und
höheres Qualitätsbewusstsein.
„Die Unternehmen, die die Relevanz erkannt haben, tun das Verkehrte“ urteilt Kienbaum-Berater Dievernich: „Sie konzentrieren sich auf diejenigen Arbeitnehmer, die schon heute Mangelware sind.“ Und warum die Personaler so lange schon tatenlos zusehen, statt nach neuen Wegen zu suchen? „Bislang verschwanden die Modethemen immer nach einer Weile –aber das Demographieproblem nicht. Denn es ist einfach kein Modethema“, urteilt Dievernich.
Und, wie kriegt man den hier beschriebenen common sense des Jugendwahns nicht nur bei den Personalern sondern auch bei den Leuten raus, die genau diese Einstellungspraxis vom Personaler fordern?
Der wirklich ausgezeichnete Artikel beschreibt ein Problem, das seit Jahren besteht, aber von einem wirklichen Eingehen auf die Problematik oder einen Schwenk in den Betrieben hört man nur in Einzelfällen.
Warum? Der Artikel beschreibt das foul an der Belegschaft: es gilt nicht ein langfristiges Wir sondern die kurzfristige Rendite, die irgendwann hinten runter fallen wird, wie es jetzt geschieht, weil der morgendliche Blick auf den Aktienkurs wichtiger ist als den Menschen im Betrieb an seinen Aufgaben zu entwickeln.
Das ist auch genau so ein Moment: Es wird immer erzählt die Unternehmen werden es zu spüren bekommen, hier ist jetzt von Rache die Rede,
ja, wen trifft denn diese Rache? Die die die hohen Abfindungen kassiert haben oder in freiwillig ich betone freiwillig in den Ruhestand gegangen sind, die hochbezahlten Personalchefs die weiter auf ihren hochbezahlten Posten sitzen,
wen trifft es bitteschön: die Fehlerverursacher in den Unternehmen: niemand wo denn?
Es betrifft diejenigen die langfristig keine Arbeit haben. Es trifft die Volkswirtschaft. Es trifft die Sozialversicherung bzw. damit verbunden die kleinen Rentner und die Einsparung von Kassenleistungen für die Kranken die nicht mehr zuzahlen können beim Zahnersatz z.B..
Es trifft vor allen Dingen die jetzigen Arbeitnehmer, auf deren Rücken die ganze Arbeit lastet,weil es nur wenige können, besonders hervorzuheben die besonders empfehlenswerten Aktionen im sicherheitskritischen Bahnbereich z.B. Umzug mit den Labors. Sie wissen garnicht was sie tuen. Es trifft die jetzigen Arbeitnehmer neben ihrer hochqualifizierten Arbeit ständig Leute ausgebildet haben und diese Praktikanten durften anschließend wieder abzwitschern. Meinen Sie diese Praktikanten kommen wieder?
So desweiteren gibt es in verschiedenen Regionen viel zu wenig Kinderärtze weil die kassenärztliche Vereinigung oder andere Beteiligte keine weiteren Kinderärzte zulässt, obwohl genug Arbeit da ist für 2 Kinderärzte bspw. in Stuttgart Botnang. Zudem behandelt er kostengünstig erfolgreich homöopathisch, ein Dorn im Auge derer die ihr Antibiotika verantwortungslos weiter verscherbeln wollen.
Also wen trifft diese Rache der Unternehmen ?
Sicher nicht die kleinen Chefs und chef chefs in den Unternehmen, die haben sich alle ihre goldenen Nase verdient, und die Personalchefs sind sicher nicht die alleinigen Entscheidungsträger, da gibt es Aufsichtsräte, Prüfer, Vorstände etc etc. auch „gewerkschaftliche geschütze“ Nieten in Arbeitnehmerklamotten. Menschen die nur Schrott produzieren, Leute schikanieren wollen und auf Rente sitzen, selbst die Chefs können sie nicht rauswerfen, wegen der Gewerkschaft.
Das Problem ist vielfach zu differenzieren.
Mariana Mayer, vorsätzlich nicht betriebsratsgeschützt beschäftigt gewesen über ein Zeitarbeitsunternehmen bei Alcatel SEL, seit 3,5 Jahren arbeitslos aufgrund von Mobbingattacken durch Arbeitnehmer und Möchtegernchefs
(Projektleiter etc. teils mit Dr. Titel)
Schuld sind viele. Zuerst die Unternehmen und deren Chefs, dann die „Spezialisten“, die nicht strategisch denken können und wollen und nicht zuletzt auch die Personalberatungen, die nur ihre Kreuzchen auf der angeforderten Stelle machen ohne zu denken, können sie ja auch nicht, da sie die angeforderten Stellen nur von Papier her kennen.
Ich verstehe die Menschen, die langsam alles Vertrauen in die Wirtschaft und den Staat verloren haben.
Heute werden nur noch Menschen benötigt, die nicht älter als 25 Jahre sind, 20 Jahre Berufserfahrung haben und 3 Diplome sowie 2 Doktortitel oder 2 Master im Ausland haben. Der Rest ist für manche Personalentscheider und auch Chefs uninteressant.
Die zweite Variante für die deutsche Wirtschaft ist für 3,50€ zu arbeiten und den Lohn als Spende an den Finanzminister abzuführen, damit unsere Politiker mit dem Geld weiter umher werfen können.
Ausbildung und Weiterbildung ist in Deutschland schon lange nicht mehr gefragt. Am besten ist, man wird geboren verlässt dieses land und kommt dann als Spezialist zurück um seine Arbeitskraft so lange zu verkaufen bis man nicht mehr kann, anschließend verläst man Deutschland wieder damit der Staat keine Kosten hat.
So und wer hat jetzt entschieden, dass Patricia Russo und Serge Tchuruk gehen müssen, weil diese angeblich die Schuld an den Verlusten tragen?
Zwei Sündenböcke gesucht und gefunden?
Die Einstellungsstopps der Branche wurden verhängt von wem? Vom Staat oder von den Vorständen oder von den Internen die sonst teilen müssten oder von wem?
Für mich ist diese Frage bis heute nicht gelöst.
Weder Serge noch Patricia sind verantwortlich für das „Verhalten“ Ihrer Mitmenschen.
Serge Tchuruk hat schon vor Jahren Geschäftspraktiken vorgegeben die „vom Mob“ nicht eingehalten wurden.
Letztendlich ist er vielleicht verantwortlich, aber diejenigen die miserabel handeln sind erst einmal „schuldig“.
Jeder Einzelne und im Verbund.
So einfach ist es nicht.
Hier wird erneut wieder etwas „aufs Spiel“ gesetzt ohne zu Wissen.
Mariana Mayer