Keiner hat´s verstanden. Keiner gibt einen Kommentar ab. Und das Erstaunlichste vor allem: Keiner fragt nach. Aus lauter Unverständnis hat es aus der Presse – soweit ich sehe – auch nur einer überhaupt erwähnt. So schreibt die FAZ über die Bambi-Verleihung in Düsseldorf und den Auftritt von Hape Kerkeling: „Nie falsch ist es, Hape Kerkeling auszuzeichnen. Hier erhielt er die Auszeichnung im nicht näher spezifizierten Bereich Kultur, wofür er sich mit Blick auf Schmidt etwas apodiktisch bedankte: „Du, ich und Kulturbambi!“, bevor er eine Passage aus seinem Bestseller vorlas, allerdings auf Holländisch.“
Was er da für eine Passage vorgelesen hat? Keine Ahnung, er hat jedenfalls nichts dazu gesagt, Irgendeine halt? Der geneigte deutschsprachige TV-Zuschauer hat auf die Schnelle nur eins verstanden: Schnabbel kam vor, eine der einprägsamsten Figuren aus Kerkelings Beststeller über seinen Pilgerweg. Nur: Was treibt einen Preisträger an, dem Publikum in einer Fremdsprache vorzulesen? Ich hätte es zu gerne gewusst. Und weiter: Warum reagierten die Leute so konsterniert: keiner lachte, gebuht hat auch niemand. Einfach nur erduldet, abgewartet und so tun als sei nix gewesen.
Und Kerkeling? Machte mit. Erklärte sich nicht, trat einfach ab.
Ich wage zu bezweifeln, dass es dem Publikum oder dem Moderator Schmidt da besser ging als mir. Dass sie alles verstanden haben. Oder wenigstens verstanden, warum Kerkeling auf holländisch oder gerade diesen Absatz rezitierte. Hätte ich aber gerne. Schmidt hätte es auch gekonnt. Er müsste souverän genug sein, um nachzufragen ohne sein Gesicht zu verlieren. Wenn schon nicht für sich selbst, so doch wenigstens für die verblüfften Zuschauer im Raum und an den Bildschirmen. Irgendwie ein typisches Phänomen. Im Joballtag ist es andauernd so. Da sagt einer etwas, womöglich garniert mit englischen Ausdrücken – und keiner traut sich mehr nachzufragen und um Aufklärung zu bitten. Selbst diejenigen fragen nicht nach, die es definitiv nicht im Ansatz verstanden haben und dies aber könnten – weil sie hierarchisch hoch genug stehen und ihre Frage auch Gehör fände. Warum nicht? Sind sie zu schüchtern? Haben sie Angst, man könne sie für dumm halten? Nur weil sie gerade mal irgendwelche Fachbegriffe, Anglizismen oder nagelneue Techniken nicht kennen?
Da kann ich nur sagen: „Nur Mut !“- konfrontieren Sie ruhig die unverständlich Sprechenden. Die Leute, die mit englischen Management-Begriffen nur so um sich werfen. Was meinen Sie, wie schnell die oft selbst ins Schleudern kommen, wenn sie sich erklären sollen. Und lassen Sie sie nicht davonkommen mit Ausflüchten wie „Aber das weiß doch jeder“ oder „Das weiß man doch“ oder mit Drumherumreden. Strafe muss sein.
„… Wir müssen unsere Benchmarks matchen!…“
So sprach einer meiner Vorgesetzten bei einem Informationstreffen mit den Versammelten.
Ich frage mich was aus „Wir müssen unsere Ziele erreichen!“ geworden ist?
Abfallverwertung. Und auf Deutsch? Recycling!
Aber auch ich tappte in die Sprachfalle. Denn ich füllte einen Feedbackbogen aus!