Unhöflichkeit ist…II. …anderen seine Terminprobleme aufzuhalsen

„Es gibt Mails, die an Schwachsinn kaum zu überbieten sind,“ tobte kürzlich ein guter Freund. Zum Beispiel die, die er gerade in diesen Tagen erhalten hatte: Adressiert war sie an drei Leute gleichzeitig, die aber nicht das Geringste miteinander zu tun hatten – ausser dass sie zufällig in derselben Stadt arbeiten. Und der Tatsache, dass der Absender sie alle drei treffen will. Für ihn selbst praktischerweise an einem Tag und gleich nacheinander. Ist doch sein Bier, würden Sie sagen? Richtig. Eine Mail an drei Leute gleichzeitig zu schicken ist schon tolpatschig genug. Psychologisch hat so etwas übrigens nur den Effekt, dass jeder einzelne die Mail als weniger wichtig empfindet und sich weniger zuständig fühlt. Wie es mit Massenaussendungen eben so ist.
Doch der Absender schickte auch gleich einen Link mit – auf den solle jeder der drei Adressaten klicken und sich in dem Terminsystem dahinter mit den anderen Wildfremden auf einen Tag einigen. Wie bitte? Der Absender bekommt seine Termine nicht koordiniert und will nun die Leute, die er treffen will, einspannen als seine Hilfssekretäre? Die sich auf sein System einlassen und einarbeiten sollen, das sie im Zweifelsfall nicht kennen? Ein wahrhaft verwegenes Experiment.
Sicher, alles unangenehme Folgen der eingesparten Sekretariate. Aber was zu viel ist ist zu viel.
Ähnlich undiplomatisch ist es da nur noch, als privilegierter mit Sekretariat ein Opfer der eingesparten Sekretariate von der eigenen Sekretärin anrufen zu lassen, um einen Termin zu vereinbaren. So, als wäre der ein Konzertveranstalter, bei dem man Karten bucht. Oder ein Hotel. So viel Feingefühl darfs schon sein, dass der Privilegierte dann doch mal selbst zum Hörer greift und den anderen selbst anruft, um den Termin abzumachen. Einen Termin, der letztlich zwischen zwei Leuten auf Augenhöhe stattfinden soll. Da kommt es einfach schlecht an, wenn man dem anderen vorher via Sekretariat schon mal klar macht, wo er steht: „Ätsch, ich habe meine Leute, die mir diesen Kleinkram abnehmen.“ Wer also nicht gleich sein Gegenüber gegen sich aufbringen will, verzichtet auf solche Machtdemonstrationen. Selbst wenn er der Sache nicht die Bedeutung  beimisst – der andere tut es. Und selbst wenn er alle seine Termine immer und nur von seiner Sekretärin für sich machen lässt, sollte darauf verzichten, wenn`s der andere nicht ebenso handhabt. Es sei denn, man will schon mal die Weichen fürs folgende Gespräch stellen – und demjenigen, den man treffen will, schon mal ein bisschen degradieren will. Zur Einstimmung.