Bespitzelte Lidl-Mitarbeiter mit schlechtem Benehmen

„Frau T. kassiert einen Kunden ab und bekommt dabei einen Niesanfall, aber anstatt sich kurz zur Seite zu drehen und die Hand davor zu nehmen oder gar ein Taschentuch zum Schutz, scannt und niest sie immer weiter schön auf die Produkte des Kunden, die sie über den Scanner zieht“. Oder: „Die Kräfte Frau E. und Frau F. unterhalten sich, auch vor Kunden, auf polnisch miteinander.“ Oder auch nur dies: „Die Heizung auf der Herrentoilette funktioniert nicht.“ So oder so ähnlich lesen sich die Erkenntnisse der Privatdetektive bei „Stern online“, die der Discounter Lidl von Privatdetektiven über seine Mitarbeiter geliefert bekam. Vermutlich für stattliche Honorare. Mit denen ist nun Schluss. Als erste Reaktion auf die Enttarnung der heimlichen Überwachung seiner Mitarbeiter durch zwei Detekteien kündigte Lidl jetzt den Mini-Sherlock-Holmes. Das jedenfalls brachte ein Geschäftsführer eben in den TV-Nachrichten zur Rechtfertigung der fragwürdigen Methoden vor.
Dabei, so frage ich mich: Was machen zum Beispiel Mystery Shopper so anders als diese Herrschaften, die nun die Titel-Geschichte des „Stern“ hergeben? Und die Arbeit der Mystery Shopper – der Testkäufer – ist eine sonst vielgelobte Maßnahme zur Kundenorientierung. Eine Maßnahme gegen die Servicewüste Deutschland. Viele namhafte Unternehmen beschäftigen Mystery Shopper, die Optik-Kette Fielmann hat sogar eigene auf ihrer Gehaltsliste, erzählen Insider.
Damit Sie mich nicht missverstehen: Keine Frage, das heimliche Belauschen und Bespitzeln von Mitarbeitern ist nicht zu goutieren. Ebenso wenig wie das, was andere Arbeitgeber schon verbrochen haben: zum Beispiel die Mitarbeiter heimlich auf der Toilette zu filmen. Dass das heimliche Ausspähen der eigenen Leute nichts mit der modernen Unternehmensführung, wie sie Reinhard Sprenger befürwortet – über Vetrauen -, ist evident. Verteidigen will ich die Lidl-Methoden nicht. Wenn die Häufigkeit der Toilettenbesuche gemessen wird oder absolut Privates heimlich ausgespäht wird, wie es im Fall Lidl wohl geschah, so dürfte das kaum rechtmäßig sein. Der entsprechende Imageschaden wird nicht ausbleiben. Eine Zeitungs-Homepage lässt bereits ihre Leser abstimmen, ob sie nun Lidl boykottieren werden.
Wenn Lidl nun ausgerechnet Detektive beauftragt, um solche Einblicke in ihre Geschäfte oder besser den Alltag in ihren Läden zu bekommen – ganz schön aufwendig.
Doch wenn ich diese Sätze, die „Stern online“ eine Klick-Galerie wert sind, lese, tut mir außer den so ausspionierten Mitarbeitern noch jemand ganz anderes schrecklich leid: die Kunden. Zumindest diese drei obigen Situationen, die Lidl-Kunden zugemutet bekommen, sind nicht gerade gutes Benehmen. Zumindest die ersten zwei Beispiele sind richtig schlechter Benimm. Ich als Kunde wäre nicht scharf darauf.
Man darf gespannt sein, wie die PR-Strategie von Lidl jetzt aussieht. Ein sehr geschickter PR-Stratege könnte darauf verfallen, die Detektive als Mystery Shopper hinzustellen. Statt sie zu feuern und zu versuchen, denen den Schwarzen Peter zuzuschieben. Kann ja auch kaum, denn irgendwer hat die Detektive ja auch beauftragt.
http://www.stern.de/politik/deutschland/:Lidl-Skandal-Entsetzen-%FCber-Lidls-Stasi-Methoden/614776.html?eid=614772&cp=16

http://www.handelsblatt.com/News/Unternehmen/Handel-Dienstleistungen/_pv/_p/200040/_t/ft/_b/1408480/default.aspx/bespitzelungs-vorwuerfe-gegen-lidl.html

Ein Kommentar zu „Bespitzelte Lidl-Mitarbeiter mit schlechtem Benehmen“

  1. Das was bei Lidl passiert ist normaler Unternehmensalltag.

    Schon vor Jahren sind die Leute überwacht worden, jetzt kommen nur die neuen medialen Techniken zum Einsatz.

    Schön anzusehen im TV ist immer die gespielte Nichtwissenschaft der Geschäftsführer.

    Es gibt jedoch viel effektivere methoden Menschen zu überwachen.

    Modernste Techniken im Sicherheitsbereich: Hyphnose und Exorzismus, fremde Stimmenbildung.

    Spuren verwischen usw. gehört zur Grundausbildung der Sicherheitsleute.
    Das die Detektive ausgesagt haben, ist wichtig für alle Bereiche. Schließlich wollen alle wissen, wie sie überwacht werden und ob sie damit einverstanden sind. Insbesondere beim Exorzimus möchte ich gerne über mögliche Folgen aufgeklärt werden.
    Kennt sich jemand damit aus?

    Mariana Mayer

    Die Frage: ist das strafbar, ist das erlaubt rechtens? wird erst garnicht gestellt, weil dies Thema in der Gesellschaft nicht diskutiert wird.
    Ich forsche immer noch daran, ob der Exorzist der Täter ist. Hierfür wäre eine Aussage von Anselm Grün hilfreich.

Die Kommentare sind geschlossen.