Wenn die Kostenvorteile dahinschmelzen

Die Inder können mit 14,1 Prozent Gehaltssteigerung rechnen, heißt es heute in einer Pressemitteilung der Unternehmensberatung Mercer. Westeuropäer dagegen nur mit einem Plus von 3,4 Prozent – und das bei einer Inflationsrate von 1,3 Prozent.Die Griechen können 5 Prozent erwarten, die Iren 4,7 Prozent und am wenigsten die Schweizer mit 2,5 Prozent Gehaltszuwachs. Das bedeutet: Das Outsorcen nach Indien wird schon uninteressanter. Denn die Kosten, die auf den ersten Blick eingespart werden bei Verlagerungen von Arbeit über die Grenzen wegen niedrigerer Löhne, sind ja nur ein Teil der Wahrheit. Steigen doch kurz darauf ganz andere Kosten wie etwa Reparaturkosten. Manche Firmen haben diesen Lernprozess schon hinter sich und haben ihre Produktionsstätten schon wieder zurückverlagert. Andere – und das sind wohl eher die Fische, die gegen den Strom schwimmen und die viel Mut brauchten – haben gleich nach der Devise gehandelt “Bleibe im Lande und nähre Dich redlich“. Wurde doch landauf landab von sämtlichen Unternehmensberatern gepredigt, wie viel grüner das Gras woanders sei. Kam ja auch nicht ungelegen. Solange Unternehmen ihren Führungskräften Prämien dafür geben, dass Sie Kosten sparen statt neue Geschäftsfelder zu entwickeln, sind sie selbst schuld, wenn sie auf Raten ausgehöhlt werden. Und geschwächt. Und immer abhängiger. Und eins ist auch klar: Die Führungskräfte, die vorgeblich auf den Rat ihrer Unternehmensberater hören, riskieren dann bei Fehlentscheidungen ja nicht mal ihren Job. Schließlich war es ja der Unternehmensberater. Und der muss es ja wissen, – so hoch wie sein Tagessatz ist.
Dumm nur, wenn zwar die Führungsriege am Ende sagen kann „der war’s, der hat schuld“, aber die Fehlentwicklung geschehen ist.
Und Mercer hat auch gleich tröstende Worte parat: „Osteuropa bleibt aber weiterhin interessant, da fallen die Gehaltssteigerungen niedriger aus als in Indien.“ Fragt sich nur, wie lange.
http://www.mercer.de/pressrelease/details.jhtml/dynamic/idContent/1288570