Knatschig, wenn die „Gala“ weg ist

Die Arbeitsverdichtung der vergangenen Jahre wird langsam offenbar: Gleich zwei Männer bei der Jahrespressekonferenz von Grey kämpften sichtbar mit dem Schlaf und nickten kurzzeitig weg – um elf Uhr vormittags. Das gabs noch nie und lag auch keinesfalls an den Vortragenden. Im hellen Schulungsraum der Werbeagentur Grey und dieses Mal leider ganz ohne ein virtuelles Kaminfeuer wie im Vorjahr. Aber mit interessanten Gedankenanstössen. Dass Markenartikler umdenken müssen, etwa. Sie müssten sich fragen: Wie gehe ich mit Konsumenten um, die nicht mehr nur alleine zuhause sitzen und zuhören, sondern mit anderen Konsumenten in Kontakt treten?
Und noch neuer ein Gedanke werde die Markenartikler beunruhigen: Nicht nur die technische Entwicklung entscheidet, sondern das, was der Mensch zu akzeptieren bereit ist.Das ist unter Umständen oder sogar sehr wahrscheinlich etwas komplett anderes.
Diese beiden Erkenntnisse stammen von Oliver Blecken von MediaCom auf der Pressekonferenz von Grey, der zweitgrößten deutschen Werbeagentur.
Auch Uli Veigel, CEO von Grey, schlägt ungewohnte Töne an: Er erzählt, dass Grey schon seit zwei Jahrzehnten an der Seite von Deichmann, dem Schuhhändler, ist. Und an der Seite von Procter & Gamble schon seit 40 Jahren. Noch vor kurzem war solche Treue kein Wert an sich. Eher im Gegenteil. Und insbesondere in solch eine ewig-jungen Branche wieder Werbung.
Und Veigel macht aus der Not eine Tugend: Darf er doch keine Zahlen verkünden, so gerne er es auch täte. Und er wird auch nicht müde, das zu betonen: „Ich weiss es, darf aber nix sagen. Und ich habe meinen Finanzgeschäftsführer dabei – der darf aber auch nix sagen.“ Weil es der Gesetzgeber so vorschreibt, der amerikanische Sarbanes Oxley Act genauer gesagt. Nur so viel: Grey hatte ein sehr gutesNeugeschäft – das aber dennoch nicht alles kompensieren konnte. Traf die Krise die Bestandskunden doch merklich. Ein Erfolg: Die Allianz-Gruppekonzentriere nun alles bei der Grey-Group – und die wiederum eröffnet deshalb nun ein Büro in München.
Was das Jahr 2010 bringen werde? Alle sei drin, von minus fünf bis plus fünf Prozent Umsatz.
Frank Dopheide, Grey-Chairman, spricht Unerwartetes gelassen aus: „Im Flieger nimmt heute kein Mann mehr – wie früher – zuerst die Wirtschaftsmagazine. Er greift zur „Gala“ und wenn die nicht da ist, wird er knatschig.“ So ist das schon mehrere Jahre. Aber es auch auszusprechen, das traut sich nur Frank Dopheide.