Wen scheren schon Gesetze?

Der Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn sprach diese Woche eine große Erkenntnis gelassen aus: „Compliance kostet Geld, aber keine Compliance kann Unsummen kosten.“ Siemens lässt grüßen. Und deshalb leistet sich die Bahn auch künftig ein Team von 28 Leuten, die sich mit der Korruptionsbekämpfung den lieben langen Tag befassen sollen. Gut schön. Immerhin, Wenn sie’ s denn auch tun – wirklich und tun dürfen.
Wundern tut mich aber eins:Da trat ein Strafgesetz in Kraft, das Bestechung unter Strafe stellte. Das war vor neun Jahren. Damals bemerkten nicht mal Strafrichter diesen neu eingefügten Paragraphen im Strafgesetzbuch, sondern waren von dessen Existenz überrascht, als die Presse sie dazu befragte.
Doch über die neue Strafbarkeit wurde zum Beispiel damals in der „Wirtschaftswoche“ berichtet, ausführlich. Nur: Wie konnte es passieren, dass diejenigen, die hiervon betroffen wurden, das nicht begriffen? Oder jedenfalls etliche.
Oder dass sie ganz offensichtlich das Gefühl hatten, „wo ich bin, ist Recht“. Anders ausgedrückt: Sollen sich doch die Dummies an Gesetze halten, ich mache, was ich will.
Oder auch: Dass den Managern keiner – wohl auch kein hauseigener Syndikusanwalt – schon damals klar machte, mit welchem Feuer sie da spielten, wenn sie die neuen Spielregeln nicht akzeptierten.
Und dass Strafgesetze und Staatsanwälte eben ausmacht, dass sie nicht Halt machen vor noch so hohen Tieren. Und dass ein Unternehmen durchaus Täter, seine Manager, fallen und holterdipolter alleine im Regen stehen lässt, damit nicht all zu viel an ihm kleben bleibt von der schlechten Presse.
Waren die Unternehmensjuristen
a) zu träge, um die neuen strafrechtlichen Vorschriften 1999 mitzubekommen oder
b) zu ängstlich, um die Unternehmenslenker und die Führungkräfte aufzuklären? Zu ängstlich davor, als Spielverderber zu gelten? Zu bange um die eigene Karriere? Der ein Miesmacher-Image schaden könnte? Oder
c) selbst zu blauäugig, um den Sprengstoff, der sich dahinter verbarg, zu erkennen und ernst zu nehmen? Nach dem Motto „Papier ist geduldig“. Oder dachten sie: wir brauchen das gar nicht ernst nehmen, kommt eh nicht ans Tageslicht?
Wer weiß das schon so genau. Ein gutes Licht wirft es jedenfalls nicht auf die Syndicusanwälte.
Oder sind sie nur die Chamäleons der Unternehmen? Denn: Nur fünf Prozent der Korruptionsfälle kommen heraus, verkündete die Bahn diese Woche auch noch.

PS: Die Bahn sagt, sie habe schon seit dem Jahr 2000 Ombudsmänner, denen die Mitarbeiter vertrauliche Infos über Korruptionsfälle geben können.
Doch die Abteilung mit den bald 28 Compliance-Experten bekam ihre neuen Stellen auch erst jetzt, nach den immer neuen Siemens-News und dem erstaunen, wie teuer die ganze Chose jetzt wird. Jetzt, nachdem die ersten Insider ab und zu mal am Rande verlauten lassen, dass Siemens nur die Spitze des Eisbergs sei und es in anderen Unternehmen mit dem Bestechungsverbot auch nie so genau genommen worden sei.

PPS: Welches Glück, dass die meisten anderen Paragraphen des Strafgesetzbuchs den meisten Leuten besser bekannt sind.
…oder sind sie es etwa doch nicht?
http://www.ftd.de/unternehmen/handel_dienstleister/:Mehdorn%20Korruption/360528.html

Ein Kommentar zu „Wen scheren schon Gesetze?“

  1. Gehandelt wurde und wird wohl eher nach dem Motto daß nichts so heiß gegessen wird wie es gekocht wird.

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