Wenn faktisch eine 90-prozentige Männerquote regiert – die neuen FidAR-Zahlen sind kein Ruhmesblatt für die Deutschen

 

Männer brauchen sich immer noch nicht ängstigen – ihre Quote gilt auch nach drei Jahren Diskussionen um eine Frauenquote ungebrochen: Trotz aller Anstrengungen der Unternehmen und mühseligen Suchen von Headhuntern sind – immer noch – nur 5,8 Prozent der Vorstände in den börsennotierten Aktiengesellschaften Frauen.

Und diese Zahl war noch vor einem Jahr immerhin ein klitzekleines bisschen höher, zumindest mit einer sechs vor dem Komma – also nicht mal der Trend zeigt heute nach oben. Untersucht hat dies der Verein Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) mit Monika Schulz Strelow an der Spitze.

 

Monika Schulz-Strelow von Fidar

Monika Schulz-Strelow von Fidar

Völlig frauenfreie Zonen bei Sixt, Puma, Hochtief und United Internet

Zwar haben 31 Aktiengesellschaften weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat eine Frau und dazu gehören renommierte Namen wie Sixt, Puma, United Internet, LEG, Hochtief oder Borussia Dortmund. Immerhin waren es vor dreieinhalb Jahren noch 74 Gesellschaften, bei denen die Männer die Macht nicht mit der anderen Hälfte der Bevölkerung teilen mögen.

Auf dem Rückzug ist auch die Zahl der Unternehmen, die Planzahlen für einen Frauenanteil in Aufsichtsrat, die den angestrebten Frauenanteil in Vorstand, Aufsichtsrat oder Führungspositionen veröffentlichen. Waren es zu Jahresbeginn noch 50 Prozent der Unternehmen, die eine abgepeilte Frauenzahl für den Aufsichtsrat preisgaben, so sind es jetzt weniger, nämlich 44 Prozent. Und, was noch viel gravierender ist: nur ein Prozent für den Vorstand, wo es zu Jahresbeginn noch sieben Prozent waren. Für Führungspositionen sind es nur noch 23 Prozent – zu Jahresbeginn waren es noch 29 Prozent.

 

Frau und Ausländerin: Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen

Was auch auffällt: Viele Unternehmen versuchen zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und suchen sich Frauen aus dem Ausland „um sowohl die Geschlechter- als auch die internationale Vielfalt in den Führungsetagen zu erhöhen, und damit den Anforderungen des Deutschen Corporate Governance Kodex mit einer Person zu entsprechen“, resümmiert FidAR. Vermutlich werden sie auch im Ausland eher fündig, da Deutschland im internatonalen Vergleich besonders schlecht abschneidet und zum Beispiel europaweit auf einem der letzten beiden Plätze steht.

 

Faktisch haben wir eine 90-prozentige Männerquote – immer noch

Zu den neuen FidAR-Zahlen bezieht auch Bundesfrauenministerin Manulea Schwesig Stellung: „Wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen, die zeigen, dass es geht. Frauen ganz oben – das muss normal sein. Denn es geht nicht um Einzelfälle, sondern generell um die Gleichstellung von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft. Derzeit besteht faktisch eine 90-prozentige Männerquote in den Führungsetagen der Wirtschaft, der Wissenschaft und zum Teil auch in der Verwaltung.“ Haben die Männer doch auch alles getan, um die Diskussion um die Frauenquote zu vernebeln, um von der gesellschaftlichen Relevanz des Themas abzulenken: So hieß es oft „Was soll die Frauenquote denn den Unternehmen nützen?“ Dabei war das nie die Frage. Deutlich wird´s, wenn Ehen geschieden werden: Solange Männer für ein Scheidungsrecht sind, das ihren Frauen keine umfänglichen Unterhaltsansprüche mehr zugesteht nach einer Scheidung, brauchen sie auch kein Wort gegen die Frauenquote sagen.

 

Nur Gesetze helfen – und gesellschaftlicher Druck

So betont Schwesig „Der neue WoB-Index macht wieder einmal deutlich, dass sich ohne gesellschaftlichen Druck und ohne klare politische Vorgaben wenig ändern wird. Nach 32 Jahren, die über die Quote in der Bundesrepublik gesprochen wird, wird sie nun endlich in ein Gesetz gegossen.“

WOMEN-ON-BOARD-INDEX I
WOMEN-ON-BOARD-INDEX I
Aufsichtsrat und Vorstand (Stand 30.09.2014)
Position Unternehmen Änderung WoB-Index I
1 GfK SE ↗ 45,00%
2 comdirect bank AG ↗ 41,67%
2 QSC AG ↗ 41,67%
4 Telefónica Deutschland Holding AG – 38,10%
5 Deutsche Lufthansa AG ↗ 37,50%
6 Henkel AG & Co. KGaA ↗ 30,21%
7 Münchener Rück AG ↗ 30,00%
8 TAG Immobilien AG ↗ 29,17%
9 Deutsche Telekom AG ↗ 25,83%
10 QIAGEN N.V. ↗ 25,40%
11 Deutz AG ↘ 25,00%
11 Schaltbau Holding AG – 25,00%
13 RTL Group S.A. – 22,22%
14 Allianz SE ↗ 21,21%
15 Deutsche Börse AG ↗ 21,11%
16 KWS SAAT AG ↗ 20,83%
16 MorphoSys AG ↗ 20,83%
18 Fraport AG ↗ 20,00%
19 Daimler AG ↗ 19,64%
19 Siemens AG ↘ 19,64%
21 BASF SE ↗ 18,75%
21 BMW AG ↗ 18,75%
21 Merck KGaA ↗ 18,75%
24 Deutsche Bank AG ↗ 17,50%
24 Deutsche Post AG ↗ 17,50%
24 Evonik Industries AG – 17,50%
27 Aareal Bank AG ↗ 16,67%
27 adidas AG ↗ 16,67%
27 ADVA Optical Networking SE ↗ 16,67%
27 Amadeus Fire AG ↗ 16,67%
27 Bertrandt AG ↗ 16,67%
27 Biotest AG ↘ 16,67%
27 CEWE Stiftung & Co. KGaA ↗ 16,67%
27 Deutsche Beteiligungs AG ↗ 16,67%
27 Deutsche EuroShop AG ↗ 16,67%
27 DIC Asset AG ↗ 16,67%
27 HAMBORNER REIT – 16,67%
27 Hannover Rück SE ↗ 16,67%
27 Kabel Deutschland Holding AG ↗ 16,67%
27 Pfeiffer Vacuum Technology AG ↗ 16,67%
27 Software AG ↗ 16,67%
27 STRATEC Biomedical AG ↗ 16,67%
27 XING AG – 16,67%
44 Continental AG ↗ 15,56%
45 Commerzbank AG ↗ 15,00%
46 HORNBACH-Baumarkt-AG – 14,58%
47 SAF-HOLLAND S.A. ↗ 14,29%
48 TUI AG ↗ 13,33%
49 Bechtle AG ↘ 12,50%
49 Beiersdorf AG ↔ 12,50%
49 C.A.T. Oil AG ↔ 12,50%
49 Celesio AG ↗ 12,50%
49 Delticom AG ↗ 12,50%
49 ElringKlinger AG ↗ 12,50%
49 Fielmann AG ↔ 12,50%
49 freenet AG ↗ 12,50%
49 Gerresheimer AG ↗ 12,50%
49 Jenoptik AG ↗ 12,50%
49 Sartorius AG – 12,50%
49 SGL CARBON SE ↗ 12,50%
49 SMA Solar Technology AG ↗ 12,50%
49 Symrise AG ↗ 12,50%
49 Talanx AG – 12,50%
49 Zooplus AG – 12,50%
65 Axel Springer SE ↔ 11,11%
65 Deutsche Annington Immobilien SE – 11,11%
65 ProSiebenSat.1 Media AG ↗ 11,11%
65 SAP SE ↘ 11,11%
65 Sky Deutschland AG ↔ 11,11%
70 METRO AG ↗ 10,53%
71 BAYER AG ↗ 10,00%
71 CANCOM SE – 10,00%
71 Carl Zeiss Meditec AG ↗ 10,00%
71 GRENKELEASING AG ↗ 10,00%
71 RHÖN-KLINIKUM AG ↘ 10,00%
71 Südzucker AG ↗ 10,00%
77 AIXTRON SE ↗ 8,33%
77 Alstria office REIT-AG ↗ 8,33%
77 Aurubis AG ↗ 8,33%
77 BAUER AG ↗ 8,33%
77 Brenntag AG ↔ 8,33%
77 CompuGroup Medical AG – 8,33%
77 Drillisch AG ↗ 8,33%
77 E.ON SE ↘ 8,33%
77 EVOTEC AG ↘ 8,33%
77 FUCHS PETROLUB SE ↗ 8,33%
77 GEA Group AG ↗ 8,33%
77 Gerry Weber International AG ↘ 8,33%
77 Grammer AG ↗ 8,33%
77 Hamburger Hafen und Logistik AG ↗ 8,33%
77 HeidelbergCement AG ↗ 8,33%
77 Heidelberger Druckmaschinen AG ↗ 8,33%
77 HORNBACH HOLDING AG ↗ 8,33%
77 Indus Holding AG ↗ 8,33%
77 Infineon Technologies AG ↔ 8,33%
77 Jungheinrich AG ↗ 8,33%
77 Klöckner & Co SE ↗ 8,33%
77 Krones AG ↗ 8,33%
77 LANXESS AG ↗ 8,33%
77 Leoni AG ↗ 8,33%
77 Linde AG ↗ 8,33%
77 MTU Aero Engines AG ↗ 8,33%
77 Nordex SE ↗ 8,33%
77 Norma Group SE – 8,33%
77 OSRAM Licht AG – 8,33%
77 RIB Software AG – 8,33%
77 SHW AG – 8,33%
77 Vossloh AG ↗ 8,33%
77 WINCOR NIXDORF AG ↗ 8,33%
110 RWE AG ↗ 7,50%
110 ThyssenKrupp AG ↔ 7,50%
110 Volkswagen AG ↗ 7,50%
113 Salzgitter AG ↗ 7,14%
114 BayWa AG ↗ 6,25%
114 K + S AG ↗ 6,25%
114 KION Group – 6,25%
114 MAN SE ↗ 6,25%
114 Rheinmetall AG ↗ 6,25%
114 Wacker Chemie AG ↗ 6,25%
120 H&R AG ↗ 5,56%
120 STADA Arzneimittel AG ↘ 5,56%
122 Airbus Group N.V. (ehemals EADS N.V.) ↗ 4,17%
122 Bilfinger SE ↗ 4,17%
122 DMG MORI SEIKI AG (ehem. Gildemeister AG) ↘ 4,17%
122 Drägerwerk AG & Co. KGaA ↘ 4,17%
122 Dürr AG ↔ 4,17%
122 Hugo Boss AG ↔ 4,17%
122 KUKA AG ↔ 4,17%
122 Villeroy & Boch AG – 4,17%
130 BB BIOTECH AG ↔ 0,00%
130 Borussia Dortmund GmbH & Co.KG aA – 0,00%
130 Braas Monier Building Group SA – 0,00%
130 CENTROTEC Sustainable AG ↔ 0,00%
130 CTS Eventim AG ↔ 0,00%
130 Deutsche Wohnen AG ↔ 0,00%
130 Dialog Semiconductor plc ↔ 0,00%
130 DO Deutsche Office AG (voher Prime Office Reit) – 0,00%
130 Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA ↔ 0,00%
130 Fresenius SE & Co. KGaA ↔ 0,00%
130 GAGFAH S.A. ↔ 0,00%
130 Gesco AG ↔ 0,00%
130 HOCHTIEF AG ↔ 0,00%
130 Kontron AG ↔ 0,00%
130 LEG Immobilien AG – 0,00%
130 LPKF Laser & Electronics AG – 0,00%
130 MLP AG ↘ 0,00%
130 Nemetschek AG – 0,00%
130 PATRIZIA Immobilien AG ↔ 0,00%
130 Puma SE ↘ 0,00%
130 Rational AG ↔ 0,00%
130 Sixt SE ↔ 0,00%
130 Stabilus S.A. – 0,00%
130 Ströer Media AG ↔ 0,00%
130 TAKKT AG ↔ 0,00%
130 Tipp24 SE ↔ 0,00%
130 TOM TAILOR Holding AG ↔ 0,00%
130 United Internet AG ↔ 0,00%
130 VTG Aktiengesellschaft ↔ 0,00%
130 Wacker Neuson SE ↔ 0,00%
130 Wirecard AG ↔ 0,00%
12,38%
 Quelle: Fidar 10/2014

 

 

 

 

 

 

 

Ein Kommentar zu „Wenn faktisch eine 90-prozentige Männerquote regiert – die neuen FidAR-Zahlen sind kein Ruhmesblatt für die Deutschen“

  1. Ich persönlich finde die Diskussion um eine Frauenquote verfehlt und dirigistisch. Wie wäre es mit einer Kompetenz-Quote? Alle, die in einen Aufsichtsrat wollen, müssen Fachlichkeit und entsprechende Erfahrugn nachweisen- ob Mann oder Frau. Das würde wahrscheinlich auf _beiden_ Seiten das Feld erheblich ausdünnen.

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