Wenn ein Unternehmen solche Mitarbeiter hat, braucht keine Feinde mehr: Überkorrekte Mitarbeiter. Da hat ein Fahrgast der Bahn eine Monatskarte gekauft, also seinen Teil des Beförderungsvertrags erfüllt – eigentlich – und diesen Ausweis dummerweise zu Hause vergessen. Er hat also nichts erschlichen, sondern lediglich den Beweis nicht parat. Im konkreten Fall handelte es sich um ein 12-jähriges Mädchen mit einem Cello auf dem Rücken, das abends bei Rostock einer Zugbegleiterin der Bahn ohne den Beweis seiner Vertragserfüllung angetroffen wurde. Dass andere Fahrgäste den Fahrpreis für das Kind bezahlen wollten, liess die Zugbegleiterin nicht zu. Stattdessen warf sie das Kind aus dem Zug und liess es – nachts und mit schwerem Gepäck ganz allein – fünf Kilometer zu Fuß nach Hause laufen. Nachzulesen heute in der „Ostseezeitung“. Die Zugbegleiterin kann von Glück reden, dass dem Mädchen offenbar weiter nichts zugestossen war. Wer in der Düsseldorfer Rheinbahn versucht, zwischen den Haltestellen auszusteigen, wenn es schon minutenlang nicht wietergeht und die Haltestelle nur noch 50 Meter entfernt ist, den wird der Rheinbahnschaffner mit Gewalt daran hindern. Weil er verantwortlich sei für Wohl und Wehe der Fahrgäste und jene schliesslich beim Aussteigen überfahren werden könnten. Die Zugbegleiterin bei Rostock plagten solche Ängste wohl nicht. Genau der Fall stand wohl nicht in ihrer Dienstanweisung. Dass Kinder gefährdeter sein könnten, zumal 12-jährige Mädchen und nachts alleine, papperlapapp. Schweres Gepäck. Egal. Dass Mitreisende die Fahrtkosten in zweites Mal zu zahlen bereit waren, ihre Firma – die Bahn – doppelt hätte kassieren können und vor allen Dingen dieser Imageschaden erspart geblieben wäre, kümmerte die Mitarbeiterin ebenso wenig. Nach ihr die Sintflut.
Über die Motive dieser Mitarbeiterin lässt sich nur spekulieren. Fest steht jedenfalls, dass die Loyalität zu einem Arbeitgeber schon gar nicht mehr vorhanden sein muss, wenn Mitarbeiter dieses Verhalten an den Tag legen.
Dieser Fall ist – so steht es zu befürchten – eher exemplarisch für Massen anderer Arbeitnehmer. Die Loyalität zum Arbeitgeber der deutschen Mitarbeiter ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Von Kündigungswelle zu Kündigungswelle mehr. Mit allen den Chefs, die sie kommen und gehen sehen ein bisschen mehr.
Und dann wundern sich eines Tages die gerade amtierenden Vorgesetzten, warum immer mehr Kunden und Umsatz verloren gegangen sind. Was sie noch gar nicht so richtig kapiert haben ist der wesentlich schwerer wiegende Teil: Die vielen vielen kleinen und großen Geschäfts- und Gewinnchancen, die die Mitarbeiter sehenden Auges vorbeiziehen lassen. Achselzuckend, weil man ihnen die Mit-Verantwortung für und den Stolz auf ihre Company ausgetrieben hat. Womöglich durch Unterlassungssünden, aber die zählen eben leiderleider genauso. Oder einfach, weil sie grundsätzlich nur so handeln, wie es die Vorschrift vorsieht.
Und das klärt auch kein Unternehmensberater auf, der dann von ratlosen Managern ob der sinkenden Umsätze und Gewinne ins Haus geholt wird. Woher soll der wissen, welche Mitarbeiter-Versäumnisse der Vergangenheit – unwissentliche oder gar wissentliche – dafür sorgen, dass heute jemand anderes ein Geschäft macht? Und nicht sein Auftrageber. Es gibt genug Chancen, die kein zweites Mal kommen. Nehmen wir mal an, eine Firma versäumt, sich die Rechte an etwas zu sichern und kann daher später nie mehr eine Lizenz daran verhökern. Oder sie lässt Dinge entsorgen und das kommt die Firma später teuer zu stehen. So eine Liste der teuren Versäumnisse ist unendlich. Der Phantasie ist keine Grenze gesetzt. Und manchmal reicht es schon, wenn Mitarbeiter allzu korrekt handeln wollen. Siehe oben.
http://www.welt.de/vermischtes/article2613678/Ausgesetztes-Maedchen-weinte-und-hatte-Angst.html
Dass Mitarbeiter überkorrekt handeln mag die eine Sache sein, dass sie dafür entgegengesetzt nämlich garnichts „verdienen“ ist eine andere Sache. Die Mitarbeiterin im o.g. Fall war und ist sich wohl noch immer nicht im klaren, dass sie für ihre „Loyalität“ ihrem Arbeitsgeber gegenüber kaum belohnt wird,im Gegenteil aber Zorn auf sich zieht, da ihre Tat weniger als ein Tropfen auf einem heißen Berg war. Auch wenn ich ihre Arbeit nicht minderwertig darstellen möchte, ist doch auffällig, dass es meist Menschen in tieferen Positionen sind,die solche „Heldentaten“ vollbringen und somit ihre eigene Unzufriedenheit im Leben ausdrücken.Schönen Gruß zuletzt noch an alle Politessen!!!!
überkorrekt ist nicht das richtige Wort für offensichtliches Fehlverhalten.
Es gibt sicher oder vermutlich eine Vorschrift bei der Bahn die entsprechendes Thema, „den Umgang mit Kindern“ behandelt.
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die sogenannten Chefs die Zugbegleiter einsparen wollen und somit unfreundliches Verhalten gefördert wird. Die Frage letztendlich bleibt: Wann wird endlich der „elektronische Fahrgast“ eingeführt bei der Bahn. Nach dem Entfernen der Stellwerker , der Lokführer und der Zugbegleiter:
Wozu fahren überhaupt noch „lästige“ lebendige Menschen persönlich mit der Bahn? Viel zu aufwändig. Ein neues Potenzial zum Einsparen von Kosten?
Mariana Mayer
Ist mal wieder typisch: In Österreich sperrt ein Verrückter jahrelang seine Familie im Keller ein und keiner will was gemerkt haben. Aber wehe, ein Mädchen vergisst mal seine Fahrkarte – das entgeht den wachsamen Augen natürlich nicht.
…und schon wieder hat ein DB-Mitarbeiter seine eigentlichen Aufgaben komplett verkannt und ein Kind – dazu ein Mädchen – 42 Kilometer weit von seinem Ziel aus dem Zug geworfen. Sein merkwürdiger Rechtfertigungsversuch: Er könnte für das Kind mit seinem Diensthandy nicht telefonieren. Ich frage mich: Wieso um Himmels willen nicht? Es ging immerhin um einen jugendlichen Fahrgast und dessen Bezahlung der Fahrt – und keineswegs um irgendwetwas Privates.
Und: Wie kann es sein, dass dieser Schaffner nichts mitbekommen hatte von dem Parallelfall, der seinem Arbeitgeber schon so viel negative Presse gebracht hatte.
Und enfin: Wie hartherzig kann man sein, wenn man das Angebot eines fremden Mitreisenden ausschlägt, der den Fahrpeis für das Mädchen bezahlen wollte, das seine bereits bezahlte Karte im Portemonnai zuhause vergessen hatte?
Wer all dies schon nicht versteht und seine – richtigen – Schlüsse draus zieht, dem helfen aber die Fortbildungen, die die Bahn nun angekündigt hat, auch nicht mehr. Gesunden Menschenverstand kann man bei Fortbildungen einfach nicht lernen.
https://www.welt.de/vermischtes/article2693281/Bahn-entschuldigt-sich-fuer-Aussetzen-eines-Kindes.html
Und hier der nächste Fall in der Liste der rauswurf-Fälle von Kindern, die nun endlich Beachtung finden:
https://www.abendblatt.de/daten/2008/11/12/970116.html
Jetzt verständigt die Bahn ihre Schaffner per SMS, dass sie es bitte endlich lassen sollen, Kinder auszusetzen. Und dass sie verantwortlich sind.
Alles Taktik.
Der Hansen ist mitverantwortlich. Ist der nicht Arbeitsdirektor? Ehemals Transnet.
Warum sollen die Schaffner verantwortlich sein. Die müssen entsprechend ausgebildet werden.
Wahrscheinlich will man diese nur loswerden und sucht Kündigungsgründe. Womöglich haben sie gegenteilige Schulungen erhalten: Wer keine Karte hat muss raus.
Im Flugverkehr müssen kinder auch immer noch nicht richtig angeschnallt werden. Das Zeigt deutlich die Praktiken der Verantwortlich auf. Leben ist egal. Züge fahren an die Wand, egal. Menschen werden überfahren, egal.
Hauptsache der Bonus stimmt, nicht egal.
Die Debatten werden wieder auf dem Rücken des kleinen Angestellten geführt. Ansonsten : Entlassen.
Erinnert mich wieder an den Film Schindlers Liste und des dort dargestellten Arbeitsleben.