Die Meldungen kamen in kurzem Abstand und passen so gut zusammen. Siemens entlässt allein in Deutschland über 5 000 Mitarbeiter, weltweiter sogar über 1 700 – und die Umfrageergebnisse der Online Stellenbörse Stepstone: Danach haben Mittelständler als Arbeitgeber ein besseres Image als Konzerne. 23 Prozent der Befragten wollen lieber für eine kleine oder mittelgroße Firma arbeiten, dagegen – wer hätte das gedacht bei aller Strahlkraft der großen Namen – nur 18 Prozent für ein Großunternehmen.
Und: Für 59 Prozent der Befragten hängt die Entscheidung ohnehin allein vom Job als solchem ab. Im Klartext bedeutet das, dass sich die Unternehmen künftig mehr anstrengen müssen. In puncto Arbeitsbedingungen, Arbeitsqualität, Betriebklima und dergleichen mehr. Wenn nicht nur Ingenieure sondern auch andere Fachleute knapp sind und der Arbeitskräftemangel eine Expansionsbremse ist. Wenn Unternehmen volle Auftragsbücher haben, aber leider keine Leute, die ihnen die Aufträge abarbeiten – und zwar gut und pünktlich.
Nicht umsonst gibt es viele Chefs kleinerer Betriebe oder Familienunternehmer, die
ganz bewusst persönlich den Gürtel eine Weile enger schnallen oder gar ans Eingemachte gehen, um die Jobs ihrer Leute zu erhalten – und sie dann zu haben, wenn sie sie wieder bitter brauchen. Hörte ich erst vor kurzem eine selbständige Optikerin seufzen, dass sie in den zurückliegenden mageren Zeiten eine ihrer Mitarbeiterinnen ganz gerne entlassen hätte – aber es bewusst nicht getan hat. Für einen – angestellten – Manager mag das wie Dummheit aussehen. Alles eine Frage der Perspektive und der Frage, wie langfristig man an einem Unternehmen ehrliches Interesse hat oder es gar liebt.
Evt. gibt es neben den emotionalen Faktoren auch ganz handfeste betriebswirtschaftliche Gründe das Vertrauen seiner Mitarbeiter nicht zu verspielen. Auch wenn sich die Unternehmensberater bei den Konzernen nur so tummeln, können Sie die Loyalität und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter, die sich aus einem solchen Verhalten ergibt, noch immer auf keiner Scorecard abbilden.