Zweifelhafte PR mit Zeitarbeitern

Porsche schickt 100 Entwickler nach Hause meldet „Auto Motor und Sport“. Direkt kündigen tut der Autobauer diese Mitarbeiter nicht, das nimmt ihm schon die Zeitarbeitsfirma ab, mit der er den entsprechenden Vertrag geschlossen hat. Und das Beste daran: Porsche fügt sofort hinzu „Einen Stellenabbau bei Festangestellten wird es aber nicht geben.“ So, als ob dies die ganze Sache besser macht. Doch der PR-Trick daran ist allzu durchsichtig.Der Schreck über die Entlassungen soll abgemildert werden, nach dem Motto: Ach so, ist ja gar nicht so schlimm, sind ja nur Zeitarbeiter.
Ist es wirklich nicht so schlimm? Zuerst werden die Zeitarbeiter – die ohnehin nicht auf der Sonnenseite stehen mit ihren geringeren Löhnen, weniger Vergünstigungen als die Stammbelegschaft und obendrein dem ewigen Damoklesschwert der kurzfristigen Kündigung über sich – öffentlich ausgegrenzt und degradiert zur Mitarbeitern zweiter Klasse.
Hat es nicht ein Gschmäckle, die ohnehin Benachteiligten in dieser Situation als eigenen PR-Persilschein zu missbrauchen? Diejenigen, die ohnehin schon die Gekniffenen sind, weil sie als erste gehen müssen.
Das PR-Beispiel macht auch schon fleißig Schule. Porsche ist nicht das erste Unternehmen, das die Öffentlichkeit in diesem Tenor informiert, oder besser: ablenkt. Auch BMW hat dieses Jahrschon so argumentiert.
Und das, wo es doch ohnehin nur darum geht, sich durch den Einsatz von Leiharbeitern en Masse eine Verfügungsmasse zu verschaffen. Die Verfügungsmasse, die man ganz schnell, ohne Abfindungen und Kündigungsschutzklagen los wird. Das an sich ist ja völlig legitim. Aber jene Leiharbeiter auch noch zur eigenen Entschuldigung vorzuführen, um so die eigene weiße Weste weiter strahlend erscheinen zu lassen – das hat zumindestens etwas von Volksverdummung.

4 Kommentare zu „Zweifelhafte PR mit Zeitarbeitern“

  1. Praktiken und Tips für Zeitarbeitsunternehmen:

    Ein Teil des Grundgehaltes wird als Bonus ausgelagert. Kündigt der Arbeitnehmer soll der Bonus als Abfindung an das Unternehmen zurückgezahlt werden. Das ganze nennt ihr dann „Freie Vertragsgestaltung“.

    Nachdem die Gesetzgeber (z.B. Clement durch Briefe) darüber informiert wurde, dass Unternehmen „angeblich“ eine 3 fache soziale Absicherung leisten müssen, Abfindung, Arbeitslosenversicherung und Verluste durch Schwarzarbeit, besteht unabhängig (?) davon ein Gesetz, dass besagt das diese Gehaltsauslagerungen zu 20% erlaubt sind.
    Der Prozentsatz wurde tatsächlich aufgestockt. Dies geschah ca. im Jahre 2003/ 2004.
    Das heißt Mitarbeiterbindung wird durch Lohnpfändung erreicht.
    Also hier könnt ihr eure Mitarbeiter noch weiter unter Druck setzen.
    Die sind dann so beschäftigt, dass die Arbeitgeber fröhlich und mit vollen Taschen von dannen ziehen können. Gesetzlich geschützt.

    Unternehmen brauchen auch keine Lohnsteuer zu zahlen. Der Arbeitnehmer haftet, „angeblich“, wenn der AG einfach nicht zahlt.

  2. Gestern kam meine Tochter nach Hause und sagte, es gab wieder eine S-Bahnverspätung wegen Personenschaden.

    An der S-Bahn, haben die Kinder identifiziert, habe noch eine Weste gekleppt und alles war voll Blutspuren.

    Weiter so in der Bahnsicherheit. Weiter so. Hauptsach die Kohle stimmt, insbesondere für die unschuldigen Vorstände und sonstige Verantwortliche. Aber nein hatte ich vergessen: wir müssen über AGG debattieren und warum Frauen nicht arbeiten können, in Ingenieursberufen.
    Das ist das Thema in das Frauen zwangsweise abgeschoben werden. In die Arbeitslosigkeit. Demonstrativ. Damit die anderen Leiharbeiter erst gar nicht auf andere Gedanken kommen.

    Abschreckungsmaßnahmen und hoher Unterhaltungswert, für die Restbelegschaft.
    Arbeitsmethoden in Deutschland in der Praxis.

  3. Porsche kann sich nun mal keine Beamten leisten – das überlassen wir lieber „denen da oben“. Dort liegt doch das Problem und nicht bei einem der letzten unserer Automobilhersteller. … Wären wir wirklich in einer Planwirtschaft besser aufgehoben? Was denken Sie denn, was Kia macht … oder Hyundai.

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