Alten-Forschung mit BMW – in den besten Jahren

Der durchschnittliche BMW-Mitarbeiter ist heute 39 Jahre alt. In zehn Jahren, also 2018, soll jeder zweite Mitarbeiter des Autoherstellers über 50 Jahre alt sein. Eine Vorstellung, die bei der BMW-Führung offenbar die Sorge auslöste, allein aufgrund der Alterung der Belegschaft Wettbewerbsnachteile zu haben. Das erzählte jedenfalls Personalvorstand Ernst Baumann der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Soweit so krude.Denn immerhin hat ein 50jähriger doch noch ganze 17 Jahre Berufsleben vor sich. Dann erst ist die Grenze für die Rente erreicht. Aus lauter Angst also vor vielen faltigen Mitarbeitern mit grauen Haaren haben die Bayern also einen Feldversuch gestartet. Und zwar mit dem BMW-Werk in Dingolfing, wo man verstärkt ältere Mitarbeiter eingesetzt hat. Und siehe da, das Ergebnis straft den Jugendwahn, dem fast alle Unternehmen unisono in Deutschland seit mehr als zehn Jahren huldigen: Die Qualität sei besser, die Effizienz so hoch wie in Fabriken mit jüngerer Belegschaft, so berichtet der BMW-Vorstand. Baumanns Fazit: Das Projekt werde deshalb auf weitere Standorte ausgedehnt.

Immerhin ist lobenswert, dass die Autobauer den Beweis selbst erbracht haben. Denn Studien, die aufzeigen, dass „Ältere“ – und die beginnen ja kurioserweise aus deutscher Unternehmenssicht schon bei 38jährigen, spätestens aber bei 40jährigen, die dann noch 27 (!) Jahre Arbeitsleben vor sich haben – keineswegs schlechter arbeiten, gibt es genug.
Und lebende, sehr erfolgreiche Exemplare auch. Zum Beispiel: Der Finanzinvestor Guy-Wyser Pratte ist 67 Jahre (bald 68), der Management-Guru Jack Welche ist 72 Jahre (bald 73) – und beide damit noch über 25 Jahre jünger als Johannes Heesters, Deutschlands ältester amtierender Show-Star mit seinen 104 Jahren. Und der berühmte Artist Konrad Thurano ist mit über 95 Jahren noch im Variete auftgetreten (er starb kürzlich, hat aber an seinem 98 Geburtstag noch wie gewohnt seine Klimmzüge am Drahtseil gemacht).
http://www.focus.de/panorama/welt/duesseldorf_aid_140051.html
Oder die amerikanischen Top-Juristen. In New York gibt es eine ganze Zahl von Merger&Acquisitions-Anwälten, die erst im Alter zur Hochform auflaufen – mit über 80 Jahren manche. Die denken gar nicht ans Aufhören. Und deren Klienten wäre es auch nicht recht.
Wenn nun also dank ältere Mitarbeiter – taufrisch gegenüber den Genannten im übrigen – auch noch eine bessere Qualität bei derselben Effizienz heraus kommt so frage ich mich: Warum fällt das erst jetzt auf? Wissen die Unternehmen so wenig über ihre Leute und was sie können? Ist es ihnen so egal? Wie konnte der Jugendwahn nur so um sich greifen? Und warum besonders in Deutschland? Und warum hat ihn keiner gestoppt? Und ich frage mich weiter: Warum ist den Unternehmen die Qualität der Arbeit ihrer Leute, sprich ihrer Produkte so egal? Wenigstens an diesem Punkt sollte doch spätestens ein Umdenken einsetzen.

Ein Kommentar zu „Alten-Forschung mit BMW – in den besten Jahren“

  1. Die Qualität ist schlecht, weil die Jungen oder „Neuen“ Wettbewerb gegen alle treiben und die Alten vom Platz vertreiben wollen. Das wissen die Alten und schlagen zurück.

    Als Frau haben diese Affenspielchen der Männer keinen Anreiz für mich. Ich konzentriere mich lieber auf qualitativ hochwertige Arbeit und weise ein gutes Arbeitsergebnis und gute Zeugnisse vor.

    Der globale Wettbewerb funktioniert nur, wenn sich Affen geistig weiter zu Menschen entwickeln.

    Streitkultur ist natürlich Bestandteil einer Entwicklung.

    Mariana Mayer

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