Manche übertreiben es wirklich mit ihrer Telefonitis. Und mit ihrer Ach-ich-bin-ja-so-wichtig-Manier – über jede Höflichkeitsgrenze hinaus. Zum Beispiel der Top-Anwalt, der kürzlich anrief, um ein paar Worte zu wechseln.Er war es, der angerufen hatte – wohlgemerkt. Doch weiter als drei Sätze pro Person kamen wir nur leider nicht. Dann hatte er es plötzlich ganz furchtbar eilig, einzuhängen. Der Mann wurde ganz aufgeregt. Und mit den Worten „Da ruft gerade ein Mandant an, ein internatonaler“, hängte er einfach ein. Rummsbums. Und ich guckte dumm drein. Er hatte nicht gesagt, „Entschuldigung, ich rufe in zehn Minuten wieder an“ oder „ich erklär’s Ihnen gleich“. Gabriele Schlegel, die Expertin für Business Behaviour kommentiert den Fall so: „Ausbremsen aus einem Telefonat ist immer unhöflich und unprofessionell. Kurz: Nicht akzeptabel.“ Sicher, es gibt Ausnahmen: Ein Mediziner etwa, der Rufbereitschaft hat und der zu einem Notfall befragt oder hingerufen wird. Oder wenn ein Unternehmen intern derlei Vorfahrtsregeln ausgibt – aber über die muss jeder bescheid wissen. Denn generell gilt, so sagt Gabriele Schlegel: Menschen fühlen sich wenn sie so rüde abgehängt werden zurückgesetzt – was ja auch objektiv der Fall ist – und ein stilvoller Mensch wird alles tun, um diesen Eindruck nie aufkommen zu lassen.
Gut schön. Aber was tun, wenn einem diese Rüpelei dennoch wiederfährt? Zu jedweder Reaktion ist es doch zu spät, wenn einen der Hörer nur noch anpiepst und keiner mehr hört, was man dazu zu sagen hätte. Wenn man nur könnte.
Schlegel empfiehlt: Ruft der Übeltäter das nächste Mal an, sollte man gleich zu Beginn sagen: „Bei unserem letzen Anruf haben Sie mich aus der Leitung geworfen. Das hat mich gestört, und falls Sie wieder einen wichtigen Anruf erwarten, sollten wir zu einem anderen Zeitpunkt
telefonieren. Können wir denn heute ungestört miteinander reden?“
Das wird auch der letzte Neandertaler kapieren.
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Toll. Der Tip was man beim nächsten Mal sagen sollte ist derart eindimensional und profan, das man sich fragt, wofür man den Artikel überhaupt gelesen hat..
MG
Hallo mg,
Sie nennen das „eindimensional und profan“ – ohne dass Sie sagen, was Sie erwartet hätten. Das klingt nach negativer Grundstimmung. Was haben Sie denn Tiefschürfendes erwartet? Ich finde die Empfehlung von Frau Tödtmann genau richtig – schön einfach. So schön simpel wie der Geist des rüpelhaft kommunizierenden Anwalts. Damit ist gewährleistet, dass die Reaktion auf sein Verhalten ankommt. Alles andere wäre wirkungslos vergeudete Energie. Nicht umsonst verwendet Frau Tödtmann die Worte „der letzte Neandertaler“.
Abgesehen davon ist so eine Antwort mit einfachen Worten in der Situation eines unerwarteten Anrufs an einem arbeitsreichen Büroalltag alles andere als profan und eindimensional, sondern zeugt von Spontaneität, Präsenz und Intelligenz.