Aug´ und Aug´ und Zahn um Zahn. Getreu nach diesem Motto stellt die Gewerkschaft für den Öffentlichen Dienst in Kanada jetzt diese Forderung auf: Wer als Angestellter rund um die Uhr via Blackberry erreichbar ist und auch in seiner Freizeit Mails schreibt und beantwortet, soll auch mehr Lohn erhalten. Verfügbarkeit solle auch bezahlt werden, so Gewerkschaftsvertreter Ed Cashman.Es sei vergleichbar mit einem dauerhaften Bereitschaftsdienst. So ganz falsch ist diese Logik nicht. Es sei denn, der Arbeitgeber ist ebenfalls großzügig. Hier mal eine längere Mittagspause, da mal eine Besorgung in der Arbeitszeit.
Die meisten Untersuchungen haben ergeben, dass sich solche Großzügigkeit für Arbeitgeber auszahlt. Wenn Mitarbeiter dann ebenfalls nicht auf die Stech-Uhr schauen, schneidet das Unternehmen am Ende meist besser ab als der Angestellte.
Mit Großraumbüros ist es umgekehrt: Da wo die Mitarbeiter unter minutiöser Überwachung stehen, sind sie umgekehrt selten bereit, freiwillig länger als nötig zu arbeiten. Es entwickelt sich sogar ein Fluchtreflex. Ein Fluchtreflex – in die Privatheit, in die Ungestörtheit, die Unbeobachtetheit. Großraumbüro-Arbeitnehmer sind weniger bereit, Überstunden zu machen als solche mit Einzelzimmer.
Hierzulande jedenfalls ist an Lohnzuschläge für das Herumtragen und Bewachen der blaue Beere nicht zu denken, Im Gegenteil. Dienstleister sind froh, im Urlaub dank Blackberry keine Stecker- und Anschlussprobleme mehr zu haben. Den angestellten Blackberry-Trägern wird geschickt das Gefühl vermittelt, dass sie irgendwie unersetzlich sind. Dass sie privilegiert sind, weil ihre Firma ihnen ein ach so teueres Gerät stellt. Und dass dies fast soviel wert sei wie zwei Gehaltserhöhungen.
Und wahrscheinlich stimmt auch diese Sichtweise sogar. Wer sich gebraucht fühlt und damit positiv umzugehen weiss – statt sich nur unter Druck gesetzt fühlt – dessen Gesundheit dürfte das zugute kommen. Wie erzählte kürzlich Andreas Tautz, Direktor Gesundheitsmanagent der Deutschen Post in BOnn: Dass er etliche Leute kennt, die viel Stress haben und viele, viele Stunden über ihrer planmässige Arbeitszeit arbeiten – der denen aber unbedingt gut tut. Und die ganz prima damit leben.
Als leitender Mitarbeiter in einem grossen US Konzern, hat man nur die Möglichkeit mitzuziehen oder auszusteigen. Ist man nicht erreichbar, wird dies als Desinteresse gewertet. Und tatsächlich ist in manchen Positionen einfach die Notwendigkeit gegeben, für schnelle Entscheidungen verfügbar zu sein. Man gewöhnt sich daran und baut es in Alltag und Freizeit ein. Selbst auf der Intensivstation war ich erreichbar und konnte dafür sorgen, dass das Geschäft weitergeht. Man sollte nicht vergessen, dass im Regelfall die Blaubeeren Benutzer Entscheidungsträger sind und als solche auch bezahlt werden. Es ist jedenfalls typisch deutsch, für alles sofort nach einem Ausgleich zu rufen. Man kann ja auch die Blackberry Verordnung ablehnen. Keiner wird gezwungen.
In diesem Fall fordert eine kanadische Gewerkschaft den Zuschlag.
Und es ist wie Sie schreiben, nur Entscheider haben Blackberrys. Und wenn nur Entscheider einen Blackberry haben, ist es eben gleichhzeitig ein Statussymbol.
Dass die Blaubeeren nützlich sind – in beide Richtungen – ist klar. Da Leitende eben auch meist viel unterwegs sind, brauchen ihre Mitarbeiter oder Geschäftspartner eben oft eine schneller Auskunft oder Entscheidung, damit der Laden einfach weiterlaufen kann.
Natürlich ist ein BB nützlich. Und auch ist unbestritten das ein (Ich lege wert auf den Einzelfall) Gespräch wärend des Urlaubs Mehrarbeit danach vemeiden kann.
Doch was nützt ein Urlaub wenn man sich täglich mit den Mails der Firma rumschlagen muss. Ist es nicht besser eine Vertretung aus der zweiten Reihe zu haben die auch mal 2 oder sogar 3 Wochen das Runder übernehmen kann? Ich finde das man so viel besser fährt als damit für Alle immer erreichbar zu sein.
Ich denke allerdings das Viele Angst davor haben das die „Vertretung“ den Job besser machen könnte und sie dann überflüssig werden.
Also doch besser erreichbar und damit unersetzbar sein!?
Ich finde es interessant, dass es ausgerechnet die Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes ist, die sich um die Freizeitgestaltung mit BlackBerry Gedanken macht…