Der zur Familie steht

„Ich telefoniere mindestens 20-mal am Tag mit meiner Familie“, erzählt Paolo Pininfarina, der neue Chef der gleichnamigen italienischen Autoschmiede. Freimütig wie liebenswert.Der Mann ist Vater von fünf Töchtern und 49 Jahre alt. Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass es gerade einer wie er sich zum Familienmenschen bekennt – der a) an der Spitze steht und b) das auch noch im – eigenen – Familienunternehmen. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/koepfe/ein-kreativer-kopf-fuer-pininfarina;2022189. Ob ein gedungener Manager dasselbe und ebenso offen sagen würde? Vermutlich leider nicht.
Sorgen um die verlorene Arbeitszeit braucht man sich bei ihm wie bei anderen Führungskräften dabei sicher nicht machen. Und respektieren wird man ihn bestimmt auch nicht weniger. Vielleicht macht Pininfarinas Beispiel ja Schule. Dass Menschen alleine als Unternehmenssklaven ohne eigenen Hintergrund eingeordnet werden – selbst und grade auf oberster Hierarchiestufe – kann nicht sein. Auch wenn die Unternehmenslenker gerne immer so tun, wenn sie etwa lautstark die angeblich mangelnde Flexibilität ihrer Mitarbeiter beklagen. Wenn diese nicht mal so eben morgen nach China umziehen und ein halbes Jahr später sonst wohin wollen und können.
Deutsche Frauen, die von ihren Kindern nach Schulschluss ab und an mal angerufen werden, brauchen sich jedenfalls nicht wundern, wenn sie das von Ihrem Chef als Vorwurf zuhören bekommen. Egal wie viele Überstunden sie umsonst schieben, das zählt in dem Moment im Arbeits-Weltbild nicht. Das gibt ein dickes Malus im Karriere-Buch.
Auch der „Frankfurter Rundschau“ ist heute ein derartiges Bekenntnis zur Familie – diesmal von einem 45-jährigen Schauspieler – Thomas Kretschmann, der in „Der Pianist“ mitspielte – eine eigene Meldung wert. Wäre es normal, müsste man es ja auch nicht vermelden: Seine drei Kinder seien für ihn das Wichtigste. Und wenn in seinem Beruf, beim Film, mal was schief gehen würde, würde ihn das ärgern – aber die Nummer eins in seinem Leben seien eben seine Kinder. Und er schiebt hinterher: Mit seiner Frau sei er schon zwölf Jahre zusammen – in Hollywood die absolute Ausnahme. Und bei der Gelegenheit wurde er auch deutlich: Viele seiner Kollegen hielte er demgegenüber nur für egoistisch und ruhmsüchtig. Die Karriere gehe denen über alles.
Und wie schnell die beendet sein kann, das beweist der Blick auf die alljährliche Untersuchung von der Unternehmensberatung Booz Allen & Hamilton: Danach wird die Verweildauer in ihrem Job bei Vorständen immer kürzer – und ist hier zu Lande mittlerweile kürzer als in den USA. Allen Vorurteilen zum Trotz.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/strategie/die-halbwertzeit-der-bosse-sinkt;1326176