Frauen kommen leichter auf einen Dax-30-Vorstandsposten, wenn sie Ausländerinnen sind

Stolz verkündete Siemens heute die Personalie des Tages und jubelt: Eine Frau, eine Frau – endlich eine Frau zieht nun in den Vorstand des Dax30-Unternehmens ein. Und das schon in wenigen Tagen, so als könne man es nicht erwarten. So, als sei ihnen so eine Besetzung jahrzehntelangverboten gewesen. Jedenfalls ist Barbara Kux nun die zweite Frau im Vorstand eines Dax-30-Unternehmens und bei den Münchnern die Nummer neun im Bunde. Die andere ist Bettina von Österreich bei Hypo Real Estate. Doch schaut man genauer hin, springen einem ein paar Auffälligkeiten, merkwürdige Parallelen zu anderen weiblichen Besetzungen der jüngeren Vergangenheit ins Auge.Also Barbara Kux, 54, soll das Ressort Einkauf übernehmen. Wie viele Mitarbeiter ihr unterstehen sollen, die Zahl habe ich nirgends gefunden. Ich hätte es gerne erfahren und an dieser Stelle verraten. Ist es doch ein deutliches Signal für die wahre Machtfülle Die beiden angefragten Herren in der Siemens-Pressestelle blieben meiner Mailanfrage die Antwort schuldig – aber vielleicht kommt sie ja noch.
Weiter im Text: Sie ist Ex-McKinsey-Beraterin, war bei mehreren namhaften Adressen wie dem niederländischen Philips-Konzern auf ihrer Karrieleiter tätig, hat also keine Schornstein-Karriere bei Siemens geschafft, und – jetzt kommt´s – sie ist aus der Schweiz.
Wer waren die anderen handverlesenen Frauen, die teils alleine, bestenfalls zu zweit in allen 30 Dax-Voständen waren in den vergangenen Jahren? Da hatten wir die Südtirolerin, sprich Italienerin Christine Licchi, die über die Citibank – also ein US-Unternehmen in den Hypovereinsbank-Vorstand einziehen durfte.
Die dritte im Bunde war Karin Dorrepaal, die 2004 mit damals 43 Jahren bei Schering mit in den Männer-Vorstand durfte. Sie ist Holländerin und kam – jetzt kommt die nächste Parallele – über die amerikanische Unternehmensberatung Booz Allen & Hamilton und zwar direkt aus den Niederlanden. Ganz kurz durfte sie mitspielen, kaum übernahm Bayer die einst so feine Berliner Unternehmensadresse, war´s aus und sie musste wieder weichen. Klar.
Licchi und Dorrepaal gehörten zu den ersten, die dann auch wieder von dannen ziehen mussten – ihre Gastspiele waren nur kurz. Drücken wir also Kux die Daumen, dass es länger hält.
Die Karrieren wurden also in allen drei Fällen nicht in einem deutschen Unternehmen, stringent und kontinuierlich geschafft. Immer lief die Treppe über ausländische Unternehmen und immer waren die Damen auch Ausländerinnen. Ein Schelm, wer Arges bei der Besetzung der Vorzeige-Frauenpositionen denkt – denn betonen tun die Unternehmen diesen Punkt nie. Wohl um den PR-Bogen nicht zu überspannen, weil´s sonst langsam drollig klingt. Doch irgendwie gilt es dann doch: Den Vorzeige-Ausländer im Vorstand, den haben wir dann jedenfalls auch geschafft, oder einen mehr an Bord, je nach dem.
Ich frage mich nun eins: wie müssen sich die Siemensianerinnen fühlen, die diesen letzten Sprung in den Männer-Olymp in München nicht geschafft haben? Die nun enttäuscht sind, dass sie es nicht wurden, obwohl sie – ich kann nur spekulieren – vielleicht auch das Zeug gehabt hätten, sprich die Fähigkeit. Als dumm erweist sich dann jetzt, wenn sie sich Hoffnungen auf die Top-Rolle in „ihren Laden“ gemacht haben. Das spricht nun gradezu gegen sie. Oder wenn sie dummerweise Deutsche sind und keinen doppelten Sozialpunkt einbringen.
Aber wo Deutschland in puncto Frauen-Diskriminierung im Job das Schlusslicht Europas ist, haben die deutschen Unternehmen ja noch ganz viele Gelegenheit, internationaler zu werden und die Antidiskriminierungsregeln beginnen zu erfüllen.
Mir ist jedenfalls kein großes Unternehmen bekannt, dass seine Gehaltsstrukturen gecheckt, rechtstreu gehandelt und die Frauengehälter mit Inkrafttreten der Antidiskriminierungs-Richtlinien auf einen Schlag allesamt nach oben angepasst hat. Die Aktion wäre zu schön gewesen, um keinen riesigen PR-Gag draus zu machen.
Doch diese Lohnkosten sind es, die die Unternehmen tatsächlich zu fürchten haben, jeden Monat, jedes Jahr und sogar beim Weihnachtsgeld und den Sozialabgaben. Dagegen sind die Kosten für gesetzestreue Stellenanzeigen und Schulungen, die die Verbände lauthals bejammern sich nicht zu schade sind, Nittigritti.
Und seit der AGG-Schau-Prozess der R+V-Versicherung gegen seine 39-jährige Mitarbeiterin nicht mehr nur noch in den Zeitungen und Magazinen steht, sondern heute abend sogar bei „Beckmann“ im ZDF im TV eins der großen Themen war, hat der Fall sicher einen riesigen Bekanntsheitssprung nach vorne gemacht hat. Das könnte langsam für mehr Aufmerksamkeit für das AGG-Thema sorgen, Beckmann wünschte der jungen symphatischen Dame jedenfalls „viel Erfolg“ für den Prozess. Er schien das Studiopublikum auf seiner Seite zu haben. Immerhin haben die Anwälte der Frau, die sich gegen ihre Diskriminierung nach der Geburt ihres Kindes wehrt, 500 000 Euro Schadenersatz gefordert.
Und nicht nur in all den Fällen, in denen die Staatsanwälte erst Jahre später den Heinrich von Pierers wegen dieser Welt hinterher setzen, haben die Unternehmenslenker begriffen: Die Justiz mag zeitversetzt und spät handeln, aber umso gründlicher und konsequenter. Warum nicht auch die Arbeitsrichter?
www.szon.de/lokales/badsaulgau/badsaulgau/200810290766.html
www.derwesten.de/nachrichten/nachrichten/waz/2008/2/9/news-22114412/detail.html

10 Kommentare zu „Frauen kommen leichter auf einen Dax-30-Vorstandsposten, wenn sie Ausländerinnen sind“

  1. Schöner Hinweis übrigens auf den AGG-Prozess gegen die R+V-Versicherung wegen Diskriminierung einer Managerin! Es wäre nicht das erste Mal, dass erst die Richter geholfen hätten durchzusetzen, was der Gesetzgeber schon lange und unser Grundgesetz erst recht seit bald 60 Jahren wollen: Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau.

    Wünschen wir der Klägerin, Mutter zweier Kinder, viel Erfolg, wenn sie am 18. Dezember erneut darum verhandelt, ob es angesichts der Indizien zu einer sogenannten Beweislastumkehr kommt. Dann müsste die R + V-Versicherung beweisen, dass sie die Versicherungsberaterin Sule Eisele NICHT gemobbt und diskriminiert hat.

  2. Ich habe leider kein Geld 500 000 Euro einzuklagen. Dafür muss Frau erst mal ausreichend verdient haben.

    Mein Anwalt hat meine AGG Klage genau aus diesem Grund abgelehnt. Er sagte: Ich kann es nicht bezahlen. Aus diesem Grund lehnte er ab.

    Recht hatte der Mann. Das Risiko für mich war zu hoch.

  3. Ist Zustand von Frauen die kein Hartz4 erhalten können ist: Niemand zahlt in die gesetzliche Rentenversicherung ein, Arbeit erhalten sie nicht, Steuererleichterungen erhalten Sie nicht, gleichfalls nicht für Ihre Kinder, da sie keine Steuer zahlen.
    Die finanzielle Erpressung gegenüber Frauen ist perfekt und ausgeklügelt Bestand der Deutschen Gesellschaft.
    Sobald Kinder im Spiel sind und Frau keine Arbeit hat, ist es vorbei.

    Mariana Mayer, seit 4 Jahren aufgrund von zahlreichen Mobbingaktionen alleinerziehungsberechtigt arbeitslos. Keine Sozialversicherung, nichts.
    Mobbingtreiber weiterhin in hochbezahlten Positionen. Mobbing ist in Deutschland hochbezahlt und wird Belohnt!

  4. Warum sind es Ausländerinnen? Da sehe ich keinen Zusammenhang.

    Kinder sind immer ein Karriereknick. Erziehungsurlaub, auch wenn gesetzlich möglich, darf frau nicht nehmen, dann ist es mit der Karriere ganz vorbei.

    Obwohl vor Jahren Personalreferentin mit Karriereaussichten, bin ich heute als Mutter mir drei Kindern arbeitslos. Meine Arbeitsvermittlerin sagte mir, dass ich jeden Job annehmen müsse, da ich ja ungelernt bin. Studium und Ausbildung zählen nach drei Jahre Erziehungszeit nicht mehr.

  5. Kommen Frau wirklich an einen Vorstadtsposten wenn sie Ausländerinen sind? Die Aussage ist etwas irreführernd Frau Tödtmann. Meinen Sie, daß diese Frauen eben automatisch Ausländerinnen sind, weil Sie eben ein nicht deutschens Unternehmen eingestellt hat? Sie meinen doch sicherlich nicht, daß das Kriterium für einen Vorstandsposten eher zutrifft, wenn die Frau eben Ausländerin ist. Das ist doch sicherlich nicht so zu verstehen oder?
    Ich denke nicht und ich hoffe nicht, daß Sie hier unterscheiden zwischen deutschen Frauen oder ausländischen Frauen unterscheiden, sondern zwischen deutschen und ausländischen Unternehmungen. Meinen Sie, daß ausländische Unternehmungen eher Frauen einstellen?
    Ihren Artikel habe ich gerne gelesen, bin mir aber über Ihre intesion nicht im klaren.

  6. Bei der Stutenbissigkeit, die schon in der mittleren Führungsebene herrscht, möchte ich nicht wissen, was los wäre, wenn mehr Frauen Vorstandsposten hätten.

  7. Was soll das feministische Gesülze? Das hat nix mit Ausländern zu tun und auch nicht mit Frauen. Das Problem ist der Erziehungsurlaub bzw. die Unberechenbarkeit, dass die Kinder erkranken. Dann ist es halt mit der Karriere vorbei.

  8. Zu Beginn meiner Arbeit in der Validierung der Software (ICE) wurde ich von vorneherein als Projektrisiko eingestuft. Es wurde mir mit deutlicher Verachtung über die Projektleiter mitgeteilt, ich könnte doch schwanger werden. Ob sich das die Projektleiter oder andere Chefs auch gut überlegt hätten!

    Männer sind dagegen 6 Wochen problemlos in Kur gefahren. Da hat kein Hahn danach gekräht. Die sind auch nicht die ganze Zeit über blöd von der Seite angemacht worden.

    Nun gut gehe ich als Frau in Elternzeit ist das die eine Sache, ich bin jedoch ständig gemobbt worden.
    Mobbing dient alleien dazu die Arbeitsfähigkeit anderer Menschen zu zerstören. Das darf dabei nicht vergessen werden. Manche Frauen erleiden sogar Fehlgeburten. Beweis: Für diese Fälle gibt es sogar arbeitsrechtliche Gesetze. Im Falle einer Fehlgeburt setzt nämlich der Kündigungschutz für Schwangere aus.
    Alles gut durchdacht in Deutschland.

  9. Ach so, noch vergessen: Der verantwortliche Personalvorstand, der das auch weiß, verdiente über 20 Jahre lang Millionen und geht zum 1.1.2009 aus dem Unternehmen hochgelobt in Rente oder sonstwohin.

    Frauenförderung wurde dagegen immer auf große Flaggen geschrieben. Wo ist die?

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