Mit Ackermann in die Pizzeria

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Die Deutsche Bank hat die Spesenrichtlinien für ihre Mitarbeiter überarbeitet. Sehr zum Ärger der gehobenen Gastronomie, der Bordelle, Hotels, teurer Airlines und der Bahn: Erst Klasse-Fahrten nicht mehr auf Strecken unter einer Stunde Fahrzeit, in den USA nur noch Zweite-Klasse-Bahnreisen. Duschen in der Airport-Lounge statt schon bei der Anreise morgens früh schon im Hotel, das eigentlich erst ab mittags gebucht ist. Billigflieger statt Deutsche Lufthansa. Keine Sterne-Restaurants mehr – 65 Euro je Person sind bei den heutigen Gastronomiepreisen schnell erreicht, jedenfalls samt Flasche Wein, Aperitif und mit drei Gängen. Ob das alles auch für den Deutsche-Bank-Chef Ackermann gilt? Sieht den jetzt kein Sterne-Lokal mehr in Frankfurt, wenn er andere Wirtschaftskapitäne zum Essen ausführt?
http://www.bild.de/BILD/news/wirtschaft/2008/04/21/deutsche-bank/verbietet-bordellbesuche-auf-firmenkosten,geo=4328098.htmlDenn: Wenn dem so sein sollte, könnte es sehr peinlich werden, wenn es um Geschäftsessen mit Ausländern geht. Auch unterhalb Ackermanns Top-Management-Ebene. Für Chinesen etwa ist die Auswahl des richtigen Restaurants extrem wichtig. Wer da zu tief stapelt, kann allein deshalb ein Geschäft an die Konkurrenz verlieren. Weil Asiaten es als persönliche Beleidigung empfinden, wenn sie nicht in ein teures Restaurant eingeladen werden – und sie ziehen auch durchaus ihre Konsequenzen. Das preiswerte Lokal mag den Controller freuen – nur der kann deswegen niemanden befördern. Ich würde mich nicht wundern, wenn mancher Manager unter diesen Vorzeichen – um seine Karriere nicht wegen entgangener Geschäfts aufs Spiel zu setzen – gleich aus seiner Privatschatulle für den Geschäftsbesuch zahlt.
http://www.handelsblatt.com/news/Karriere/Business-Behaviour/_pv/_p/205445/_t/ft/_b/1117198/default.aspx/herr-ober,-der-wein-korkt.html
Eine weiter Frage ist: Geht es tatsächlich um Demo-Maßnahmen des Deutsche-Bank-PR-Experten Stefan Baron nach dem Motto „Wir sind clean“ und teilen das jetzt mal aller Welt lautstark mit. Oder geht es vielmehr um Abschreckung – Abschreckung vor Dienstreisen, die immer unbequemer und nerviger werden. Damit sich jeder Mitarbeiter dreimal überlegt, ob die Reise denn auch wirklich nötig ist. Und damit er froh ist, wenn er schnell wieder zu Hause sein darf. Und damit die Deutsche Bank an der Stelle Kosten sparen kann. Und das auch noch, ohne dass diese Maßnahmen als mitarbeiterfeindlich daher kommen.
Dass Bordell-Besuche auf Firmenkosten gestrichen sind, ist unter dem Blickwinkel des AGG ohnehin zu begrüßen. Das ist eine Kostenspar-Maßnahme, die recht effektiv ist und obendrein der Gleichbehandlung Genüge tut – worin ja ansonsten Deutschland nicht nur europaweit eins der Schlusslichter ist. Dies führt nämlich dazu, dass Managerinnen, die da nicht mithalten können und Homosexuelle, die nicht mithalten wollen, auch nicht mehr benachteiligt werden. Noch in den 80-er Jahren war es doch so, dass manches Pharmaunternehmen keine weiblichen Vertriebsleute einstellte, weil die ja nicht mit den männlichen Kunden ins Bordell gehen könnten. Und das ist doch auch was, oder?
http://www.ad-hoc-news.de/drucken.html?art_id=16409353

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