Die Befürchtungen der Lidl-Geschäftsführung beginnt sich schon zu realisieren. Da meldet die „Frankfurter Rundschau“, dass der Discounter durch die Bespitzelungs-Affäre Kunden verloren hat. Brancheninsider gehen sogar von zehn Prozent weniger an Erlösen aus. Doch ob der Kundenschwund lange anhält?Ich glaube kaum. Und dass nicht etwa deshalb, weil seit neuestem der oberste Ex-Bundesdatenschützer Joachim Jacob das Lager gewechselt hat und jetzt auf der Gehaltsliste von Lidl steht. Um Lidl dabei zu unterstützen, den rechten Weg auf der Daten-Tugend zu finden. Ob ausgerechnet dieser Job Jacob in seiner Vita zur Ehre gereicht, mag mal dahin gestellt bleiben. Zumindest kam er so via Lidl-Werbeanzeigen in sämtliche Zeitungen – gleich zu den Sonderangeboten.
Einen ersten Schritt haben die Lidl-Chefs wohl auch schon getan: Die Kameras, mit denen Kunden wie Belegschaft gefilmt wurden, sollen inzwischen abgebaut sein. Nebenbei bemerkt: Das hätte Lidl womöglich auch ohne den teuren Rat von Jacob geschafft. Doch was Lidl angeblich plant und was viel schlagkräftiger im Kampf um abtrünnige Kunden ist, dafür braucht Lidl keinen externen Rat. Das beherrscht der Discounter ohnehin schon aus dem Effeff: Preissenkungen, aggressive Sonderangebote. Siehe oben. Das dürfte ziehen. Wenn nicht sofort, so doch mittel- bis langfristig. Wie heißt es doch: Lanzeitgedächtnis, Kurzzeitgedächtnis, Wählergedächtnis?
Der Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher, auf die seinerzeit die „Stern“-Redaktion hereingefallen war, ließen sich in den Verkaufszahlen der Illustrierten jedenfalls nie ablesen, lehrte mich Wolf Schneider, der damalige Leiter der Henri-Nannen-Schule.
Und auch von Nokia gibt es noch keine spitzen Aufschreie über etwaige Umsatzeinbrüche in Deutschland. Zugegeben, vielleicht wird es eine kleine Delle geben, wenn der ein oder andere, wenn er nach zwei Jahren sich beim Auslaufen seines Vertrages ein neues Handy aussuchen kann, noch vage erinnert dass da mal was war. Und dann auch noch tatsächlich den eisernen Willen zum Verbraucherboykott so lange in seinem Herzen bewahrt hat. Aber weil man ein Handy eben nur alle paar Jahre auswechselt, kann bis dahin noch viel Gras über die Sache wachsen.
Jedenfalls ist Lidl in bester Gesellschaft, wie sich jetzt herausstellt und der Blick auf die Nordlichter somit schon ein wenig abgelenkt. Denn auch die Kaffee-Kette Balzac überwachte ihre Kunden beim Kaffee-Trinken und die Mitarbeiter beim Kaffee-Abfüllen heimlich mit Kameras, kam jetzt heraus.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,546993,00.html
Und die Geschäftsführerin Vanessa Kullmann läßt sie in den nächsten acht Wochen auch erst abmontieren, nachdem ihr Geschäftsgebaren vor dem Gericht landete. Die Unternehmerin des Jahres 2006 – gekürt vom Champagnerhaus Veuve Clicqout als Vorzeige-Existenzgründerin einer „neuen Unternehmergeneration“, die – einmal auf der Erfolgswelle und landauf landab in er Presse – auch gleich noch ein Buch über ihren Erfolg auf den Markt warf. Als „engagierte Quereinsteigerin, die mit ihrer unverbrauchten Denkweise die Gastronomie bereichert“. Schon 2006 bescheinigte ihr Veuve Clicquot „mitunter einen Schuss Naivität“.
http://www.prix-veuve-clicquot.de/downloads/udj_2006_expose_vanessa_kullmann.pdf
Oder sehen wir es mal von der anderen Seite: Zumindest wird auf die Weise wird jeder mal zum Filmstar – im Lidl-Studio oder auf der Balzac-Bühne – so wie es Andy Warhol einst vorhersagte. Jeder wird mal für 15 Minuten berühmt, prophezeite er damals. Und wenn’s im Coffe-Shop ist oder beim Discounter.
http://frankfurterrundschau.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/?em_cnt=1317724&sid=7d22d99df47bdc654b31bcf778690330
PS:www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,551268,00.html
Instead he ran off with my cash!
Ich hoffe, dass die aktuelle Diskussion rund um das Thema Kameraüberwachung dieses Mal konkrete Ergebnisse bringt. Das Thema hört ja lange nicht bei Supermärkten und Gastronomie auf. Auch die private Kameraüberwachung öffentlicher Straßen oder fremder Gebäude (auch wenn sie oft ein Nebenprodukt ist) muss mit auf die Rechnung.
Die neueste Spielart: frei verfügbare (und recht preiswerte) X-Ray-Kameras, die Passanten auch gleich mit optischen Mitteln der Kleidung entledigen können (der Beispielfilm ist schockierend):
https://www.doktor-seltsam.de/2008-03-12-001
Aldi
Aldi beschwert sich,
es ist nicht in die Ermittlungen mit einbezogen worden.
Also Fragestellung: Überwacht Aldi anders?
Antwort: Ja und Nein.
meine Meinung: Aldi hat nach dem Krieg das Ziel gehabt, das Überleben der Menschen zu gewährleisten durch Nahrungsmittel und somit einen wichtigen Beitrag für die Bevölkerung geleistet.
Selbst im Technologiebereich ist Aldi führend, in diesem Sinne.
zu untersuchende Frage: Muss deswegen jetzt die Milch wieder billiger werden zulasten der Bauern, oder gibt es eine andere Lösung?
mit freundlichen Grüßen
Mariana Mayer
Aus meiner Sicht stellt sich die Frage: wie können die Unternehmen den Imageschaden abwenden, denn Sie durch diese Berichterstattung erleiden? Aus diesem Grund hab ich eine Diskussion hierzu unter http://www.mediacoffee.de eröffnet.
Es ist tatsächlich davon auszugehen, dass das ‚Wählergedächtnis‘ den Skandal schnell vergessen und zum Alltag zurückkehren wird. Bei der Nokia-Werksschließung schlugen die Wellen auch recht hoch. Populistische Boykott-Aufrufe wurden von Politikern gefordert und was passierte…nischts. Die kommenden neuen Diäten-Erhöhungen rufen Empörung hervor und was wird passieren…nischts.
Die günstigen xy Produkte gibt es nur mal nur bei Lidl, das Nokia Handy xy ist nun ein mal das Beste am Markt und die Partei xy wurde schon immer gewählt … warum was anders machen.