Hildgerad Bison wird europaweite Chefjuristin beim Mineralölkonzern BP – und verlässt die Law Firm Freshfields
Wiener Schnitzel oder Currywurst ?
Sie liebt Wiener Schnitzel, aber auch für Currywurst mit Pommes kann sie sich spontan begeistern. Ebenso, wie für Düsseldorf und das Ruhrgebiet. Denn da habe sie- wenn man eben die Städte zusammen nimmt – kulturell ebenso ein großes und gutes Angebot wie früher in Berlin, wo sie ihre Referendarzeit verbrachte. Denn: In Berlin seien die Distanzen ja ebenso groß, erklärt Hildgerad Bison, 49, ganz schlüssig.
Sie ist es auch, die auf wirklich originelle Vergleiche verfällt wie diesen: Dass alle Dax-Vorstands-Ladies in einen Toyota Van passen – gegenüber mehr als 180 männlichen Dax-Vorständen. Langes Herumreden um den heißen Brei ist ihre Sache nicht. Sie ist die Pragmatikerin, die angenehm uneitel, aber immer korrekt daher kommt. Das muss sie auch, wenn sie in einer Großkanzlei wie Freshfields gegenüber all den Männern dort bestehen will. Rund 20 Jahre lang hat sie dort gearbeitet und sich hochgekämpft in die Partnerriege, wo Frauen Seltenheitswert haben. Eine Anwaltszulassung hat Bison auch in den USA und arbeitet in einem Rechtsgebiet, in das sich auch nur wenige Frauen verirren: Das Corporate-Business, die großen M&A-Deals, die schon mal Rund-um-die-Uhr-Einsätze erfordern und den Juristen ganz schön viel abverlangen. https://blog.wiwo.de/management/2011/12/31/alle-ma-partnerinnen-der-law-firms-passen-in-einen-vw-bus/
Aber sich-etwas-abverlangen, das ist Bison gewohnt – auch privat: Ihre Bergwanderung in Ecuador, die sie in ein paar Wochen plant, die wird auch für den neuen Job nicht etwa abgesagt. Dazu „habe ich viel zu lange dafür trainiert“, sagt sie.
Nun ist Bison bei BP als Chefjuristin angetreten und führt ein 35-Köpfe-starkes, europaweites Team. Weder Freshfields hatte den bemerkenswerten Wechsel der Presse mitgeteilt noch BP. Schade für Hildegard Bison, wo sie es doch verdient hat.Doch irgendwann liess sich die Personalie dann doch nicht mehr unter der Decke halten. Warum auch? Zwar ist BP auf der Mandantenliste der zweit-umsatzstärkstenKanzlei weltweit und mit 2500 Anwälten, aber Bison beriet den Mineralölkonzern selbst nie. http://http://www.legalweek.com/legal-week/news/2224365/freshfields-partner-exits-for-top-legal-role-at-bp-european-arm
Postwendend eine Antwort
Studiert hat Bison in Bonn, seit neun Jahren hält sie selbst Vorlesungen an der Uni Düsseldorf. Bis jetzt jedenfalls. Große Namen wie das Handelsunternehmen Mitsui oder CVC, Akzo Nobel und Acordis waren bisher ihre Mandanten. Das „Juve-Handbuch Wirtschaftsanwälte“ lobt Hildegard Bison mit der anonymen Stimme eines Mandanten: „Überzeugender Außenauftritt, reagiert schnell und ist immer ansprechbar“. Denn Bison zählt zur Kategorie der Nachteulen. Wer ihr nachts mailt, braucht sich nicht wundern, wenn er postwendend eine Antwort bekommt.
Bison ist nicht die einzige Partnerin, die Freshfields den Rücken kehrt: Ruth Lüttmann verließ September das Düsseldorfer Büro am Feldmühleplatz und ging als Justiziarin zum Bistum Münster. http://www.juve.de/nachrichten/namenundnachrichten/2011/08/radikale-neuausrichtung-freshfields-partnerin-wird-justiziarin-beim-bistum-munster . Auch die Arbeitsrechtlerin und Partnerin Ulrike Schweibert ging mit dem kompletten Arbeitsrecht-Team zu sechst aus dem Frankfurter Büro weg, um einem Spinn-Off zu unternehmen. http://www.juve.de/nachrichten/namenundnachrichten/2012/04/spin-off-bei-freshfields-frankfurter-arbeitsrechtsteam-grundet-eigene-kanzlei
Dafür, dass Frauen als Partnerinnen an diesen Top-Adressen Mangelware sind, ist das viel und es dürfte die Frauenquote sicher empfindlich senken.
Klar ist aber auch: Die Frauen, die es bis dahin geschafft haben, dürften auch für Unternehmen interessant sein, um mit ihnen eigene Personalsorgen zu lösen und vor allem die Frauenquote bedienen können. Denn Top-Frauen sind rar und schwer zu finden, klagen Headhunter landauf landab. Und die Ebene darunter, zum selber-Befördern, an die Ebene trauen sich die Unternehmen nicht heran – sie wollen immer gleich die fertigen Top-Managerinnen, die schon ganz oben sind.
