Können Sie sich vorstellen, dass eine ernst zu nehmende Managerin oder Unternehmerin mit ein hellroten bis rosafarbenen „Lady Cheftimer 2009“ – eine Kalender im DinA5-Format unterm Arm in einem Meeting aufkreuzt? Oder bei Kunden oder Geschäftspartnern? Die Metro kann das. Sie bietet solch ein Exemplar an. Nämlich in ihrem „Office Spezial“ Prospekt (gültig vom 4.9. bis 1.10.08) für 2,31 Euro? Ausdrücklich als „Lady Cheftimer“. Was dieses Produkt zu so einem macht, das speziell für Frauen geeignet ist, erklärt der Prospekt leider nicht. Ob ein Spiegel drinklebt, ein Lippenstifthalter oder sonst eine Zugabe, die der Hersteller nur Frauen zudenkt, darüber lässt sich nur spekulieren. Ich kann mir da nichts vorstellen, was so ein Kalender mir bieten könnte, was für Männer nicht auch nützlich wäre.Doch fest steht eins: So wird das nichts mit der Antidiskriminierung und dem Ziel – oder einem der Ziele – des AGG-Gesetzes, dass Frauen nicht mehr diskriminiert werden sollen. Wenn man die Gleichbehandlung erreichen will, sind Sonder-Produkte für diejenigen, die eben nicht diskriminiert werden sollen, kontraproduktiv. Und das bekommen nicht nur diejenigen mit, die mit der Nase drauf gestoßen werden, dass dieses Produkt nichts für sie ist, sondern auch die vermeintliche Zielgruppe. Auch bisher Diskriminierte möchte keine separaten Produkte, sondern einfach nur dieselben.
Ganz abgesehen davon: Können Sie sich im Metro-Prospekt (oder meinetwegen dem irgendeines Kaufhauses) einen Chef-Kalender für Menschen der Und-das-ist-auch-gut-so-Fraktion vorstellen? Oder für Ü50-Kandidaten?
Übrigens: Es gab vor sieben Jahren auch schon mal ein Frauenhandy, bei dem die Damen ihre Regeltermine eintragen können sollten. Das floppte.
Warum ist die Frage offen, ist der Metro-Lady-Cheftimer-2009-Einfall männlich oder weiblich? Wer hat – die Ironie des Schicksals – oder Schicksalsmelodie gespielt: Eine oder Einer? Ist alles nur Zufall, ein Hang zur Hinterhältigkeit erkennbar? Wer oder was hat sich hier verselbständigt ?