Nun hat sich Verdi-Chef Frank Bsirske entschuldigt, doch ob ihm das noch hilft? Der „Bild“ – nicht grade das Zentralorgan der Wirtschaft – hat der Urlauber aus der Südsee nun gesagt: Er habe die Brisanz, die der Flug in der öffentlichen Wahrnehmung ausgelöst habe, unterschätzt. Und dass das falsch war. Und als tätige Reue habe er zudem das Büro des Aufsichtsrats angewiesen, ihm die Flugkosten in Rechnung zu stellen.
Ob das aber genügt, um die Wogen zu glätten, darf bezweifelt werden. Hatte sich nicht auch Bundesbankchef Ernst Welteke vor gut vier Jahren bereit erklärt, nachträglich die Hotelkosten über Silvester für sich und seine Familie noch aus eigener Tasche zu begleichen? Dem hat es auch nichts mehr genutzt.
Sicher liegt Bsirskes Fall anders, womöglich war die ganze Aktion auch völlig legal, aber das Dilemma an solchen Skandalen ist: Die Öffentlichkeit ist einmal auf den Plan gerufen, die Sau wird ein paar Tage durchs Presse-Dorf getrieben und am Ende des Tages interessiert sich niemand mehr dafür, wie schwer die Schuld tatsächlich wiegt. Oder ob es rechtlich alles völlig unangreifbar war und lediglich moralisch bedenklich. Die Entschuldigung geht unter im Getümmel der Attacken und Rücktrittsforderungen.
Mich wundert nur, warum Bsirske sich jetzt ausgerechnet mit den Lufthansa-Aufsichtsräten vergleicht, die nicht auf der Arbeitnehmerbank sitzen: Und dass er bedauert, „dass es eben nicht dasselbe sei, wenn zwei das Gleiche tun.“ Und dass denen doch auch das Kontingent an Freiflügen zusteht. Und spätestens in diesem Moment erweckt er selbst den Eindruck, dass er nichts draus gelernt hat. Immer noch nicht.
Berät ihn denn gar keiner in Sachen PR?
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/870/29841/
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,569688,00.html
Der Freiflug für Herrn Bsirske ist aus rechtlicher Sicht – die moralische Seite ist eine ganz andere Frage – wohl völlig in Ordnung. Eine Vergütung und sonstige Leistungen dürfen Aufsichtsratsmitglieder ausschließlich auf Basis der Satzung der Aktiengesellschaft erhalten. Insbesondere darf der Vorstand ihnen keine zusätzlichen Leistungen zahlen, auch keine Freiflüge. In der Satzung der Lufthansa AG findet sich jedoch eine ausdrückliche Regelung, mit der die Aktionäre den Aufsichtsratsmitgliedern das Recht geben, unter bestimmten Bedingungen Freiflüge in Anspruch zu nehmen.
Der „Fall Bsirske“ zeigt jedoch wieder einmal einen Webfehler der deutschen Mitbestimmung. Dabei geht es nicht um die Mitbestimmung insgesamt oder deren Berechtigung. Das Problem ist vielmehr, dass externe Gewerkschaftsvertreter Mitglieder in Aufsichtsräten sein dürfen. Dass externe Gewerkschaftsvertreter andere Interessen als das Unternehmen verfolgen können, ist offensichtlich. Besonders brisant ist es, wenn Gewerkschaftsführer Mitglied eines Aufsichtsrats sind, die die Belegschaft zum Streik gegen das Unternehmen aufrufen. Das ist ein unhaltbarer Zustand und gehört abgeschafft. Darüber dürfen auch Ablenkungsmanöver der Gewerkschaften nicht hinwegtäuschen, wenn sie denen, die den Rücktritt von Herrn Bsirske verlangen, eine mitbestimmungsfeindliche Auffassung unterstellen. Es geht nicht um die Abschaffung der Mitbestimmung, sondern ausschließlich um die Beseitigung offensichtlicher Missstände.
@ Dr.Jobst-Hubertus Bauer
Der „Webfehler“ beginnt und endet nicht bei unsrem deutschen Mitbestimmungsgesetz, denn eine Masche aus diesem Webfehler ist noch weitergelaufen. Es sind die Flächentarifverträge für unvergleichbare Hersteller und Betriebsgrößen die man, der Einfachheit halber, in einer Branche zusammengefasst hat.
Der „unhaltbare Zustand“ wäre intern, mit einem hier besser informierten Betriebsrat und nicht ferngesteuert, mit Hilfe des DGBs, zu beseitigen, wenn Einsicht einkehrt bevor noch für uns alle die härtere Zeiten kommen.
Hallo @websimultan
Die härteren zeiten sind für viele schon immer Realität gewesen. Die anderen haben es nur nie bemerkt aus ihrer eigenen relativ guten Sicht heraus.
So bin ich z.b. ein Fall, der aus einem Soziahilfehaushalt stammt und sich über Jahre hinweg ausgebildet hat um eben ein eigenverantwortliches Leben, wie es heute bennant wird, führen zu können. Genau das soll ja laut Regierungsaussagen endlich behoben werden.
Und was ist die Realtität: Die Menschen erhalten nie eine Chance. Sie können machen was sie wollen, noch so gute Arbeit leisten, es endet immer wieder auf der Strasse.
Die Jugend und Kreativität und Arbeitsleistung nehmen alle gerne in Anspruch, zurück kommt was ?
Gerade wird über die Diktatur in China geredet in der keine Kritik erwünscht ist, zwecks Internet und Arbeitsleben und was passiert schon immer in Deutschland?
Fast mein ganzes Leben lang wurde ich sprachlich unterdrückt oder niedergemacht oder als minderwertig abgetan. Ein wenig Sprache habe ich mir selber angeeignet, bin aber eher ein Schriftlicher Mensch geblieben.
Selbst dieses Recht ist nun bald zu Ende.
Anonymisierte Nummern von Menschen ist das Ergebnis. Durch die Anonymisiererei haben wir unsere Identität und Meinungsfreiheit aufgegeben. Wir sind zwar anonym nicht angreifbar, jedoch müssen oder sollen unsere Identität verleugnen oder werden zur Strafe gezwungen.
Ich unterschreibe heute mit Galileo,
Die Welt ist rund.
Mariana Mayer
Gruß an Marina Mayer,
Galilei Galileo hat Leidensfähigkeit unter Beweis stellen müssen aufgrund seiner Erkenntnisse, die er hartnäckig und überzeugt beibehalten hat. Wer das Richtige erkennt wird immer die Erfahrung machen, dass nicht gleich alle zu überzeugen sind. Naturwissenschaften haben es einfacher, da sie nachdrücklich wird durch Mathematik. Aber auch dann werden nicht alle folgen wollen oder können.
Wenn dieser Fachbereich schon seine Schwierigkeiten hat, wie viel mehr (naturgemäß) erst, der dargelegte zwischenmenschliche und soziale Bereich. Nicht nur eine andere Meinung des Einzelnen wird gegenübergestellt, sondern oft sind es viele verschiedene. Und statt Mathematik – als Hilfswissenschaft – mit Idiologie als Kontrapunkt.
Im Einzelfalle (jeder Mensch in seiner Vita ist Einzelfall), wird Lebensrealität anders sein. Warum und weshalb es so sich zeigt, haben Sie geschildert. Es berührt sehr die Gerechtigkeitsfrage und tieferliegend, eine theolgische: nach der Theodize. Antworten kann man (nur) banal, als Plattitüde… „Jeder ist seines Glückes Schmied… leider ist das (auch) so… Selbstmitleid allein, hilft jedoch nicht weiter.
@Websimultan
Antworten kann man (nur) banal, als Plattitüde… „Jeder ist seines Glückes Schmied… leider ist das (auch) so… Selbstmitleid allein, hilft jedoch nicht weiter.
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Sagen Sie das auch den kindersoldaten aus Afrika?
Die sind wohl auch Ihres Glückes Schmiedes.
Gehen Sie mal zum Psychologen: wissen Sie was die dort tuen: Die erzählen eine bestimmt Geschichte:
Im kazett früher, hat mal irgendjemand unbeschadet das KZ überlebt. Alleine durch seine gesunde Einstellung war das möglich.
Fazit: Also, geht doch. Der eine hat das doch auch geschafft.
oder : Machen sie eine Verhaltenstherapie…
Fazit: Überleben im KZ. Das Problem löst sich durch eine Verhaltenstherapie für die Betroffenen.
Die hätten halt anders reagieren müssen…
Die positive Grundeinstellung hat gefehlt.
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Ich beschreibe hier an dieser Stelle wie mit anonymen Gewaltopfern umgegangen wird. Sie werden oft nicht ernst genommen. Im Gegenteil.
Mariana Mayer