„Der Aktien-Handelsraum befand sich nur auf der gegenüberliegenden Seite des Gebäudes, aber dem anderen Klima nach zu urteilen hätte es auch die gegenüberliegende Seite des Planeten sein können. Kein Geschrei, kein lautes Zurufen von Preisen oder Orders – stattdessen nur leise Klacken von Computertastaturen. Reihenweise saßen da die Händler und starrten, die Schultern gekrümmt, den Kopf vorgereckt, auf ihren Monitor. Tippten etwas. Wenn überhaupt gesprochen wurde, dann immer nur kurz und in gedämpftem Ton. Es sah aus wie ein viktorianischer Alptraum von einem Kontor – nur mit Computern statt Federkielen und Hauptbüchern.“
Das ist die Wahrnehmung des Ex-Investmentbankers Jason Stafford, der den Auftrag bekommen hat, zweifelhafte Vorgänge bei einer Wall-Street-Firma aufzudecken – und zwar im Auftrag dieser Company. Das ist die Rahmenhandlung des Titels „Am Freitag schwarz“ von Michael Sears. Doch Stafford ist selbst nicht unbescholten, sondern hat gerade zwei Jahre im Knast verbracht, weil man seinen illegalen Finanztransaktionen auf die Schliche gekommen und er verurteilt worden war. Damit nicht genug, hat er im Privatleben auch nur noch einen, der überhaupt zum ihm hält, seinen Vater. Und Stafford ringt seiner Ex-Frau ihren gemeinsamen, autistischen Sohn Kid ab und will eigentlich nur noch eins in seinem Leben: ihm helfen. Das Geld für den Auftrag braucht er genau dafür. Dumm nur, dass die ganze Sache mit rasantem Tempo ziemlich heikel und lebensbedrohlich wird, denn die Spuren führen zu einem Hedgefonds, dessen Hintermänner vor nichts zurückschrecken. Auch nicht vor Morden.
Stafford gerät zwischen alle Fronten und muss, wenn es am heissesten wird, auch noch gleichzeitig um seinen 5-jährigen Sohn kämpfen. Denn der wurde entführt vom neuen Mann seiner Frau, einem Schläger und Tyrann. Was schwierig genug ist, wo er doch als frischer Ex-Sträfling noch selbst höllisch aufpassen muss, um nicht stantepede zurück in den Bau zu wandern – und damit seinem Sohn ganz sicher nicht mehr beistehen zu können.
Der Buchtitel ist doppeldeutig, meint aber die strikte Kleiderordnung des Sohns Kid – die um Himmels willen nicht durcheinander gebracht werden darf, denn die Routine ist sein Lebensgerüst. Und an bestimmten Tagen will er unbedingt nur bestimmte Farben tragen – Freitags ist das eben schwarz.
Das Buch ist 429 Seiten dick, aber so spannend, dass man gefühlte 100 Seiten liest. Als Osterlektüre etwa. Der Autor Michael Sears war selbst Managing Dirctor an der Wall Street und ist Vater von zwei Söhnen. (dtv Michael Sears, „Am Freitag schwarz“, 429 Seiten, 10,30 Euro)

http://www.amazon.de/Freitag-schwarz-Kriminalroman-Michael-Sears/dp/3423214090
Zum Autor: http://www.dtv.de/autoren/michael_sears_14458.html