Das Feindbild der Hausfrau: Die Karrierefrau

Was machen die Hausfrauen bloß den lieben Tag lang? Nach der Lektüre von Jutta Hoffritz Buch „Aufstand der Rabenmütter“ ist die Frage beantwortet – mit teils erschreckenden, entlarvenden Erkenntnissen über Zicken, Egoistinnen, Besserwisserinnen und Zwangsbeglückerinnen.Hoffritz´ Buch (Knauer Verlag, 8,95 Euro)erscheint zur rechten Zeit. Das neue Scheidungsrecht dürfte die ersten Frauen ins Nachdenken bringen, welch hohes Risiko sie künftig fahren, wenn sie sich allein auf den Ernährer ihrer Familie verlassen – und alle Scheidungsquoten konsequent ignorieren. Oder diejenigen, die es wagen, Leidenschaft für einen meist lang erlernten und heiß erkämpften Beruf aufzubringen, obwohl sie Kinder haben wollen. Oder diejenigen, die einfach schaffen gehen müssen, weil einer alleine zu wenig verdient für eine ganze Familie.
Hoffritz entlarvt den immensen Druck, der die deutsche Mutter (die eben nicht einer Erwerbstätigkeit ausser Haus nachgeht) zwingt, den Lebenslauf ihrer Kleinen zu optimieren mit Dingen wie „Baby-Yoga, Early-English, Experimentier-, Mal- und Musikstunden“. Klar natürlich, dass dieser Druck nicht auf jeder Mami lastet, sondern nur denen, die genug finanziellen Spielraum haben und nicht – ganz profan – dazu gezwungen sind, ein zweites Gehalt zu verdienen, um eine Familie durchs Leben bringen zu können. Die freilich brauchen gar nicht erst nachzudenken über solchen Firlefanz wie den „Frühförderwahn“, die haben echte Betreuungssorgen. Und denen will von Frau denen Frau von der Leyen nun mit Krippenplätzen undsoweiter endlich helfen – in fünf Jahren. www.rp-online.de/public/article/politik/deutschland/619509/Gruenes-Licht-fuer-mehr-Kinder-Betreuung.html?et_cid=10&et_lid=410928&et_sub=politik
Merkwürdig nur, dass dieser Druck, der auf den so privilegierten Mamis lastet, führt – wie Hoffritz belegt – noch nicht einmal dazu, dass sie nun besonders intensiv für ihre Kleinsten da sind, sie besonders gut betreuen und persönlich fördern. Und – so verglich und empörte sich kürzlich eine Exilrussin, die zum Beispiel über Musikkurse zum Schnuppern und Kennenlernen von Instrumenten und Noten, bei denen die Kinder nach drei Jahren Kursus noch kein einziges Lied auf dem Klavier spielen können: „In Russland können sie dann schon klassische Stücke spielen. Wozu machen die das denn hier bloß?“ Dem ist nichts hinzuzufügen.
Aber weiter im Hoffritz-Text: Die Autorin hält den Super-Mammis gar am Ende ihres Werkes – ganz konkret Seite 187 – den Spiegel vors Gesicht und rechnet ihnen vor, dass sie im europäischen Vergleich ihre Zeit ohne eine Erwerbstätigkeit nicht mal den Kiddies widmen. Nein, im Gegenteil. Die deutsche Super-Mammi schafft es nur bis ins Mittelfeld und verbringt tatsächlich nur 2 Stunden und 18 Minuten mit ihren Kindern am Tag mit Fürsorge für ihre Kinder. Das ist weniger als schwedische, französische, norwegische und englische Mütter, doppelt so viel Zeit in Büros und Betrieben als deutsche Mütter.
Damit nicht genug: Nicht mal dem Haushalt kommt die gewonnene Zeit merklich zugute. Nur 21 Minuten putzen, bügeln, waschen und kochen sie mehr als ihre europäischen, berufstätigen Geschlechtsgenossinen. Stattdessen gönnen sie sich „persönliche Freizeit“, belegt der „Siebte Familienbericht“ des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahre 2005. Was die Laydies also tun? Hoffritz mutmasst „Cappuccino, Couch und Cabrio“.Und schiebt auch gleich den Vergleich nach, dass man die – zu Unrecht also verbrämten – Rabenmuttis mit Job an ihren pflegeleichten Kurzhaarfrisuren oder am eilig frisierten Knoten erkennt. Dass jene nur selten zum Telefonieren mit ihren Freundinnen kommen – sondern permanent mit Managen beschäftigt sind: und wie häufig sie an der Telefonstrippe hängen und sich mit Kinderfrau und Ehemann zu koordinieren, um die Kinderbetreuung zu gewährleisten.
Besonders fein beobachtet Hoffritz das schlechte Gewissen, dass bei allen deutsche Mamis (egal ob berufstätig oder nicht) eine Art Dauergefühlszustand ist und zwar schon als Schwangere. Keine Möhren (Wachstumsstörungen!), bitte kein Rührei (Salmonellengefahr!), kein Steak (Toxoplasmose!), Rohmilchprodukte (verursacht Fehlgeburten wegen Listeriose) undundund. Oder den Still-Drill im Mütterwettberwerb und zieht die Bilanz: „Je mehr Entlastung die Frauen durch Vollwaschautomaten, Mikrowellenherde und Kühlkombinationen erfuhren, desto höher wurden die Ansprüche, die man an sie als Hüterin der Kinder stellt.“
Wer hat die typischen Situationen nicht schon erlebt, die Hoffritz sehr treffend skizziert: Die wildfremde alte Dame, die sich über den Kinderwagen beugt, wenn das Baby schreit und sich nach dessen Bäuerchen erkundigt und – ungefragt! – Kümmel gegen Koliken empfiehlt. Und wenn Mütter selbst im Hochsommer ermahnt werden, dem Kind ein Mützchen aufzusetzen. Und wie anders die Reaktion aufs Brüllen ausfällt, wenn es die Fremden dann doch stört, bei Friseur etwa, wo es kein Entkommen gibt: „Ich hätte das meinen Kindern früher nicht druchgehen lassen.“ Ganz zu schweigen von dem Ratgeber-Klassiker, mit dessen – Papier ist geduldig – Hilfe jedes Kind durchschlafen lernen soll. Erziehungstipps bekommt man also in rauer Menge, nur Lösen muss frau das Ganze noch alleine. Und fragt sich, warum es nur bei ihr eben nicht so hinhaut wie bei den Ratgebern und den vielen tagtäglichen Tippgebern. Manchmal eben nur mit Aussitzen und Abwarten bis es vorbei ist. Bis die jeweilige grausame Phase – welche auch immer, Zahnen, Wachstumsschüübe oder Drei-Monatskoliken – schlicht und ergreifend überwunden ist.
Unterhaltsam sind denn auch Hoffritz Charakterisierungen der Eislauf-Muttis, die heute – weil out – lieber die Kinder ins Ballett scheuchen, weil sie im Maxi-Cosi so begeistert zu Tschaikowski gewippt hätten. Oder der Etepetete-Ästehtik-Mutti, die ihre Kiddies nur in Vichy-Karo, in dunkelblau und in feine Streifen kleiden, um nur ja keine Entchen- oder Bärchenmotive ansehen zu müssen.
Schön ist auch die Rundum-Praktisch-Mutti portraitiert, die sich direkt sechs Bananenboxen im Internet bestellt, um auch gleich ihre Freundinnen mitzuversorgen. Und die genau weiß, wann es bei Tchibo die warmen Handschuhe gibt. Oder der „Grabenkrieg am Sandkastenrand“, wie Mütter sich gegenseitig fertig machen, ganz subtil. Und von der Frauenfreundschaft, die Grenzen hat. Karrieremammis nämlich haben es vor allem bei ihren eigenen Geschlechtsgenossinnen hier zu Lande besonders schwer. Schließlich ist das Betreuungsangebot knapp und damit das Opfer der zu-Hause-Bleibenden auch lohnt, glorifizieren sie es eben – und verteufeln die Fremdbetreuung.
Das umgekehrte Verhalten sollten sich mal berufstätige Mütter einfallen lassen, dann wär was los.
Aber am Betreuungsangebot soll es ja nun bald nicht mehr liegen, die Rettung aus der Politik naht – in fünf Jahren dann.

Ein Kommentar zu „Das Feindbild der Hausfrau: Die Karrierefrau“

  1. * Aber die Karrierefrauen müssen ja irgendwie ihr schlechtes Gewissen beruhigen.
    Nicht,dass Sie mich falsch verstehen,jeder soll nach seiner Facon glücklich werden.Was die Mütter zuhause machen ohne dem Staat auf der Tasche zu liegen geht keinen, aber wirklich gar keinen etwas an!Wer die Fremdbetreuung will soll sie ruhig haben -selbstverständlich selber zahlen-(nicht auf Steuerzahlerkosten!)Und wenn die Fremdbetreuung ja so toll ist, kann die Zweitfrau doch wohl nach Verlassen des Kreissaals das Kind in der Kinderkrippe abgeben- so wird es optimaler gefördert als bei der frustrierten Hausfrau-oder???
    Außerdem wußte sie ja wohl von der Erstfrau und den Kindern-also mal schön den Ball flach halten !!!
    * Beleidigungen werden zugunsten einer sachlichen Diskussion rausgekürzt.

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