
CNN-Kultmoderator Richard Quest exklusiv für handelsblatt.com über das Weltwirtschaftsforum in Davos (Serie)
Davos, Samstag, 31.1.09
Meine Großmutter warnte mich immer vor „zu viel des Guten“. Ich dachte immer, sie wäre gemein und wollte nicht, dass ich mich mit Torten, Keksen und Süßigkeiten voll fresse. Erst Zahnlücken später erkannte ich die Weisheit ihrer Worte.
Zu viel des Guten ist eine gefährliche Sache. In Davos ist es das Gleiche. Nach drei Tagen des Herumlaufens in diesem Kongresscenter dreht sich mein Kopf bei der bloßen Anzahl von ’Welt-Würdenträgern’, auf die ich hier gestoßen bin.
Zur heutigen Ausbeute gehörten der Generalsekretär der UN, das Oberhaupt von UNICEF, die Präsidenten von Israel und der Mongolei (nicht zur gleichen Zeit!), ein „Hallo“ mit dem Geschäftsführer von Coca Cola, ein Händeschütteln mit Bill Gates und ein Interview mit Prinz Andrew. Puh.
Das Weltwirtschaftsforum 2009 neigt sich dem Ende zu und die Delegierten steuern in Richtung Heimat. Sie haben aus erster Hand erfahren, wie schlimm die Lage ist und Optionen dargelegt bekommen, wie man die Sache wieder hinbiegen kann. Regierungsminister haben gegenseitig auf ihre Konjunkturpläne geschielt, Bänker ihre Kreditprobleme diskutiert und Industrielle den Mangel der Märkte beklagt.
An dieser Stelle wäre es wahrscheinlich ’cool’ zu sagen, dass das Gefachsimpel in Davos keinen großen Wert hat und dass ich nicht zurückkommen werde. Jedem, der das sagt, kann ich nur antworten: Schwachsinn. Es gibt kein anderes Event auf der Welt, dass Dir Zugang zu so vielen wichtigen Leuten in einer relativ entspannten Atmosphäre gewährt (mal den kleinen Ausfall auf dem Panel zwischen Erdogan und Peres ausgenommen, was weniger entspannt verlief!). Davos hat Erfolg, weil es einzigartig ist. Man könnte es heutzutage nicht mehr erfinden und sicherlich auch nicht nachahmen.
Aber Richard, mach Dir nichts vor! Das Wichtigste ist, zu wissen wann man gehen muss. Normalerweise bewege ich mich nicht in solchen Kreisen und ich sollte dahin zurückkehren, wo ich hergekommen bin.
Das ’auf Du sein’ mit der Weltelite hat mir Spaß gemacht, aber jetzt ist es Zeit nach Hause zu gehen. Großmama wäre stolz. Ich habe gelernt, was „zu viel des Guten“ bedeutet.
CNN International zeigt täglich um 20:00 Uhr Richard Quests neue Show “Quest Means Business”. Weitere Informationen finden Sie unter www.cnn.com/davos