Als hätten sich alle verabredet: Auch Edeka und Plus haben ihren Mitarbeitern Detektive in die Läden geschickt, kommt jetzt heraus. Und nicht nur das eint sie mit Lidl. Auch die PR-Strategie ist jedes Mal die gleiche. Sie alle schieben den schwarzen Peter einfach weit weg von sich – und den Detektiven zu. Sie distanzieren sich ganz einfach von den Nick Knattertons. Nur ob diese Strategie langfristig hinhaut, da habe ich so meine Zweifel. Wer drüber nachdenkt, dem drängt sich doch diese Überlegung auf: Wer hat denn diese Über-die-Stränge-schlagenden Detektive ausgesucht? Richtig. Die Händler selbst. Also müssen sie sich die – jetzt als solche dargestellten und dazu massenhaften – Übertritte zurechnen lassen. Ich-wars-nicht-Ausreden gelten nicht. Denn entweder haben sich die falschen Detektive ausgesucht oder sie haben sie falsch gebrieft – oder nicht kontrolliert. Oder beides nicht. Alles jedenfalls Fehler.
Als Ausrede ist es jedenfalls fadenscheinig. Und klar ist eins: Die Detektive sind allesamt zum Schweigen verdonnert. Welcher Detektiv, der noch mal von anderen oder denselben Firmen Aufträge haben möchte, kann es sich jetzt leisten, etwaige Auftrags-Übertretungen abzustreiten. Sie können weder ihre eigenen Auftraggeber ans Öffentlichkeits-Messer liefern noch sich überhaupt aus der Deckung wagen. Die Namen dieser Detektiv-Büros in den TV-Nachrichten und in allen Zeitungen – darauf sind sie kaum scharf. Also ist den Händler klar, dass sich die Beschuldigten ihre Taktik gefallen lassen müssen.
Dumm nur, dass die Masche der Kinder „Ich wars nicht,“ und „Der andre wars“ immer so fadenscheinig ist.
Und wenn der Discounter Lidl lieber Anzeigen schaltet mit eigenen Texten, statt mühsam Journalisten zu überzeugen und ihnen seine Unschuld zu beweisen, so sind es immer noch Anzeigentexte und kein unabhängiger Journalismus. Das merken auch die Leser.
So wie damals, als wegen der schadhaften Babymilch von Humana Babys in Israel zu Tode kamen. Das war vor dreieinhalb Jahren und Humana reagierte so: Die Firmenleitung feuerte kurzerhand die drei, eigenen Mitarbeiter, die sie als schwarze Schafe outeten. Zu Recht oder nicht. Humana erklärte damals, dass die Mitarbeiter die Kosten-Spar-Vorgaben übertrieben und eigenmächtig die Rezeptur verändert hätten. Auch dafür wählte man den Weg, lieber rasch und einfach Anzeigen zu schalten – statt Presse-Überzeugungsarbeit auf sich zu nehmen. Damit die Wortwahl wenigstens so war, wie man sie in der Zeitung gedruckt lesen wollte.
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Angefangen hat das alles mit dem Pfand.
Bei Apollinaris z.B. sind nachts die Jugendlichen über den Zaun geklettert und haben die Kisten rübergeschafft um anschließend nächste Woche diese Kisten wieder abzugeben.
Bis heute handelt ein floriender Markt mit Pfandkisten die entwendet wurden. Heute ist man in Billiglohnländern sogar dazu übergegangen diese Plastikflaschen in geringer Qualität nachzuproduzieren.
Dann muss natürlich die neueste Technik geprüft und installiert werden und da die Unternehmen zuviel Gewinn haben, werden ein paar Leute eingestellt, die Detektive eben. Die ganzen Verfahren laufen bei Entdeckung eines vermeintlichen Diebstahls in Selbstjustiz ab. Der vermeintliche Übeltäter wird in kleinen Gruppen fertiggemacht, ohne das er richtig zu Wort kommt. Egal was er sagt, es bringt sowieso nichts mehr. Dann werden diese Leute in eine Liste eingetragen.
Die vermeintlichen Diebe werden im Unternehmen aufgelistet und dürfen dort nicht mehr arbeiten. Natürlich wird so auch von anderen Machenschaften abgelenkt, weil es gibt ja immer eine verfügbare Handvoll Übeltäter: Seht her, das sind die Bösen. Die Kassiererin hat 25 cent aus der Kasse entwendet.
Zudem muss man sagen, dass ungelernte Kassiererinnen im Verhältniss ganz gut verdient haben. Leider ist dies heute oft in 400 Euro Jobs umgewandelt worden.
Allerdings ist so nur ein Überleben für manche Läden möglich.
Die Selbstjustiz ist gang und gäbe leider.
Mariana Mayer
wie wäre es denn wenn die verantwortlichen dafür, ihrerseits von dedektiven ausspioniert werden würden ? das zitat von george clooney ist das schon treffend.
Hier gilt ein einfaches unternehmerisches Prinzip:
„Arbeit kann man delegieren, Verantwortung aber nicht!“
Wo kommen wir denn hin, wenn die, die gut bezahlt ein Unternehmen leiten, keine Verantwortung mehr tragen wollen? Ist nicht gerade diese große Verantwortung die Rechtfertigung für ein gutes Gehalt?
Das bedeutet ja nicht, dass nach jedem Fehler, der passiert, Köpfe rollen sollen. Aber Entschuldigungen und eindeutige Aktionen, dass eine solche Tat sich nicht wiederholt sind das mindeste. Frei nach dem Motto „Ich übernehme die Verantwortung und werde alles dafür tun, dass sich solche Vorgänge nicht wiederholen!“
Das west/ostdeutsche Stasiüberwachungssystem in den Unternehmen, gibt es dies eigentlich auch im europäischen Umland oder ist dies ein Problem speziell hier oder des deutschen Unternehmertums?