Umzug, nein danke

Jeder zweite mag nicht seinem Arbeitgeber zuliebe Haus und Hof aufgeben, seine Siebensachen plus der ganzen Familie zusammenpacken, seine Freunde aufgeben und wegziehen aus seiner heimat. Auch die Wirtschaftskrise hat nicht dafür gesorgt, dass die Leute umzugswilliger werden: denn diese Zahl ist in den vergangenen vier Jahren nur um einen Prozentpunkt auf 47 Prozent gestiegen. Erforscht hat dies laut dpa die Offenbacher Forschungsgesellschaft Marplan. Dabei: Westdeutsche waren bei dieser Umfrage
mit 50 Prozent deutlich eher zum Umzug bereit als Ostdeutsche mit 40 Prozent. Und Ausländer eher als Deutsche beziehungsweise Männer (52 Prozent) eher als Frauen (42 Prozent). Von den Ausländern waren sogar 60 Prozent zum Ortswechsel bereit.
Ketzerische Gegenfrage: Warum sollten die Bodenständigen auch herumzigeunern? Jobsicherheit gibt es absolut nirgendwo mehr heute. Wer als Familie eine gute Infrastruktur hat mit babysittenden Großeltern oder gar vergleichsweise niedrigen Mieten oder überhaupt ein überschuldetes Heim – das sich dann unter Druck nur mit Verlust verkaufen lässt – sollte das tatsächlich nicht so ohne weiteres aufgeben. Und gerade für Familien mit Kindern ist ein Umzug ein Vabanquespiel.
Da pendelt der vater doch lieber nur am Wochenende nach Hause – und das hat die Firma sowieso viel lieber. Wenn er abends nicht auf die Uhr gucken muss und frei von Verpflichtungen die ganze Woche über zur Verfügung steht. Nur ob das den Familien dient, das ist die Frage.

Ein Kommentar zu „Umzug, nein danke“

  1. Die Klage über die angeblich mangelnde Mobilität von Arbeitnehmern ist so alt wie das Arbeitslosengeld und auch der Arbeitskräftemangel. Verging doch bis 1991 kaum eine Woche in der dieser „Mangel“ nicht lauthals beklagt wurde. Als Berlin dann unerewartet wieder Hauptstadt wurde, der Umzugsbeschluss gefasst wurde, als plötzlich viele selbst betroffen waren, verstummte diese Klage fast völlig. Im Gegenteil, es wurden Programme aufgelegt (Hauspreisverlustausgleich, verbilligte Fahrten, Flüge usw. usw.), Dinge, von denen ein „normaler“ Arbeitnehmer heute nur träumen kann. Jetzt, da die Zahl der Betroffenen bei Behörden, in den Parteien und im Parlament wieder sinkt, wird das Getöse und die Forderung nach mehr Mobilität und mehr Flexibilität wieder lauter.

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