Wenn das beste – kostenlose – Werbepferd namens Elke Heidenreich perdu geht. Oder: Gehören meinungsfreudige Journalisten so abgestraft?

Die Buchverlage haben ihr bestes – und obendrein ganz kostenloses – Werbe-Pferd im Stall verloren. Und haben prompt ein Gnadengesuch beim ZDF eingereicht. Unterzeichnet von 14 namhaften Verlegern (siehe unten). Weil der TV-Sender soeben seine Moderatorin Elke Heidenreich gefeuert hat. Weil die eigenwillige wie aufrechte Kölnerin öffentlich gegen den Sender gestänkert hatte: „Man schämt sich, in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten. Von mir aus schmeißt mich jetzt raus.“
Sicher, man soll dem eigenen Brötchengeber nicht in den Rücken fallen und schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Aber Mitarbeiter ist nicht gleich Mitarbeiter und Branche nicht gleich Branche. Warum werden Journalisten Journalisten?Weil sie meinungsfreudig sind. Weil sie kritischer sind als andere. Weil sie diese Kritik lauter oder klartextiger formulieren als andere. Weil sie – eigentlich doch glücklicherweise – dabei mutiger sind als andere. Kurz: Sie sind eben meinungsfreudiger, gerne mal starrsinniger – und vor allem plapperiger. Vergaloppieren geht da schnell, schneller als bei einem Sachbearbeiter. Der ist abgesichert mit Dienstanweisungen und Richtlinien und bekommt für seinen Job und fürs Überlegen deutlich mehr Zeit gegeben. Sprich: Spontaneität wird von ihm nicht erwartet.
Ob es dem ZDF als öffentlich-rechtlichem Sender da womöglich gut anstünde, über so eine spontane Unmutsäußerung einer verdienten Journalistin und Autorin einfach mal souverän hinwegzugehen?
Vielleicht. Arbeitgeber ist Arbeitgeber und dem steht absolute Loyalität zu, mögen Sie nun einwenden. Gut schön. Ein gewinnorientiertes Unternehmen ist das ZDF jedenfalls nicht, sondern es hat einen öffentlichen Auftrag. Finanzielle Folgen hat Heidenreichs Äußerung fürs ZDF wohl kaum. Lässt sich da so eine „Beleidigung“ oder Meinungsäußerung eines Journalisten nicht mal aushalten? Auch wenn er auf der eigenen Lohnrolle steht? Schließlich wurde niemand persönlich beleidigt.
Jedenfalls haben die Verleger – und genaugenommen sämtliche Verleger von Unterhaltungsliteratur und die Buchhändler obendrein – jetzt allen Grund, sich auf die Hinterbeine zu stellen. Ihnen ist nur zu klar, wie profitabel Heidenreichs Sendung „Lese!“ für sie und den Absatz ihrer Bücher war. Was nämlich bei Heidenreich am Abend besprochen wurde, das stapelten die Buchhändler am nächsten Vormittag neben der Ladenkasse auf. Bisher.
Nebenbei bemerkt: Von der anderen gefeuerten Moderatorin, Eva Herman, hat man vor kurzem wieder gehört. Und zwar dass sie vor dem Landesarbeitsgericht Hamburg mit ihrer Klage gegen ihre Kündigung recht gute Karten habe, ihren früheren Job beim NDR wieder zu bekommen: www.sueddeutsche.de/kultur/590/312504/text/ : „Es könnte sich bei einer Abwägung mit dem Grundrecht der Meinungsfreiheit herausstellen, dass die Aussagen Hermans für den NDR als Arbeitgeber zumutbar gewesen seien“, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ über den Prozess in zweiter Instanz. Und dass ihr Anwalt dafür kämpft, dass sie tatsächlich ihren Job als Tagesschausprecherin zurück haben wolle – statt einer lapidaren Geldabfindung.

Dies sind die 14 Verleger, die jetzt „das Gnadengesuch“ für Elke Heidenreich beim ZDF für eingereicht haben:
 Georg Reuchlein (Goldmann, btb, Luchterhand)
 Antje Kunstmann (Verlag Antje Kunstmann)
 Jörg Bong (S. Fischer)
 Elisabeth Ruge (Berlin-Verlag)
 Helge Malchow (Kiepenheuer & Witsch)
 Nikolaus Hansen (Arche/Atrium)
 Susanne Schüssler (Wagenbach)
 Wolfgang Hörner (Eichborn Berlin)
 Elisabeth Raabe und Regina Vitali (Arche Kalender Verlag)
 Marcel Hartges (Dumont)
 Joachim Unseld (Frankfurter Verlagsanstalt)
 Wolfgang Ferchl (Piper)
 Sabine Dörlemann (Transit-Buchverlage)
 Klaus Eck (Verlagsgruppe Random House)

www.netzeitung.de/medien/1198978.html

www.ostsee-zeitung.de/ar/mantel_m-v_33343136313836.phtml?SID=579148b92615002b23f3a7803e16d42a

2 Kommentare zu „Wenn das beste – kostenlose – Werbepferd namens Elke Heidenreich perdu geht. Oder: Gehören meinungsfreudige Journalisten so abgestraft?“

  1. Schade, dass man/n die GEZ-Gebühren für die staatlich verordnete Trübsinnsschneise in unser Wohnzimmer nicht gezielt spenden kann. Das ZDF würde von mir nix mehr bekommen. Das ist doch das allerletzte, so mit Frau Heidenreich herumzuspringen. Mein Respekt vor ihr ist durch diese Episode erheblich gewachsen.

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