Denn für Teamplayer gilt: Karriere ade! Sicher, die vielen Stellenanzeigen lesen sich immer so, wie es eine Umfrage der DIHK gerade wieder ergab: Teamfähigkeit ist für die deutschen Unternehmen das wichtigste Kriterium bei der Einstellung von Hochschulabsolventen, heißt es da. Bei einer DIHK-Umfrage unter 2 135 Firmen nannten 71 Prozent dies als wichtigste Einzelkompetenz. Jedenfalls auf dem Papier, oder besser gesagt: Nur auf dem Zeitungspapier mit den Stellenanzeigen – Papier ist geduldig.Doch tatsächlich ist diese Eigenschaft weder relevant für Beförderungen noch für Prämien. Ein hilfsbereiter Kollege, der seine eigene Arbeit sein lässt, um Kollegen weiter zu helfen? Pah. Selbst schuld. Befördern wird man ihn deshalb noch lange nicht. Mehr noch: Erst recht nicht. Der kann am Ende noch froh sein, wenn ihn nicht auch noch derjenige, dem er hilft, für einen Trottel hält – genau deswegen. Von allen Kollegen rundherum mal ganz abgesehen. Wer hilft, andere unterstützt, Wissen teilt, Kontakte vermittelt – zum Wohl der Firma oder einfach dem Kollegen zuliebe -, der wird hier zu Lande gar nicht ernst genommen. Geschweige denn befördert – so wie es die vielen Stellenanzeigen glauben machen möchten. Nettigkeit gilt als Schwäche, Mitmenschlichkeit und Teamgeist ebenso.
Und so beweist es auch der Firmenalltag: Prämien bekommen nicht diejenigen Chefs, die ihre Mitarbeiter zu Höchstleistungen coachen. Eher diejenigen, die am meisten Mitarbeiter rausdrücken, schassen, in Vorruhestand treiben und ihnen die meisten Zugeständnisse abpressen, die Gehaltserhöhung ausreden. Zugegeben, gute Coachingleistung lässt sich auch nicht so gut messen. Befördert wird deshalb auch nie derjenige aus dem Team, der selbstlos ist und anderen hilft, einen guten Job zu machen. Derjenige, der das Team zusammenhält und auf ein gemeinsames Ziel einschwört. Nein, befördert wird der, der sich selbst am geschicktesten zu verkaufen und in Szene zu setzen weiß, der sich selbst und nur sich am besten den Vorgesetzten präsentiert – auf Kosten der anderen.
In Stellenanzeigen schreiben die Unternehmen Teamfähigkeit als Wunschprofil vermutlich nur, um sich selbst als Arbeitgeber attraktiver darzustellen. Und weil Stellenanzeigentexte – ohne nachzudenken – oft abgeschrieben werden von anderen Stellenanzeigentexten. Denn im Grunde ist eine Stellenanzeige ja so etwas wie ein bunter, launiger TV-Werbespot mit einer netten Ohrwurmmelodie. Die sollte man auch nicht beim Wort nehmen.
Gängige Beförderungspraxis ist hierzulande eine andere: Wie beschreibt Management-Guru Reinhard Sprenger dieses Phänomen so schön: Da wird der beste Schraubendreher zum Oberschraubendreher befördert. Und der mag die besten Schrauben der ganzen Abteilung drehen, aber mehr auch nicht.
Armes Deutschland !
Das alles hat zwar mit Deutschland denkbar wenig zu tun. Dennoch muss ich zustimmen, dass der Artikel ein Armutszeugnis für Einstellungen am Arbeitsplatz darstellt.
Ade Arbeitsklima. Ade sozialer Umgang. Ade Selbstlosigkeit und Umsicht.
Wer diese Ansichten praktiziert, wird sich unter Umständen das Portmonee prall füllen können. An der Spitz wird sie oder er jedoch sehr einsam sein
@B.S.
Ich welcher Branche arbeiten Sie?
Mein Tip: Versicherung ?
Der Artikel Stuttgarter Zeitung, 2007, Untertitel: In Untertürkheim wird mit beinharten Bandagen gekämpft von Josef-Otto Freudenreich
über den Umgang mit älteren oder/und kranken Bandmitarbeitern die entlassen werden sollen und es so sehen,(wie dort steht): das man ihn nach „22 Jahren wie einen Lappen in die Mülltonne werfen will“
desweiteren: gibt es Listen mit Bundesligatabellen in denen der Krankenstand vermerkt wird, es gibt einen runden Tisch an dem Mitarbeiter Meister, Betriebsräte, Abteilungsleiter etc besprechen, was für Krankeiten ein Mitarbeiter hat und was mit Ihnen zu geschehen ist.
Malocher am Band berichten von Meistern die im rüden Tonfall zu Hause anrufen, von Teamleitern, die mit Abmahnung und Kündigung drohen usw und gleichzeitig ein lächelnder beschwichtigender Personalchef der seiner Sekretärin Blumen schickt, wenn Sie krank ist.
In den Hochglanzbroschüren des Weltkonzerns sind solche Vorfälle nicht vorgesehen. Dann auch noch alles in kooperativen Kurs mit der IG Metall.
usw und sofort
Soll dieses das neue Projekt- und -management bei Daimler sein? Und die Einhaltung von Sozialchartas?
3. Ist dieses Verhalten genauso gut kein Daimler sondern ein allgemeines Stuttgarter Industriephänomen. Wann stellt sich die dortige Industrie endlich einer humanen Betriebsführung und warum hält sie immer noch an Taylor fest?
„Es hieße die Vorteile des Systems schlecht ausnutzen, wenn nicht beinahe an allen Arbeitsmaschinen geringer bezahlte Arbeitsleute anstatt der geschulten Facharbeiter angestellt würden. Die völlige Trennung der geistigen und vorschreibenden Arbeit von der ausführenden Arbeit in der Werkstätte und die Übernahme derselben in das Arbeitsbureau, die genauen und unzweideutigen Anweisungen über alle Einzelheiten der Arbeit und die eingehende Anleitung der Leute durch die Ausführungsmeister ermöglichen dieses selbst bei der vielgestaltigen Arbeit der Maschinenfabriken.“ (TAYLOR 1919, S. 51)
Mariana Mayer, aufgrund von zahlreichen Mobbingattacken als damals alleinerziehende Mutter in der Industrie beschäftigt über eine kleine Werkvertrags- und (verdeckt arbeitende) Zeitarbeitsfirma, welche tätig ist bei Alcatel, Daimler, EADS, Bombardier, arbeitslos.