Deutsche arbeiten im internationalen Vergleich deutlich weniger effizient als noch im vergangenen Jahr: Hierzulande lag der Anteil der produktiven Arbeitszeit in 2007 nur noch bei 60 Prozent. Zum Vergleich: Im Vorjahr betrug sie noch 76 Prozent. In 2007 verschwendeten die Deutschen zwei Arbeitstage je Woche und rutschten damit im internationalen Vergleich auf Platz vier – bei acht untersuchten Ländern insgesamt. Die effizientesten dagegen sind die Australier (77 Prozent), gefolgt von den Briten (74 Prozent) und den Amerikanern (63 Prozent). Die Südafrikaner beschäftigten sich in ihrer Arbeitszeit mit den meisten unproduktiven Tätigkeiten (siehe Tabelle). Dies ermittelte die achte, großangelegte globale Produktivitätsstudie der US-Unternehmensberatung Proudfoot Consulting in Zusammenarbeit mit der dem Marktforscher Kadence und dem Wissenschaftler Nick Crafts von der London School of Economics sowie der Warwick Business School.Für die Umfrage wurden mehr als 1 000 Führungskräfte weltweit befragt, nachdem über 3 000 Unternehmensanalysen ausgewertet wurden. Die Produktivität wurde gemessen anhand des Quotienten aus Umsatz geteilt durch Personalaufwand.
Peter Ascher, Deutschland-Chef von Proudfoot gibt jedoch vorab zu bedenken: „Praktisch ist nur eine effiziente Arbeitszeit von 83 Prozent zu erreichen. Mehr zu erreichen, ist zwar theoretisch möglich, jedoch in der Umsetzung extrem teuer.“ Denn irgendwas klappt immer nicht: Geräte fallen aus, es treten sonstige Verzögerungen ein, Prozesse funktionieren nicht wie auf dem Reißbrett geplant und manche Industrien kämpfen laufend mit hohen Ausschuß- oder Fehlerquoten. Oder: Einzelne Mitarbeiter mit Spezialwissen – das aber viele Kollegen von ihnen benötigen – sind umlagert oder einfach mal krank. Ohne si egeht dann nichts weiter. Dasselbe gilt, wenn nur ein Mitarbeiter einer Abteilung eine bestimmte Maschine bedienen kann und die Produktion ohne ihn ins Stocken gerät. Allein die Zeit, die manche Mitarbeiter an veralteten Computern mit Warten vergeuden oder sich mit ungeeigneter Software plagen müssen, schlägt ordentlich zu Buche. Ganz zu schweigen von Arbeiten, die früher Sekretärinnen erledigten und mit denen sich heute jeder einzelne – mit sehr viel weniger Routine und daher viel langsamer – herumschlägt. Manche Unternehmen schulen diese Mitarbeiter eigens in den Tätigkeiten, die früher deren Sekretärinnen erledigten – fälschlicherweise „Fortbildung“ genannt, obwohl es für den konkretenJob sicher keine darstellt. tatsächlich
Warum gerade Deutschland jetzt so abgeschlagen ist? Ascher führt hierfür ein Bündel von Gründen an: Ersten ist in Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs regelmäßig ein Abfall der Produktivität zu verzeichnen, da investiert werde sowie neue Mitarbeiter eingearbeitet würden, Prozess in dessen Folge klemmten und Produktivität gehe unweigerlich verloren – und das vergangene Jahr 2007 sei solch ein konjunkturell gutes Jahr für Deutschland gewesen. Zudem habe das Vorjahr in puncto Produktivität für Deutschland im Langfristvergleich einen Ausreißer nach oben dargestellt.
Hindernisse für Produktivitätsverbesserungen seien laut Studie: Arbeitskräftemangel (27 Prozent), interne Kommunikationsprobleme 25 Paozent), Gesetzgebung und Regulierung (22 Prozent), geringe Mitarbeitermotivation und schlechte Arbeitseinstellung (21 Prozent), hohe Mitarbeiterfluktuation (20 Prozent) sowie mangelnde Führungskräftequalifikation (20 Prozent).
Als Gegenmaßnahmen haben die Unternehmen auch schon, so die Proudfoot-Studie weiter, die Bedeutung von Führungskräfte- und Mitarbeiterentwicklung identifiziert. Rund 80 Prozent wollen hier investieren. Nur 58 Prozent sehen die Lösung in IT-Investitionen.
Auffällig: Weltweit bekommen die deutschen Manager die wenigsten Schulungen. Mit fünf Tagen pro Jahr sind es nur halb so viele wie ihre internationalen Kollegen. Weltweit wünschen sich 17 Prozent der Manager mehr Schulungen für sich selbst und erhoffen sich davon auch im Anschluss auch eine Steigerung der Produktivität. Merkwürdig: „Nur die Deutschen nicht – sie sind dagegen viel zufriedener mit ihrem Kenntnis- und Ausbildungsstand und nur sieben Prozent von ihnen wünschen sich nur mehr Schulungen – der Effizienz zuliebe.
Oder: Nur zehn Prozent der Deutschen sehen gegenüber 20 Prozent der Manager weltweit, dass es in den Betrieben Probleme im menschlichen Bereich, mit der Kommunikation gibt, die auf die Produktivität durchlagen – negativ. „Die deutschen Manager wollen die Probleme nicht sehen“, urteilt Ascher. Geschweige denn anpacken. Das Gegenmittel lautet „Kümmern, denn Anordnen alleine ist keineswegs Führen“, so der Berater weiter. Hier scheinen sie gradezu einen blinden Fleck zu haben. Aschers Fazit: „Das Potenzial für Verbesserungen ist da, 80 bis 85 Prozent können hierzulande durchaus erreicht werden.“ Denn beschäftigt sind auch die Deutschen durchaus, nur nicht unbedingt mit zielführenden Tätigkeiten.
Viele Firmen leisten sich Prozesse, die mit wenigen Korrekturen oder gar simplen Änderungen dem Unternehmen ganz enorme Verbesserungen bringen. Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung an der Universität Bonn-Siegburg, berichtet von solch einer erstaunlichen Hebelwirkung folgendes Beispiel eines Klebstoffherstellers: „Nachdem die Tuben zu Beginn des Produktionsprozesses auf den Kopf gestellt wurden, wenn sie aufs Band kamen, halbierten sich allein durch diesen Dreh die Produktionskosten.“ Die Tuben waren nämlich später leichter zu befüllen, mit weniger Handgriffen zu bearbeiten, besser stapelbar und dann auch leichter zu verpacken.
Schraubenhändler Würth etwa macht dies vorbildlich und kümmerte sich selbst intensiv um die Arbeitsabläufe seiner Mitarbeiter, insbesondere der Verkäufer und wie sie ihre Zeit in wertschöpfende Zeit umwandeln. Reinhold Würth begleitete selbst seine Verkäufer zu Kunden. Das Ergebnis: Aus Effizienzgründen nahm er danach seinen Verkäufern ihre Laptops ab – er hatte genau gestoppt, wie viel Zeit ihre Nutzung brauchte und die Uhrzeiten fürs Aufklappen, Starten und daran arbeiten gestoppt. Er führte stattdessen Formblätter ein, die die Verkäufer nur noch kurz ankreuzen und abends in die Zentrale faxen müssen. Die Verkäufer sollen sich dagegen lieber auf die wertvolle Zeit mit den Kunden persönlich konzentrieren – und keine Laptops wie eine psychologische Barriere zwischen sich aufbauen. „Wir wissen aus Studien, dass der Verkäufer genau 19 Minuten Verkaufszeit vom Kunden bekommt. Vor fünf Jahren waren es noch 22 Minuten. Wenn im Winter eine Minute vergeht, bis der Laptop mal läuft, dann sind das fünf Prozent der Verkaufszeit. Das können wir uns nicht leisten“, rechnete Würth in einem Interview im „Spiegel“ minutiös vor.
Deflation, Rezession, Depression…
Die USA haben der Welt in drei Bereichen vorgemacht, wie schuldenmachen funktioniert: beim Staat, im Ausland und bei den privaten Haushalten. Mit diesem Rezept funktionierte die Weltwirtschaft der letzten 20 Jahre bis eine große Zahl insolventer Konsumenten die Güternachfrage einstellen mußte und gleichzeitig den starken Geldmengenumlauf beendete: Deflation mit Preisverfall, Rückgang der Investitionen und eine Rezession, in der das Wirtschaftswachstum stagniert. Ist hier ein Rückhalt schon nicht vorhanden, so ist mit fehlender effizienz und verschwendeter Produktivität in der Fertigung die Geschäftsgrundlage entzogen.
Vergleichsweise wird in China oftmals sechs Tage die Woche, neun Stunden am Tag gearbeitet, für 500 bis 700 Yuan, d. i. 48 bis 68 €/Monat. Dass hier effizienz (noch) keine Rolle spielt ist einleuchtend aber auch, dass sie bei uns eine um so größere Rolle spielen muss… Wenn chinesische Unternehmen einmal unsre Technologie beherrschen auf unsrem Lohnnivau… so hat bis dahin der Westen seine Industrie längst verloren… und Indien ist schon ein weiterer Konkurrent.