„Machen Sie sich erst mal unbeliebt“ – jedenfalls als Frau im Job

Freundlichkeit = Schwäche? Auf diese einfach Formel reduzieren wohl viele das Miteinander im Büro. „In hierarchischen Kulturen wird Freundlichkeit als Schwäche gedeutet – wenn sie nicht auch mit der Fähigkeit des Abgrenzens und Durchsetzens wahrgenommen wird“ schreibt die Psychologin Maria Hof-Glatz in ihrem neuen Buch „Wie kitzle ich den Tiger, wenn er knurrt?“
Und höchstwahrscheinlich hat sie recht – mit unangenehmen Folgen fürs Büroklima.Besonders hat sie dies auf Frauen gemünzt: „Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft entziehen Frauen den Respekt“, ist das Resümee der Buchautorin.* Im Klartext: Nur wenn sie lauthals zicken, werden sie respektiert. Der frühere deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer habe dies so ausgedrückt:“Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch respektiert.“
Schade auch. Wer hätte gedacht, dass der Homo laborans so masochistisch gesonnen ist? Dass er in den Dreck getreten werden will, um erst dann Freundlichkeit seiner Kollegen genießen zu können? Ich frage mich: Welch krudes Eigenbild oder Selbstverständnis liegt da eigentlich zugrunde?
Allen Beschwörungen des Teamsgeists und der Kooperation zum Trotz, aller modernen Großraumbüros obendrein.

Und was ist Maria Hof-Glatz Fazit? Dass das System gnadenlos sei. Dass Konkurrenz herrschte mit der Konsequenz, dass der Stärkere, Raffiniertere, gelegentlich auch der Trickreichste (Frauen würden sagen, der Verlogenere) weiter kommt, überlebt, Karriere macht und sein Ziel erreicht. Der dann zwar als Machtinhaber die Regeln vorgibt, denen sich die anderen zu beugen hätten.
Und am Ende – man weiß nur leider nicht, wann dies eintritt und ob es auch weh tut – dass der Macher zwar belohnt wird, mit Unabhängigkeit, Gestaltungsmacht und Ansehen. Doch dass er dafür mit Einsamkeit bezahlen muss.
Und das ist ein hoher Preis. Wie hoch er ist, fällt dem Betroffenen immer erst auf, wenn alles zu spät ist.

Bleibt die Frage: wie kann frau nett sein und wird trotzdem ernst genommen?
Zeigt eine Frau im Job kräftig die Zähne und faucht alle an, gilt sie als Zicke. Ist sie nett, gilt sie als doof. Und manchmal ist es ja auch besser, unterschätzt zu werden. Man erfährt zum Beispiel mehr.
Bis man erst im entscheidenden Moment zu erkennen gibt, dass man auch anders kann.

(Orell Füssli Verlag, Zürich 2008)

Ein Kommentar zu „„Machen Sie sich erst mal unbeliebt“ – jedenfalls als Frau im Job“

  1. zu: Und am Ende – man weiß nur leider nicht, wann dies eintritt und ob es auch weh tut – dass der Macher zwar belohnt wird, mit Unabhängigkeit, Gestaltungsmacht und Ansehen. Doch dass er dafür mit Einsamkeit bezahlen muss.
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    Wo bitte ist der Beweis das diese Leute einsam sind? Das ist dummes Geschwafel.
    Die Geschädigten sind in der Regel einsam.
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    Unabhängig vom Verhalten freundlich oder nicht, ist es eine Sache des Vertrages, ob jemand einen Arbeitsplatz hat oder nicht. Hier sind die Differenzen zu suchen. Die Ungleichheiten in den Beschäftigungsverträgen in die Frau von vorneherein nicht hineinkommt. Nur da reden untereinander „verboten“ ist, erfährt es niemand, dass Frauen masslos unterbezahlt, ständig ausgetauscht usw. werden, falls ihr Arbeitsplatz nicht in einen gewerkschaftlich gut geschützten Bereich fällt.

    Frauen mit Kindern sollen sich heutzutage schwachsinningen Machtkämpfen aussetzen, mit Leuten die ihr Leben lang gefördert worden sind und denen es von Kindheit an gut geht. Das ist die Tragödie der sozial Schwachen insgesamt. Sie haben von keiner Seite Rückhalt, erhalten keine gleichwertigen Arbeitsverträge und sind in keinem System sozial aufgefangen.

    Das sind die Einsamen.

    Mariana Mayer (zur Zeit nicht einsam)

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