Kein prima Klima, doch Arbeit an sich macht Spaß

Da kommen an einem Tag zwei Meldungen, die – nur – auf den ersten Blick ziemlich widersprüchlich sind: Da verkündet das IW über die Arbeitswelt, dass die meisten ihren Job mögen: 37 000 Arbeitnehmer seien befragt worden und zwei Drittel geben danach ihrer Arbeit die Note „sehr gut“. Prima, ähnlich hohes und geradezu überschwängliches Lob der Loyalität der deutschen Mitarbeiter hörte man neulich korrespondierend aus dem Munde von Hubert Burda im TV-Talk an einem Sonntagabend. Kein Wunder, dass gerade er diese Erkenntnis hat – er ist ein Familienunternehmer und in inhabergeführten Betrieben ist das gegenseitige Geben und Nehmen gerade heute anders ausgeprägt als in Konzernen.
Die andere Meldung – sie kommt vom Online-Stellenportal Stepstone, das in Deutschland rund 6200 Fach und Führungskräfte zum Arbeitsklima befragte: Nur 19 Prozent der befragten nehmen ein gutes Arbeitsklima wahr, das sich positiv af ihre Motivation auswirkt. 42 Prozent beklagen eine enttäuschende Arbeitsatmosphäre in ihrem Unternehmen und 39 Prozent sind nur im Großen und Ganzen zufrieden – erleben aber auch durchaus schlechte Tage. Bemerkenswert: Nur die Italiener haben im internationalen vergleich der Stepstone-Umfrage noch eine miesere Arbeitsatmosphäre, die beste haben dagegen die Norweger. Da berichten 35 Prozent von einem täglich motivierenden Arbeitsklima in ihrer Firma.
Doch schaut man genauer hin, sind die zwei Untersuchungen gar nicht so verschieden, im Gegenteil. Auch bei der IW-Meldung heißt es plötzlich: „An einigen Ecken und Enden klemmt es in den Unternehmen gleichwohl. Der faire Umgang miteinander und die Kommunikation untereinander sind verbesserungswürdig.“ Und auch die nächsthöheren Hierarchieebenen werden attackiert: „Eine Mehrheit der Befragten möchte, dass sich ihr Chef mehr um sie kümmert und sie vor Entscheidungen gefragt werden.“ Und dass für 23 Prozent die Zufriedenheit mit der Arbeit in den vergangenen drei Jahren abgenommen hat.
Und so wird ein Schuh draus: Die Deutschen lieben offenbar ihre Arbeit durchaus, nur die Begleitumstände, die machen zu schaffen. Viel lieber würden sie in Ruhe und Frieden arbeiten – und sich auf das Wesentliche konzentrieren können: auf die Arbeit.
Von einem Hausgeräte-Monteur hörte ich es kürzlich so ausgedrückt: „Meine Arbeit macht mir Spaß, die ist die beste der Welt und ich würde sie für keinen anderen job hergeben wollen.“ Und dann hätten Sie mal hören müssen wie er sich beklagte: Über unsinnige Managemententscheidungen bezüglich der Auswahl der Dienstwagen und der vorgegebenen Umsatzzahlen seines Profitcenters, die der Chef mal eben verdoppelt hatte – bei einem Reparaturdienst. Da wurde ich schon hellhörig – die Rechnung später sah entsprechend aus. Auch verdoppelt zu sonst.
http://stepstone.de/ueberuns/default.cfm?link=companyrecommendation
http://www.iwkoeln.de/tabID/2288/ItemID/22435/Default.aspx

Ein Kommentar zu „Kein prima Klima, doch Arbeit an sich macht Spaß“

  1. Die Inventur in Sachen Arbeitsklima mag richtig und sogar vollständig sein. Vergleiche des Arbeitsklimas mit verschiedenen Branchen und Arbeitsklima im Betrieb und mit einer Verwaltung, sind im Ergebnis unvergleichbar.
    Warum wurden Freiberufler nicht beurteilt, auch sie arbeiten ja meist in Gemeinschaft?
    Dass das Betriebsklima einer Privatfirma angenehmer und freundlicher sein „kann“ ist bekannt, nur leider sieht es bei der dritten Generation schon nicht mehr so gut aus.

    Die Betriebsstruktur und mit ihr das Arbeitsklima wurden durch ihre Mitarbeiter selbst aber auch negativ verändert. Längere Arbeitsunterbrechungen durch kürzere Arbeits- und längere Urlaubszeiten bereiten jeder Arbeitsaufnahme eine gewisse Aversion. Was psycholigisch verstärkt wird, wenn Arbeit der Anreiz und eine Befriedigung fehlen; sie als Zwang empfunden wird; eine gefühlte ungerechte Behandlungen mit im Spiele sind.

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