Auf Unternehmen kommen härtere Zeiten zu – was die Gefügigkeit und Willigkeit ihrer Arbeitnehmer angeht.So ergab gerade eine repräsentative Umfrage, dass den Studenten heute das private Glück wichtiger ist als ihre berufliche Karriere (Hochschul- Informationssystems – HIS – in Zusammenarbeit mit dem Magazin „Zeit Campus“). Das bedeutet: Umziehen für den Job? Lieber nicht. Auslandseinsätze für die Firma? Muss nicht sein? Überstunden für die Karriere? Zu unsicher, ob man je den Dank auch erhält – oder der Chef schon weg ist, ehe man den Scheck einlösen kann.
Waren die Ziele im Job noch vor fünf Jahren den jungen Leuten bedeutsam, so spielt heute Familie und Partnerschaft eine wichtigere Rolle.Während damals – also 2003 – 57 Prozent eine leitende Funktion anstrebten, so sind es jetzt nur noch 47 Prozent. 2002 strebten sogar noch 67 Prozent eine leitende Funktion an. „Das Ziel, sich Familie und Partnerschaft zu widmen, erfuhr dagegen einen Zuwachs um fünf Prozentpunkte auf 72 Prozent“, (HIS-Umfrage).
Vermutlich haben die Absolventen bei ihren Eltern miterlebt, wie diese entweder in Vorruhestand oder in die Arbeitslosigkeit geschickt wurden oder genau davor jahrlang zitterten. Oder dass jene nie ihren Einsatz für die Firma wirklich gedankt bekamen. Die Uhr zum Firmenjubiläum ist schließlich längst perdu. Aus einem feierlichen Essen wurde ein Stehempfang. Oder der Personachef bietet in einem Atemzug mit dem Glückwunsch den goldenen Handschlag an, unverhofft.
Kein Wunder, dass Unternehmen heute gerne in Beliebteste-Arbeitgeber-Rankings auftauchen. Oder ganz plötzlich wieder versuchen, ihr angekratztes Arbeitgeber-Image aufzupolieren und sich als attraktives Unternehmen zu positionieren – soweit das möglich ist. Denn wenn sich die Entlasser von gestern als die in der Aufbruchsstimmung für übermorgen darstellen, ist es kaum glaubhaft.
Gelingt ihnen das nicht, gehen ihnen bald nicht nur die Ingenieure aus.
Was ist wichtiger fuer ein Unternehmen?
An erster Stelle steht im Moment das Shareholder Value und die Rendite. Danach kommen die Gehealter fuer die Manager und wenn die Kosten dann noch zu hoch sind, wird erst einmal in den unteren Etagen ausgemistet. Es wird wirklich schwierig fuer Angestelle und Arbeiter sich mit der Firma loyal zu stellen, denn man ist nur noch eine Nummer und schnell im Register geloescht.
Wo bleibt der Manager, der die Firmenprodukte noch kennt und den Arbeitern ab und zu lobend auf die Schultern klopft. Bei Betriebsversammlungen werden nur noch Zahlen vorgetragen und nicht mehr die Interessen der Angestellten. Die Familie ist in einem Unternehmen nichts mehr wert und nur noch der reine Profit zaehlt. Benefits werden gestrichen, damit die Managergehaelter erhoeht werden koennen. Falls Manager die gewuenschten Zahlen nicht erreichen, werden auch sie ausgetauscht, denn ein Mensch zaehlt nicht mehr.
Es handelt sich um einen modernen Sklavenhandel.
Zum Glueck gibt es aber noch gesunde Familienunternehmen, bei denen noch Wert auf Name oder Produkte gelegt wird. Auch dort muss auf Kosten geachtet werden, denn die globalisierte Konkurenz ist gross, aber es gibt noch persoenliche Verhaeltnisse zum Chef.
Es gibt viel zu tun, Angestellte wieder persoenlicher an das Unternehmen zu binden und nicht die Shareholder. Ohne Geld laeuft ein Unternehmen zwar nicht, aber ohne Arbeiter erst recht nicht.
Ich arbeite seit 20 Jahren ueberwiegend im Ausland und auch dort laesst der Bezug zur Firma nach. Es ist moralisch einfacher das Unternehmen zu wechseln, als zuvor.
Interesssante Ergebnisse.
Peters Kommentar kann ich nur bestätigen. Zumindest in London ist diese Mentalität auch Gang und Gebe – mit dem Unterschied, dass man dort tatsächlich einfach den Job wechseln und sich was neues suchen kann, Arbeitnehmer haben hier mehr Macht als in Deutschland. Zumindest soweit ich das anhand von Berichten von meinen deutschen Freunden und dem Verfolgen der Presse nachvollziehen kann. Auf der anderen Seite gehören aus meiner Sicht immer zwei dazu: einer der macht und einer der das mit sich machen lässt. Insofern finde ich es gut, wenn Leute wieder den Mut finden, eigene Prioritäten zu setzen und nicht die Arbeit vor alles zustellen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, es dankt einem wirklich keiner. Momentan arbeite ich in Schweden, und hier ist es mehr so, dass Familie und ein ausgewogenes Leben wichtig sind. Identifikation mit der Firma ist ebenfalls da. Und ich kann nicht sagen, dass die Leute hier unproduktiver sind. Überstunden führen schliesslich nicht zwingend dazu, dass Menschen motivierter und produktiver arbeiten, wie ja auch einige Studien bestätigen können.
Warum wird „den Jungen der Job immer unwichtiger“ ?
Weil sich die Betriebsstrukturen verändert haben und menschliche Wärme in unsren Unternehmen nicht mehr vor kommt:
Leistung wird von (weniger) Qualifizierten eingefordert, muss jederzeit abrufbar sein. Arbeitsteilige Arbeit ist zwar effizienter, aber hat gleichzeitig ihre Produktferne. Als Folge: Firma und Mitarbeiter haben keine Beziehung zeinander, eine Identifizierung mit dem) Betrieb unterbleibt.
„Auf Unternehmen kommen härtere Zeiten zu – was (auch) die Gefügigkeit und Willigkeit ihrer Arbeitnehmer angeht“ – der in erster Linie durch den internatinalen Wettbewerb verursacht wird:
Shareholder Value und Rendite sind der Lohn für beide gleichwertigen Teile: Arbeit und Kapital. Wenn es nicht so wäre kann Wirtschaft nicht zustande kommen. Aber nicht nur die Betriebstrukturen haben sich verändert sondern auch ihre Mitarbeiter. Beileibe nicht soll hier generalisiert werden. Eine Generation, ohne Krieg und Mangel aufgewachsen, ist gegenüber der Elterngeneration nicht in gleicher Weise mehr belastbar. Eine 48Stundenwoche ist nur von Hörensagen noch bekannt. Überstunden nicht eingerechnet (Wiederaufbau benötigt länger Zeit als Zerstörung). Jugendwahn, in den ’60 Jahren beginnend, hatte Ansprüche eröffnet die später nicht mehr zu halten waren…
Das größte Problem in unserer Industrie ist, dass primär „Wachstumszahlen“ ausschlaggebend sind. Sogenannte Jungmanager, die sich profilieren wollen, drücken als erstes Zahlungen/Zuwendungen an in der Hackordnung niedrig Stehende. Das betrifft vor allem externe Zulieferer. Und das alles mit einer im Studium erworbenen Rechtfertigung, die mehr Anfangsgehalt und eine höhere Einstellungsposition einbringt, ohne von betrieblicher oder gar humaner Kompetenz nur den Schimmer einer Ahnung zu haben. Bis vor einigen Jahren war es möglich, mit den Grundlagen der Betriebswirtschaft zwar langsam, trotzdem aber stetig aufzusteigen. Zu den Grundmauern der deutschen Industrie gehörten auch ethische Grundregeln, die anscheinend keiner mehr kennt, u.a. auch, dass Einsteiger (sog. Jung-Manager) Beziehungen zu ihrem Job und ihren Mitarbeitern aufbauen und die ersten 5 Jahre ohne Gewinnbeteiligung bezahlt werden. Würde dieser Codex eingehalten, wäre dieser Sprungbrett-Profilierungsmentalität wenigstens teilweise ein Riegel vorgeschoben. Anfangsgehälter sollten dazu generell gleich sein, unabhängig ob promoviert oder nicht. Was sollen denn Diskussionen um ein 13. Schuljahr, wenn bei vielen Absolventen 3 Doktorantenjahre an das eigentliche Studium angehängt werden, um eine höher/besser dotierte Einstiegsstellung zu bekommen. Ich kenne noch Führungskräfte, die kompetent ihre Abteilungen bzw. Betriebe ohne Promotion geführt haben. Wie ging das denn?. Führungskräfte müssten generell nach den Richtlinien einer Offiziersausbildung einsteigen, d.h. klein anfangen, alle Stationen durchlaufen und erst dann zu Entscheidungsträgern werden. Das betrifft vor allem den betriebswirtschaftlichen Bereich. Produkte bestehen nicht nur aus Zahlen, sie haben auch eine emotionale Komponente. Die Werbung nutzt das gekonnt – sogar Manager fallen darauf herein. Oder gerade sie?