Es gibt Umfragen, bei denen reibt man sich die Augen. Man kommt aus dem Staunen einfach nicht mehr heraus. So wie bei dieser: Das Jobportal Monster.de hat sich die unglaublich originelle Umfrage ausgedacht, wie die Menschen im Unternehmen am liebsten kommunizieren. Und kommt denn auch zu dem – ganz überraschenden – Ergebnis: Wer sich mit seinen Kollegen austauschen will, tut dies am liebsten von Angesicht zu Angesicht. Direkt, konfrontativ, knallhart und – todesmutig. 49 Prozent sind es genau gesagt europaweit, so die Monster-Onlineumfrage unter mehr als 7000 Europäern. 12 Prozent rufen ihre Kollegen dagegen lieber an, statt ihnen in die Augen zu sehen. Immerhin haben sie keine Angst davor, aus dem Stand und unvorbereitet antworten zu müssen. Ohne viel Bedenkzeit. Sie stellen sich, sie sind quasi Helden.
Jedoch: 27 Prozent haben dafür anscheinend zu wenig Zeit in ihrem Job, fürchten einfach den Mundgeruch des Kollegen oder sichern sich im heutigen rauen Betriebsklima schriftliche Beweise – kurz, sie schicken lieber eine Mail. Mit eingebauter Bedenkzeit beim Antworten. Apropos: Achten Sie mal drauf, es gibt Kategorien von Mailempfängern. Einige wenige antworten ruckzuck, spontan und gehören zu den Entscheidungsfreudigen. Andere brauchen Stunden oder gar Tage und antworten nienich binnen Minuten. Das käme ihnen auch nicht in den Sinn.
Und dann gibt es noch die Antwort-Verweigerer. Die Tot-Steller. Die Arroganten oder Schreibfaulen. Von der ich-habs-einfach-nicht-nötig-weil-ich-bin-oben-und-lasse-mich-schon-gar-nicht-in-einen-Mail-Verkehr-zwingen-Fraktion. Die hat Monster wohl nicht gefragt. Oder die Angehörige dieser Kategorie haben Monster – wie den vielen anderen Mail-Absendern dieser Welt auch – gar nicht erst geantwortet. Dieser Homo Praepositus kommuniziert nämlich am liebsten gar nicht. Er kann es sich auch leisten, andere am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen. Denn er ist der Boss. Wer nicht hoch im Kurs steht bei ihm, kann auf seine Antwortmail warten, bis er schwarz wird. Und wer bis dahin nicht wusste, dass er zu den ungeliebten Kindern des Chefs zählt, weiß es dann.
Kurz: Die Führungskräfte im Elfenbeinturm sind der Sand im Getriebe. Gerade erst belegt dies die neue Umfrage der Unternehmensberatung Proudfoot, die sich alljährlich auf die Suche nach den Produktivitätskillern in den Betrieben macht. Proudfoot wurde fündig – hinter den gepolsterten Türen in den Etagen mit den dickeren Teppichböden, separaten Toiletten und Vorzimmern. Würden die nämlich öfter auf den Gängen herumpirschen, ihre Mitarbeiter ins Gespräch verwickeln, sich für deren Arbeit interessieren und wo nötig, Hilfestellung zu geben, könnte ihre Firma auch die Produktivität steigern. Und mehr verdienen.
Dabei kann man den Homo Praepositus verstehen. Es ist ja auch nicht lustig, sich face to face jedem x-beliebigen zu jeder Tageszeit und in jeder Lage stellen zu müssen. Wer schafft es schon, von jetzt auf gleich den Berufspolitiker zu geben, sich wachsweich auszudrücken und ja nicht aus Versehen eine konkrete Antwort zu geben, auf die man sich schlimmstenfalls sogar festnageln lassen muss? Und vor allem, wenn das Gegenüber sofort nachfragen kann? Ohne lange Rednerliste und spontan? Das erfordert Mut. Todesmut.
http://www.proudfootconsulting.com/Default.aspx?id=213202
Je mehr ich darüber lese, und je mehr Erfahrungen ich im Arbeitsleben sammle, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass es eine Regelung im Arbeitsrecht gibt, die ein normales Miteinander in Betrieben mit mehr als 500 Mitarbeitern verbietet und statt dessen Konzern-Schranzentum und das von Frau Tödtmann trefflich dargestellte „Kommunikations“-Verhalten vorschreibt.
… der Blogg hat eine lebendige, spritzige Sprache. Und der Aufhänger ist mutig und klasse: Die Kommunikation in den Zusammanhang von Hirarchie und Authismus zu stellen.
So ist es ein Vergnügen über die ollen, sich über die Jahrzehnte immer wiederholenden Managementthemen zu lesen.